Fiese Markentricks

19. April 2015 13:47; Akt: 19.04.2015 13:48 Print

Gleiche Medikamente zu ungleichen Preisen

Pharma-Konzerne täuschen ihre Kunden mit gleichen Medikamenten mit ähnlichen Namen zu unterschiedlichen Preisen. Der Konsumentenschutz fordert schärfere Vorschriften.

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Kunden zahlen für den gleichen Wirkstoff nicht immer denselben Preis. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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In Schweizer Apotheken gibt es Medikamente mit einem Doppelleben. Zu kassenpflichtigen Produkten wird eine sehr ähnlich lautende zweite Marke lanciert, die nicht den gleichen strengen Regeln unterliegt.

Die Krankenkasse Helsana findet deutliche Worte: «Mit bewusst gewählten, ähnlichen Bezeichnungen wird tendenziell gegen das Heilmittelgesetz verstossen», sagt Sprecherin Anja Borchart zur «Schweiz am Sonntag».

Bei rezeptfreien Medikamenten ist Vorsicht geboten

Beispiele dafür sind etwa das Schmerzmittel Spedifen und Dolo Spedifen oder Fluimucil und Fluimucil Erkältungshusten. Ein weiteres Beispiel ist das Hustenmittel Solmucol. Eine Schachtel mit zehn Brausetabletten Solmucol 600 kostet 6.30 Franken. Weil das Medikament auf Verschreibung von der Kasse bezahlt wird, ist der Preis reguliert. Das Heilmittel ist rezeptfrei erhältlich. Doch hier muss der Kunde aufpassen: Denn in den Regalen steht auch das praktisch gleich verpackte Somucol Erkältungshusten. Der Wirkstoff ist identisch, die Dosis auch.

Doch dann enden die Gemeinsamkeiten. Die kleinste Packung umfasst nicht zehn, sondern lediglich sieben Tabletten – für stolze 11.60 Franken. Pro Tablette sind das 163 Prozent mehr. Selbst für Zehnerpackungen zahlt der Kunde noch 60 Prozent mehr. Auf diese Weise kann die Branche nicht nur höhere Preise verlangen, sondern auch das Werbeverbot umgehen, dass für kassenpflichtige Produkte gilt.

Swissmedic akzeptiert ähnliche Marken

Auf Anfrage argumentieren die meisten Hersteller, es handle sich bei den Zwillingsprodukten um separate Marken mit je einer eigenen Zulassung. Juristisch gesehen ist das korrekt. Die Zulassungsstelle Swissmedic akzeptiert sehr ähnliche Marken als eigenständige Produkte, wie der Sprecher Peter Balzli sagt.

Man würde jedoch Markennamen ablehnen, die «zu Verwechslungen führen» können. Würden Medikamente in kleineren Packungen verkauft, handle es sich zudem nicht um identische Produkte», so Bazli.

Kritik von Konsumentenschützern

Konsumentenschützer kritisieren die Markentricks der Pharma-Betriebe. Zwischen den Untermarken bestehe eine grosse Verwechslungsgefahr, so Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz. Es könne nicht sein, dass über Umwege für Produkte geworben werden könne, die von den Krankenkassen bezahlt werden müssen. «Man sollte da eine Bestimmung mit aufnehmen, dass Medikamente nicht beworben werden dürfen, wenn sie die gleiche Marke verwenden wie kassenpflichtige Produkte.»

Auch Helsana fordert Swissmedic auf, schärfer gegen indirekte Werbung für kassenpflichtige Medikamente vorzugehen und «solche missbräuchlichen Praktiken zu verbieten».

(pat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer Bürger am 19.04.2015 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Da wird sich nichs ändern

    Da wird nie was passieren, solange der Staat(Schweiz) und die Pharmaindustrie die besten Kollegen sind, werden die Preise in der Schweiz immer gleich bleiben.

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  • rony am 19.04.2015 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vollkommen recht

    solange jeder 5te parlamentarier direkt oder indirekt Geld der Pharmaindustrie bekommt und sie auch swissmedic kontrollieren, steigen jedes jahr nur die kk prämien.

  • Walti C. am 19.04.2015 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Haarspalterei

    Herr Balzli sagt: "Würden Medikamente in kleineren Packungen verkauft, handle es sich zudem nicht um identische Produkte". Muss er wohl, denn er verdient indirekt mit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DenkeZuerst am 20.04.2015 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Pangster?

    Die Pharma-Industrie bringt Gesundheit, aber auf der betriebswirtschaftlichen Seite sind sie nur Gangster. Bei normalen völlig harmlosen Alltagsprodukten wird den Produzenten ständig auf die Finger geklopft, aber bei Medikamenten wird unlauteres Verhalten (im Gesetz speziell vermerkt) akzeptiert. Da muss kein neues Gesetz geschaffen, sondern nur vor Gericht geklagt werden, weil die Täuschung unverschämt ist und daher einfach einzuklagen sein sollte.

