Hitzewelle

30. Juli 2015 05:47; Akt: 30.07.2015 06:39 Print

Gletschern droht Rekord-Schmelze

Die Gletscherschmelze fällt dieses Jahr dramatisch aus: Bereits jetzt ist auf vielen Gletschern die schützende Schneeschicht verschwunden.

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Die Hitzewelle im Juli verwandelte die Schweiz in eine Sauna – und setzte den Gletschern gewaltig zu. Das erfüllt Glaziologen mit Sorge. Denn Ende Sommer sollten die Eisriesen immer noch zu 60 Prozent mit Schnee bedeckt sein.

Nur dann könnten sie den Verlust im Winter wieder aufholen, wie Glaziologe Matthias Huss von der ETH Zürich erklärt. «Doch bereits jetzt haben viele Gletscher in der Schweiz die 50-Prozent-Grenze überschritten.» Auf einigen kleineren Gletschern sei der Schnee schon ganz weg.

Die nächsten beiden Monate sind entscheidend

Mit negativen Auswirkungen: Ist der Schnee verschwunden, kommt das dunkle Eis zum Vorschein – die Schmelze beschleunigt sich. Matthias Huss sagt: «Zudem werden die Sonnenstrahlen nicht mehr reflektiert, es trifft mehr Energie auf die Eismassen.»

Im Jahrhundertsommer 2003 registrierten die Glaziologen Rekordschmelzen. Ob dieses Jahr ebenso schlimm wird, entscheidet sich in den nächsten zwei Monaten. Huss ist pessimistisch: «Bis jetzt war dieses Jahr auf demselben negativen Weg wie 2003.»

Regen ist Gift für die Gletscher

Auch der Gletscherexperte des Bundesamts für Umwelt, David Volken, schätzt die Lage düster ein: «Es sieht gar nicht gut aus: Wenn der August so heiss wird wie der Juli, gehts den Gletschern ans Lebendige.» Nicht nur die Sonne, auch der Regen habe den Gletschern arg zugesetzt. «Im Juli hat es oft bis auf 3500 Meter geregnet. Das ist Gift für die Gletscher, das bildet kein neues Eis, sondern beschleunigt die Schmelze.»

Auch er zieht Parallelen zum Jahrhundertsommer 2003. Die Wasserabflüsse, die im Juli am Aletschgletscher gemessen worden seien, ähnelten den Mengen von 2003. Volken: «An einem Tag hatten wir im Tagesmittel 95 Kubikmeter pro Sekunde Abfluss.»

Mit sichtbaren Folgen: Während der Hitzephase im Juli verlor der Aletschgletscher elf Zentimeter, der Rhonegletscher acht Zentimeter pro Tag. Volken: «Das Beste wäre, wenn jetzt bis auf 2000 Meter eine Schutzschicht von 30 Zentimeter Neuschnee fallen würde.»

2100 sind alle Gletscher – fast – verschwunden

Beat Ruppen, Leiter des Managementzentrums Jungfrau-Aletsch, sagt: «Lokale Massnahmen, den Gletscherschwund zu stoppen, gibt es keine.» Den riesigen Aletschgletscher mit Vlies abzudecken, sei unmöglich. Ruppen sagt: «Wir sind alle gefordert, unseren Teil beizutragen: Der CO2-Ausstoss muss verringert werden.»

Dass die Gletscher in 90 Jahren nur noch Schatten ihrer selbst sein werden, ist wohl nicht mehr abzuwenden, wie Glaziologe Matthias Huss erklärt. Man gehe davon aus, dass um 2100 fast alle Gletscher in der Schweiz weggeschmolzen sind. «Die Zunge des Grossen Aletschgletschers – die heute noch bis zu 800 Meter dick ist – wird wohl verschwunden sein, einige Reste hingegen werden zurückbleiben.»

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hansi am 30.07.2015 06:04 Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch aber wahr

    Ich Zweifle nicht daran, dass die Gletscher schmelzen, aber warum regen sich alle deswegen so auf? Es ist der Lauf der Natur. Klar wenn ein Gletscher weg ist kann es im Tal zu Wasserknappheit kommen, aber wenn es jetzt schon zur Wasserkanppheit kommt schmilzt man auch keinen Gletscher. Warum muss man in die Natur eingreifen? Es war schon immer so dass es Gletscher gab und wieder weg waren. Zürich war vor 13000 Jahren noch unter einen 1 KM dicken Gletscher. Der ist auch geschmolzen ohne Menschliche Einwirkung.

