Lawinen-Unglück

20. Januar 2017 09:54; Akt: 21.01.2017 09:47 Print

Giorgia G. und ihr Freund sind gerettet

In dem von einer Lawine verschütteten Hotel in den Abruzzen befand sich eine Studentin, die in der Schweiz aufgewachsen ist. Jetzt ist sie in Sicherheit.

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Giorgia G. war nach dem Lawinenniedergang in Farindola, der ein ganzes Hotel verschüttete, vermisst worden. Freitagnacht konnten sie und ihr Freund Vincenzo in den Trümmern lokalisiert werden. In der Nacht auf Samstag wurden sie aus den Trümmern geholt und ins Spital gebracht. In mühsamer Kleinarbeit haben sich die Retter zuvor über verschiedene Öffnungen Zugang zum Hotel geschaffen. Mit Schaufeln graben sie sich durch die betonharten Schneemassen. Die Orientierung ist schwierig, da das Hotel zu einem grossen Teil zerstört wurde. Im Innern blieben aber einige Bereiche praktisch unversehrt. Hier wurde mehrere Überlebende gefunden. Die Betroffenen hatten riesiges Glück im Unglück. Für die Schweizerin Giorgia G. ist es ein Wunder, dass sie überlebt hat. Die Lawine habe ihr Leben für immer verändert. Ein Bild aus dem Übergang zwischen Poolbereich und Hotel zeigt die Gewalt der Zerstörung. Kampf gegen die Zeit: Feuerwehrleute, alpine Retter und Militär suchen nach Überlebenden im von der Lawine heimgesuchten Hotel. (19. Januar 2016) Drama im Erdbebengebiet: Ein Helfer beim Poolbereich. Er versucht, ins Innere des zerstörten Hotels zu gelangen. (19. Januar 2017) Der Rettungseinsatz läuft: Ein Foto des italienischen Feuerwehr-Departements zeigt einen Konvoi auf dem Weg zum Hotel Rigopiano. (19 Januar 2017) Italienische Rettungsteams kämpfen gegen die Zeit an, um die verschütteten Menschen zu retten. Zwei Personen, die sich während des Unglücks im Freien aufgehalten haben sollen, sind laut Medien gerettet. Schneemassen dringen in die Räume des Hotels Rigopiano ein. Rettung kommt: Hilfskräfte graben sich durch die Schneemauern ins Hotel. Die Lawine drang ins Hotel ein: Schnee am Ende eines Gangs im Hotel Rigopiano in Farindola. Schwieriger Zugang: Eine von Schnee umgebene Tür. Eine Luftaufnahme zeigt das Hotel. Retter sprechen von einem «tragischen Gemisch aus Erdbeben und Lawine»: Ein Helikopter und Retter zu Fuss auf dem Weg zum Hotel in Farindola. (19. Januar 2017) Weiter bergauf ist die Strasse durch Lawinenniedergänge blockiert: Zufahrt zum verschütteten Hotel Rigopiano in den Abruzzen in Mittelitalien. Gefangen in der Kälte: 20 Personen, darunter zwei Kinder, befinden sich im Hotel Rigopiano. Das Hotel befindet sich in der der mittelitalienischen Bergregion Abruzzen, in der Ortschaft Farindola: Das Foto zeigt das Hotel vor dem Lawinenniedergang. Rettungskräfte suchen nach den Verschütteten. Ein Teil der Gebäudestruktur sei eingestürzt, hiess es. Die Rettungseinheiten konnten wegen des hohen Schnees nur mit grösster Mühe nach Stunden das Hotel erreichen, in dem Lichter brannten.

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Giorgia G.* und ihr Freund Vincenzo F.* leben. Die 22-Jährige und der 25-Jährige wurden nach dem Lawinen-Niedergang in Italien vermisst. Nun haben sie Einsatzkräfte gefunden und geborgen. Über das Schicksal von Vicenzo war zunächst nichts bekannt. Am Samstagmorgen konnte die Familie aufatmen: Auch er ist unter den Geretteten.

Den beiden geht es den Umständen entsprechend gut. «Danke an alle», wird Giorgia von Radio G Giulinova zitiert. Ihre Mutter ist überglücklich. «Gott hat mich erhört und bringt mir meine Tochter zurück in meine Arme.»

Die Studentin wuchs in Rapperswil SG auf. Vor rund 13 Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Italien. Zuletzt sei G. vor Weihnachten in der Schweiz gewesen. Eine Freundin erzählt: «Sie kommt etwa ein- bis zweimal pro Jahr zurück, wir sehen uns immer mal wieder. Vor Weihnachten hat es aber leider nicht mehr geklappt.» Und: «Sie ist ein so lieber Mensch, immer fröhlich und lustig. Auch ihre Familie hat mich immer herzlich empfangen.»

«Die Mutter gibt die Hoffnung nicht auf»

«Sie wollte mit ihrem Freund in dem Hotel ein paar schöne Tage verbringen. Sie geht gern wellnessen», erzählt die Freundin. Laut der Mutter habe G. kurz vor dem Lawinenniedergang abreisen wollen. «Es hatte schon drei Meter Schnee gegeben und alle im Hotel wollten nach den Erschütterungen abreisen.»

Die Gäste hätten bereits ihre Koffer gepackt und nur darauf gewartet, dass die Strasse freigegeben wird. «Als Letztes schrieb sie ihrer Mutter, sie habe die Koffer gepackt und warte darauf, abreisen zu können.»

20 Vermisste

Doch dazu kam es nicht. Die Lawine war am späten Mittwochnachmittag durch eine Serie von Erdbeben ausgelöst worden und hatte das dreistöckige Viersterne-Hotel «Rigopiano» unter Schneemassen begraben.

Die Rettungskräfte teilten am Samstag mit, dass vier weitere Überlebende aus dem Hotel geborgen wurden. Damit steigt die Zahl der Überlebenden auf elf. Zudem bargen die Retter in der Nacht die Leichen zweier Frauen. Damit steigt die Zahl der bislang geborgenen Leichen auf vier. Bis zu 20 Menschen werden noch vermisst.

*Namen der Redaktion bekannt

(vro)