Heilmittelgesetz

10. November 2018 19:21; Akt: 10.11.2018 19:21 Print

Gibt es Hustensirup bald nur noch auf Rezept?

Apotheken sollen bisher rund 100 frei verkäufliche Medikamente nur noch auf Verschreibung abgeben dürfen. Der Krankenkassenverband warnt vor steigenden Kosten.

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Der Winter ist Erkältungs- und Hustenzeit. Für zahlreiche Personen bedeutet dies praktisch ununterbrochenes Schnäuzen, Schniefen und Husten. Bisher ging man dafür in die Apotheke und holte sich ein Erkältungsmittel oder einen Hustensirup. Künftig wird das nicht mehr so einfach sein: Das Heilmittelinstitut Swissmedic hat in einer bisher unveröffentlichten Liste rund 100 Medikamente definiert, die künftig nur noch mit ärztlicher Verschreibung oder mit einer Beratung und Dokumentation durch einen Apotheker bezogen werden dürfen, schreibt der «TagesAnzeiger».

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Betroffen sind dadurch auch Arzneimittel, die bisher tausendfach über die Ladentheke gingen, etwa Hustensirup mit dem Wirkstoff Codein. Diese Umstellung dürfte Kosten in dreistelliger Millionenhöhe verursachen, schreibt SVP-Nationalrat Sebastian Frehner in seiner Interpellation zur Thematik.

Mehrkosten befürchtet

Auch der Krankenkassenverband Santésuisse warnt vor höheren Kosten. «Wir befürchten, dass die Prämienzahler mit Mehrkosten konfrontiert werden», sagt Sprecher Matthias Müller. Das wichtigste Anliegen der Kassen sei aber eine Dämpfung des Kostenwachstums im Gesundheitswesen. «Denn wenn die Kosten steigen, steigen schlussendlich auch die Prämien», sagt Müller. «Das wollen wir nicht.»

Ähnliches befürchtet auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Sie findet, dass der Bund längst die Spezialitätenliste für Arzneimittel bereinigen und sie nicht noch weiter ausbauen sollte. «Denn die Ärzte und Apotheken werden so immer die teureren, von der Krankenkasse bezahlten Medikamente verschreiben, weil sie eine höhere Marge haben und mehr daran verdienen.»

Bund verweist auf Missbrauchspotenzial

Zudem führten die geplanten Änderungen zu einem Umdenken für den Konsumenten. «Nach der Umstellung werden diese
verwirrt sein, wieso sie ein bisher frei verkäufliches Medikament nur noch auf Rezept erhalten», sagt Stalder.

In der Antwort auf die Interpellation von Nationalrat Frehner verteidigt sich der Bundesrat. So soll die neue Regel nur bei Medikamenten gelten, die einen Wirkstoff mit einem bekannten Missbrauchspotenzial enthalten. Zudem werde nicht mit Mehrkosten gerechnet, da durch die Revision des Heilmittelgesetzes gleichzeitig bisher rezeptpflichtige Medikamente neu auch ohne Rezept abgegeben werden. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit wird sich dem Thema am kommenden Donnerstag annehmen. Dann auch soll Swissmedic dem Gremium Rede und Antwort stehen.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MiBa am 10.11.2018 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spinneritis

    Unglaublich: was macht dann der Betroffene, rennt zum Arzt, obwohl er ihn gar nicht nötig hätte, nur um ein Hüsteli-Sirup-Rezept zu erhalten... Mag mir gar nicht ausrechnen, was dies kostet...

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  • Dumby am 10.11.2018 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer als in der EU

    Warum vermute ich dahinter, dass es einmal mehr nur ums Geld geht?! Aber uns Schäfchen wird weisgemacht, dass da jemand nur unser Bestes will.

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  • Voll Krank am 10.11.2018 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar, diese Bevormundung

    Nur weil einzelne ein Suchtproblem habe. Wieder mehr Kosten für nix. Aber Zigaretten bekommt man in vielen Kantonen ohne Altersbegrenzung...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rumpelstilzli am 11.11.2018 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig daneben

    bis jetzt sollten wir Selbstverantwortung wahrnehmen und in die Apotheke, statt gleich zum Arzt, jetzt sollte plötzlich ein Rezept vorgelegt werden. Wo sind wir denn? Diejenigen, welche Missbrauch betreiben finden einen anderen Weg... Nichts anderes als Bevormundung und ein sinnloser Kostentreiber

  • Benni am 11.11.2018 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Mein lieber Scholli

    Bald wird es verboten sein Knoblauch zu kaufen. Da dieser generell gegen Erkältungen hilft, aber den Blutdruck ein wenig senkt. Mein lieber Scholli.

  • Patten am 11.11.2018 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein anderer Vorschlag!

    Ich würde vorschlagen, der Bund soll zuerst die KK gesund pflegen, statt die Patienten bevormunden, da wäre allen bedient. Danke!

  • kevin koller am 11.11.2018 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    falsch verstanden

    Dann huste ich halt ungeniert in Tram, Warenhaus und Büro rum. Wenn's damit gesundheitlich allen besser geht und die Gesundheitskosten gesenkt werden können, dann soll es mir recht sein. Oder hab ich was falsch verstanden ...

  • R. H. am 10.11.2018 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und die Kosten steigen ins unermessliche

    Und was zahlt die Swissmedic an Personen, welche nicht zum Arzt gehen, da sie dies für übertrieben halten und dann einen chronischen Husten davontragen? Die Swissmedic verlangt von uns Normalbürger, dass wir entscheiden müssen, ob wir zum Arzt gehen müssen, verweigern uns aber zu entscheiden, selber ein solches Medikament auf normalen Weg zu kaufen!