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  • bronco am 30.07.2015 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die lösung wie immer

    man könnte eine zusätzliche gletscher-steuer eunführen. das hilft den gletschern überhaupt nicht, das geld würde auch nicht fadür eingesetzt, aber der staat würde damit andere löcher stopfen - egal wie absurd diese ausgaben sind und wer die geldempfänger in wirklichkeit sind.

  • realist am 30.07.2015 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja, ist so...

    ... und was machen wir jetzt? klimaanlagen aufstellen? klar ist dies nicht gut... aber jedesmal nach einem super sommer das thema gletscher aufgreifen bringt auch nichts! sie schmelzen auch in den jahren dazwischen und DASS gilt es zu stoppen!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon Oberli am 04.08.2015 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Vergleichsfotos zur Gletscherschmelze

    Auf privater Basis dokumentieren wir seit 2007 den Rückgang diverser Schweizer Gletscher mit interaktiven Fotovergleichen. Diese Fotovergleiche zeigen alle das im Artikel beschriebene Bild. Die Vergleichsfotos können auf der Homepage betrachtet werden.

  • Tanzlehrer am 01.08.2015 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    übrigens.....

    Selbst wenn wir auf der ganzen Erde alle nicht mehr Autofahren und alle Kohlekraftwerke und alle künstlichen CO 2 Produzenten abschalten würden / könnten, dann würde bräuchte das Eis einfach 500 Jahre länger zum schmelzen, aber schmelzen tut es sowieso., weil wärmer wird es aufjedenfall, auch ohne Hilfe vom Menschen. weil der Klimawandel normal ist, das Klima verändert sich seit der Entstehung der Erde stetig das ist normal, alles andere ist nur reine Spekulation und die Politiker die sich dafür einsetzen haben die Meisten keine Ahnung (ausser Merkel die hat Physik studiert).

  • Tanzlehrer am 01.08.2015 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Eis schmelzt nun mal wenns warm ist

    Natürlich schmelzen die Gletscher, das haben sie immer getan und die schmelzen bis sie weg sind, dann kommt irgend wann eine neue kleine oder grosse Eiszeit, dann entstehen neue die dann wieder schmelzen. Alle Gletscher stammen von der grossen oder und der kleinen Eiszeit der Nordpol und der Südpol ebenfalls, das dieses alte Eis irgendwann schmelzen muss sollte eigentlich klar sein. Das hat überhaupt nichts mit dem Klimawandel zu tun, das ist der Kreislauf der Natur.

  • Hellebarde am 30.07.2015 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit, kurz und schmerzlos.

    Gletscher ragten einst weit ins Europäische Tiefland hinein, das was wir heute an Gletschern bestaunen können macht gerade mal 1 Prozent der gesamten Gletschermasse aus die hier einst mal lag. Die Gletscher schmelze begann schon vor der Industrialisierung. Das weichen der Gletscher lies überhaupt zu, dass wir die hoch Alpen besiedeln konnten.

    • Der Bayer am 30.07.2015 21:17 Report Diesen Beitrag melden

      Rheinzeitung

      Laut der Rheinzeitung die ich auch als Deutscher lese ist der grosse Imposante 22 Kilometer lange Aletschgletscher mit der Zunge auf 1575 Metern und dem Firnfeld auf 4160 Meter, da es wegen der Klimaerwärmung bei uns zumal feuchter wird, gewachsen. Wie soll man denn das verstehen.

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  • Rolf Gysling am 30.07.2015 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kühl solange Eis da ist

    Wir müssen ja noch aus mindestens zweierlei Gründen noch froh sein hat es Eis welches schmelzen kann. Zum einen verbraucht der Schmelzvorgang sehr viel Energie,(also Wärme) somit kühlt dieser die Luft bzw. das umgebende Wasser oder Eis ab. Zum anderen refelktiert die helle Fläche mehr Strahlung. Ist das Eis einmal weg wird das lokal auch zu einem sprunghaften Anstieg der Durchschnittstemperaturen führen.