  • Alfa Romeo am 19.04.2015 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Na und

    Skoda oder Audi. Gleiche Baumodule. Grosse Preisunterschiede. Audi TT wird in Ungarn hergestellt, und der Polo in der Slowakei. Trotzdem wird gekauft.

  • Pharma Assistentin am 19.04.2015 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die andere Seite denken

    Die Apotheken stehen in diesem Beitrag sehr schlecht da! Wenn ibr alle mal die Augen aufmachen würdet, würdet ihr merken, dass die Apotheke gerade an rezeptpflichtigen Medikamenten praktisch nichts mehr verdient, die Marge ist oft gleich 0! Also ist es Logisch und meiner Meinung nach verständlich dass man wenigsten im rezeptfreien Bereich noch etwas verdienen möchte, schliesslich beraten wir die Kunden auch oft nicht nur für einige Minuten!!!

    • Linda am 19.04.2015 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Endlich jemand die/der vom Ganzen was versteht!

    • Arzt am 19.04.2015 23:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Marge zu tief??????

      Stimmt ganz und gar nicht! Ich verkaufe in meiner Praxis auch rezeptpflichtige Medikamente und habe trotz nur geringer Einkaufssumme immer noch eine gute Marge. In einer Apotheke mit höherer Einkaufssumme ist der Gewinn natürlich noch höher. Die Tricks der Pharma und der Verkäufer solcher "Bauernfänger"-Produkte sind einfach Geldmacherei auf Kosten von unachtsamen Kunden. Dafür dürfen sich bald alle vom Apotheker - ohne klinische Erfahrung bezüglich Statuserhebung, Differentialdiagnose und natürlich ohne finanzielle Interessen - fehldiagnostizieren lassen und die Allgemeinheit bezahlt den Schwachsinn wohl auch noch... Brave new Pharma World

    • Pharma Assistentinnen und Apothekerinnen am 20.04.2015 08:49 Report Diesen Beitrag melden

      Empört!

      Dann bestellen wir das nächste Mal unsere Medikamente über Sie! Z.B. bei Dafalgan Suspension ist der vorgeschriebene Verkaufspreis 2.25 CHF. Wenn wir jetzt noch eine Dosierungsetikette schreiben, legen wir sogar noch drauf (Lohn nicht eingerechnet!!) SD-Ärzte haben oft bessere Einkaufskonditionen als wir als Apotheke!! Ärzte fühlen sich oftmals überlastet und haben keine Zeit für Patienten und hier übernehmen Apotheken (GRATIS!!) eine wichtige Gatekeeperfunktion. Ausserdem hat die Abgabe von Medikamenten durch den Arzt den Nachteil, dass die wichtige Doppelkontrolle durch die Apotheke fehlt!!

    • Mahu am 20.04.2015 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Lösung ist Selbstdispensation

      Es ist fact, dass Apotheker bessere Einkaufskonditionen haben. Vergessen wir auch all zu oft, dass selbstdispensierende Ärzte mindestens 25% billiger sind wie rezeptierende.

    • Aloha am 20.04.2015 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      Leider eine kleine Abschweifung!!

      SD ist keine Lösung. Was glauben Sie wie oft wir in der Apotheke einen Arzt anrufen müssen, weil er die falsche Dosierung verschreibt oder Interaktionen auftreten. Dieser Schritt geht durch die Selbstdispensation verloren. Der Kunde bleibt durch die Abgabe beim Arzt über die Einnahme und Einnahmetipps oft im Dunkeln. Ausserdem hat das Thema Selbsdispention mit diesem Artikel nicht das geringste zu tun!!!

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  • Christian am 19.04.2015 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind alle Todkrank:-)

    Wir sind alle Todkrank! Es zu leugnen ist ein klassisches Symptom von Verdrängung! Wir müssen uns sofort eingestehen, dass wir Todkrank sind. Das ist der erste Schritt zur Besserung. Danach sofort mit der Therapie beginnen. Ob oral, inhalatorisch, inteavenös oder perkutan: Hauptsache man beginnt mit etwas! Danach, wenn man mit dem Zeug vollgepumpt ist, ist alles leichter und viel einfacher:-) PS: Sterben müssen wir sowieso, ob mit Medikamenten oder ohne. Wieso also nicht mit Medikamenten, um wenigstens den Managern etwas Gutes zu tun?! Ein Privatjet, eine Villa, eine Yacht...?:-)

  • Dr. Best am 19.04.2015 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine medis kaufen

    Probiert doch mal, so fern möglich, gar keine Medikamente mehr zu kaufen. Mal schauen was passiert. Bin sowieso der Meinung das die meisten völlig unnötig und unnütz sind.