Experten fordern

10. Dezember 2019 04:46; Akt: 10.12.2019 07:08 Print

Gibt es die «Pille danach» bald im Supermarkt?

In England fordern Gesundheitsexperten den freien Verkauf von Notfallverhütungsmitteln. Das findet auch in der Schweiz Anklang.

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Geburtshelfer und Gynäkologen fordern im Vereinigten Königreich eine nationale Frauengesundheitsstrategie. In einem Bericht des «Royal College of Obstetricians and Gynaecologists» wird unter anderem ein vereinfachter Zugang zu Notfallverhütungmitteln empfohlen. Die «Pille danach» solle künftig wie Kondome frei im Laden verkäuflich sein.

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Auch in der Schweiz stösst dieser Vorschlag auf offene Ohren. Ronja Jansen, Präsidentin der Juso Schweiz, begrüsst die Stossrichtung aus England. «Massnahmen, die den Zugang zur ‹Pille danach› vereinfachen, sind positiv zu werten.» Die Notfallverhütung werde auch heute noch zu stark stigmatisiert.

«Nur geringe Nebenwirkungen»

«Die in der Schweiz zugelassenen Mittel zur Notfallverhütung sind alle wissenschaftlich untersucht und weisen nur geringe Nebenwirkungen auf», sagt Christine Sieber von Sexuelle Gesundheit Schweiz. Die Frage der gesundheitlichen Auswirkungen sei entscheidend, ob es für die Vergabe ein ärztliches Rezept, eine Beratung durch Apotheker oder gar nichts dergleichen brauche. «Bei dieser Frage hat die Moral nichts zu suchen.»

Laut Sieber braucht es für eine gute Frauengesundheit auf jeden Fall einen barrierefreien Zugang zu gesundheitlich relevanten Informationen, einer persönlichen Beratung und Dienstleistungen wie medikamentösen Behandlungen.

«Apotheken sind zuständig»

SP-Nationalrätin Yvonne Feri steht einer Lockerung der Abgabe hingegen skeptisch gegenüber: «Es dient der Frauengesundheit nicht, wenn die ‹Pille danach› frei im Laden verkäuflich ist, da sind die Apotheken zuständig.» Notfallverhütungsmittel sollten zwar niederschwellig und einfach herausgegeben werden, in allen Fällen danach zu greifen, sei aber falsch. «Das ist eine grosse Menge an Hormonen und nur für den Notfall gedacht. Apotheken sollten aufklären, dass es besser ist, zu verhüten.»

Sieber sieht das anders: «Ich denke nicht, dass ein freier Verkauf zu einer weniger sorgfältigen Verhütung führen wird.» Jansen ergänzt: «Erfahrungsberichte zeigen, dass die Einnahme der ‹Pille danach› unangenehm ist. Ich glaube nicht, dass eine bessere Verfügbarkeit die Leute dazu verleitet, weniger gut zu verhüten.»

Heikle Themen ansprechen

Sieber geht trotzdem davon aus, dass die verkaufte Menge von Notfallverhütungsmitteln durch einen freien Verkauf zunehmen würde. «Wenn der Zugang zu Notfallverhütung vereinfacht wird, werden sich mehr Frauen nach ungenügend geschütztem Sex für eine Notfallverhütung entscheiden.»

Die Möglichkeit einer medizinischen Betreuung solle aber gegeben sein, sagen sowohl Sieber als auch Jansen. «Der geschützte Rahmen einer Beratung macht das Ansprechen von heiklen Themen wie Verhütung, sexuell übertragbare Krankheiten oder sexuelle Gewalt möglich.» Jansen ergänzt, dass Hinweise auf das Angebot wichtig seien, aber niemand gezwungen werden solle, dieses auch wahrzunehmen.

Moralisierende Beratungen

Die Situation in der Schweiz könne nicht mit jener in England verglichen werden, sagt Sieber. Dort sei eine Studie erschienen, die gezeigt habe, dass Frauen in manchen Apotheken mit moralisierenden Bemerkungen konfrontiert würden, wenn sie Notfallverhütung brauchten.

«In der Schweiz existiert keine Studie in diesem Bereich. Ich gehe jedoch davon aus, dass in der Schweiz die Beratungen nicht moralisierend sind.» Letztendlich gehe es bei der Debatte darum, den Frauen ohne moralisierende Bemerkungen das Selbstbestimmungsrecht über ihre Gesundheit zu garantieren.

(les)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Die Politik lacht sich tot am 10.12.2019 05:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaut hin und denkt...

    Viele Medikamente brauchen in der so ehrlichen Schweiz ein Rezept. Im Ausland, vor allem in Asien, bekommt man die gleichen Medikamente von den selben Hersteller frei in jedem Shopping-Center und der Preis ist vielfach 10% vom CH-Preis. In der CH gut gehütet und geschütz von den hoch verdienenden Lobbyisten. Also zahlt schön weiter eure KK.

