Grünen-Beitritt

18. August 2017 19:51; Akt: 18.08.2017 19:51 Print

Glocken-Gegnerin Holten träumt vom Bundeshaus

Tierschützerin Nancy Holten (43) will mit den Grünen die Politik aufmischen. Sie strebt auch ein politisches Amt an.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Den Schweizer Pass hat sie zwar noch nicht, doch bereits drängt Model Nancy Holten in die Politik. Sie ist den Grünen beigetreten, nachdem ihr die Aargauer Regierung vor vier Monaten die Einbürgerung zugesichert hat: «Ich wollte ja auch Schweizerin werden, damit ich mich politisch engagieren kann», sagt die aus den Niederlanden stammende Holten zu 20 Minuten.

Die Frau, die mit ihrem Kampf gegen Kuhglocken schweizweit für Schlagzeilen sorgte, hat grosse Ziele: «Die Grossratswahlen im Aargau sind ein Thema. Ich kann mir aber auch vorstellen, bei den nationalen Wahlen 2019 anzutreten.» Sie träume davon, an sinnvollen Gesetzen mitzuarbeiten und werde mit ihrer Partei in den nächsten Wochen die Möglichkeiten besprechen.

Für den EU-Beitritt

Bei den Grünen habe sie sich sofort pudelwohl gefühlt, sagt die Tierschützerin. «Mein Lifestyle ist so was von grün: Ich fahre kein Auto, trage Secondhand-Klamotten und lebe vegan.» In der Politik will sie sich für das Tierwohl einsetzen und vegane Ernährung propagieren. «Bei diesem Thema sind die Grünen noch etwas schwach auf der Brust.»

Gefragt nach ihrer Position zu einem institutionellen Rahmenabkommen mit der EU, will sich Holten noch nicht festlegen, da sie sich damit noch eingehend befassen müsse. «Ich bin aber klar für den EU-Beitritt.» Sie sei keine Feministin, erachte die Gleichstellung aber als selbstverständlich. Ein Burka-Verbot lehnt sie ab, spricht sich aber für einen Islam-Unterricht an Schulen aus, der eine Antwort auf radikale Ideologien sein soll.

«Einzelmaske ohne Durchschlagskraft»

Holten will vor allem der SVP Paroli bieten: «Mit meiner Eloquenz werde ich sicher nicht klein beigeben.» Sie liebe die Debatte, solange deren Niveau nicht unter die Gürtellinie rutsche. Sie habe zudem keine Berührungsängste. «Auch wenn ich den Positionen von SVP-Nationalrat Andreas Glarner nicht einverstanden bin, verstehen wir uns privat gut.» Glarner habe ihr auch zum Beitritt zu den Grünen gratuliert.

SVP-Nationalrat Maximilian Reimann, der wie Holten in Gipf-Oberfrick wohnt, glaubt, dass Holten durchaus Chancen hat, in den Grossen Rat einzuziehen. Für mehr werde es aber kaum reichen, sagt er gegenüber TeleM1: «Wenn Frau Holten auf ihren kuriosen politischen Vorstellungen beharrt, wird sie eine Einzelmaske ohne jegliche Durchschlagskraft sein und bleiben.»

Der Aargauer Grünen-Nationalrat Jonas Fricker sagt, es sei schön, dass sich Holten engagiere. Die Aufnahme der polarisierenden Tierschützerin sei für die Partei kein Risiko. «Die Grünen sind eine Partei der Vielfalt. Sie passt zu uns.» Dass sie über Nacht zur Identifikationsfigur der Grünen werde, sei unwahrscheinlich, sie habe keine Parteifunktion und vertrete ihre eigene Meinung.

Model-Karriere stockt

Holten selbst dämpft die Erwartungen: Sie wisse, dass sie polarisiere. Ihre Popularität könne für die Partei Fluch und Segen zugleich sein, sagt Holten.

Die Politik sei auch kein Ersatz für die ins Stocken geratene Model-Karriere, beteuert die 42-jährige Mutter. Die Migros hatte nach Protesten Anfang Monat eine Kampagne mit der Kuhglocken-Gegnerin gestoppt. Zwei Agenturen beendeten daraufhin die Zusammenarbeit mit ihr.

(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andi am 19.08.2017 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Extreme mehr in die Politik!

    Dann wird die Politik noch mehr zum Theater und Debatierclub statt der strategischen Führung. Extreme Ansichten haben in solchen Gremien nichts verloren. Ist nur grosse Zeit- und Geldverschwendung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andi am 19.08.2017 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Extreme mehr in die Politik!

    Dann wird die Politik noch mehr zum Theater und Debatierclub statt der strategischen Führung. Extreme Ansichten haben in solchen Gremien nichts verloren. Ist nur grosse Zeit- und Geldverschwendung!