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  • Sabrina am 10.12.2019 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie eine ganze Packung

    Finde es sehr spannend, dass in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren immer mehr Frauen nicht mehr mit der Pille verhüten möchten, wegen den Nebenwirkungen. Ist euch bewusst, das eine Pille danach genau das ist? Die Pille danach ist das selbe, wie wenn ihr eine ganze Monatspackung auf einmal einnehmt. Somit für mich klar Beratungspflichtig um über die Nebenwirkungen aufzuklären.

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  • Rosacaliis am 10.12.2019 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    missbrauch...

    naja, nicht ganz überzeugend!! dies ist nicht einfach so ein "sugus" dass man jederzeit bei bedenken einnehmen sollte...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Silas89 am 11.12.2019 04:50 Report Diesen Beitrag melden

    Dann ist das doch ganz okay

    Ich war nie mit einer Frau zusammen, welche ein mal im Monat die Pille danach benötigte. Jedoch nahmen die meisten jeden Monat eine Monatspackung der Pille.

  • AntonMeier am 10.12.2019 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Egal wo

    Ist mir egal wo dietabletten gekaufter es können. Hauptsache die Kundinnen zahlen die Tabletten selber.

    • GYMBEAST am 11.12.2019 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @AntonMeier

      tun sie jetzt bereits. zuerst informieren bevor man solche äusserungen von sich gibt.

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  • Berner mark am 10.12.2019 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Näscht

    Die Apotheken sind vor allem da, das volk mit überrissenen preisen abzuzocken, und zwar massiv. Ein grippe medi kostet hier 35 Fr, gleiches medi vom selben schweizer hersteller, in kanada 7 fr. Selber gesehen und noch zig solcher beispiele. Wir werden nur noch übers näscht abgerissen

    • FernLeser am 10.12.2019 21:16 Report Diesen Beitrag melden

      Selbst gemachtes Bett

      Auch in Europa kosten die meisten Medis weit weniger und sind in der Regle bequem online erwerbbar. Wir zahlen locker 3 mal mehr. Das will das Volk ja hier offenbar so, die Abschottungspolitik welche nur dazu da ist unsere Hochpreisinsel intakt zu halten ist ja sehr beliebt.

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  • Ursina am 10.12.2019 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon, dann auch...

    Wenn diese Pille nicht frei überall zu kaufen ist, dann bin ich dafür, dass auch Kondome (die männliche Verhütungstechnik) nur noch in Apotheken und mit einem zwingenden Beratungsgespräch verkauft werden dürfen. Es gibt sehr viele Männer die den Umgang mit Kondomen nicht beherrschen und auch zuwenig über ihren Körper wissen. Das muss dringend auch angegangen werden. Natürlich sollte das Neratungsgespräch durch eine qualifizierte Fachfrau in Hörweite anderer Kunden/Kundinnen geführt werden, so wie es auch bei der Pille der Fall ist.

    • FernLeser am 10.12.2019 21:19 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Vergleich

      Diese Pille ist im Grunde keine Verhütung sondern bereits eher eine Abtreibung. Zudem schützt das Kondom beide Geschlechter vor Krankheiten und ist kein Medikament! Wie man dazu komt sowas zu fordern ist mir wirklich ein Rätsel.

    • Katrin Müller am 10.12.2019 21:48 Report Diesen Beitrag melden

      @FernLeser

      Menschen, denen der Unterschied zwischen der Pille danach und einer Abtreibungspille nicht klar ist, sollten vorm Mitdiskutieren den Unterschied besser zuerst nochmal nachlesen. Und das Spermizid in der Kondombeschichtung ist natürlich ein Medikament, mit Nebenwirkungen und Risiken.

    • die Ritterin am 10.12.2019 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ursina

      Dummes Geschwätz. Die Pille danach ist eine Hormonbombe mit massiven Nebenwirkungen. Nimmt man diese ein, während man (unbemerkt) schon schwanger ist, wird das Kind schwerst geschädigt. Kondome hingegen sind sicher und ohne Nebenwirkungen. Vielleicht sollten Sie einfach etwas wählerischer sein bei der Wahl Ihrer Sexualpartner. Dass Sie mit Männern schlafen, die nicht einmal einen Gummi handhaben können, spricht nicht gerade für Sie.

    • Mirjam am 11.12.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      Pille danach verzögert nur Eisprung

      Die Pille danach zögert den Eisprung der Frau heraus. Hat der Eisprung vor dem Geschlechtsverkehr schon stattgefunden, bringt auch eine solche Pille nichts mehr...Eine Abtreibung ist das per se demnach noch nicht. Die Wirkung der Pille danach kennen sehr viele Frauen (Männer sowieso) nicht...

    • Schon überlegt am 11.12.2019 18:20 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn Kondom nur mit Beratung

      Dann gäbs wohl noch mehr Herren, die zu D..... Oder zufaul währen, eines drüber zu ziehen. Dazu kommt, das Kondome, im Normalfall, nebenwirkungsfrei sind. Während die Pille danach, eine Hormonbombe ist und somit nicht ganz ungefährlich

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  • Stavi am 10.12.2019 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abtreibungspille

    Mal' ehrlich, wie viele werden diese Pille wieviel später genau danach nehmen? In der Not tut man vieles...