Pflanzenschutzmittel

19. September 2018 08:01; Akt: 19.09.2018 10:50 Print

Bund will Glyphosat-Grenzwert massiv erhöhen

von D. Krähenbühl - Während eine Volksinitiative ein Pestizid-Verbot verlangt, plant der Bund, die Grenzwerte zu lockern. Die erlaubten Werte sollen teilweise verhundertfacht werden.

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Der «Rundschau» liegt der verwaltungsinterne Entwurf der neuen Gewässerschutzverordnung vor, die zeigt, dass der Bund den Grenzwert für 25 Pestizide massiv erhöhen will. Die geplanten Änderungen würden bedeuten, dass sich der Grenzwert für den mutmasslich krebserregenden Unkrautvertilger Glyphosat und viele weitere Pflanzenschutzmittel um das Hundertfache erhöhen würde. Deutlich mehr Pestizide dürften so ganz legal in Schweizer Bäche und Flüsse gelangen. Die absolute Obergrenze für einzelne Giftstoffe soll neu 10 Mikrogramm statt 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser betragen. «Das ist inakzeptabel – wir brauchen tiefere und sicher nicht höhere Grenzwerte», kritisiert GLP-Nationalrätin Tiana Moser das Vorhaben. Auch für den SP-Nationalrat Beat Jans ist die geplante Änderung unverständlich: «Höhere Grenzwerte für Pestizide widersprechen allem, was der Bundesrat sonst zum Thema sagt.» Markus Ritter, CVP-Nationalrat und Präsident des Bauernverbands, reagiert zurückhaltend auf die höheren Grenzwerte: «Das ist etwas, das wir gar nicht wollen.» Andere Politiker sehen das nicht so eng. «Wenn das wissenschaftlich sauber abgeklärt ist, sehe ich kein Problem», sagt etwa FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Und auch SVP-Nationalrat Werner Salzmann betont: «Wenn das Bundesamt für Umwelt sagt, dass das kein Problem sei, dann glaube ich das auch», so der gelernte Landwirt. Das Bundesamt für Umwelt wollte gegenüber 20 Minuten keine Stellung zum Fall nehmen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Im erläuternden Bericht zur Revision schreibt das Amt, dass diese Stoffe in Gewässern «verhältnismässig wenig toxisch» sein. Die absolute Obergrenze für einzelne Giftstoffe in Gewässern soll neu 10 Mikrogramm statt 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser betragen, so auch für Glyphosat.

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Mit dem nationalen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel hat sich der Bund im September 2017 das Ziel gesetzt, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Nun deckt die SRF-Sendung «Rundschau» auf, dass genau das Gegenteil passieren könnte. Der Sendung liegt der verwaltungsinterne Entwurf der neuen Gewässerschutzverordnung vor, die zeigt, dass der Bund den Grenzwert für 25 Pestizide massiv erhöhen will. Die absolute Obergrenze für einzelne Giftstoffe in Gewässern soll neu 10 Mikrogramm statt 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser betragen, die neuen Grenzwerte sollen ab dem 1. Januar 2019 gelten.

Die geplanten Änderungen würden bedeuten, dass sich der Grenzwert für den mutmasslich krebserregenden Unkrautvertilger Glyphosat und viele weitere Pflanzenschutzmittel um das Hundertfache erhöhen würde. Deutlich mehr Pestizide dürften so ganz legal in Schweizer Bäche und Flüsse gelangen. Ein erster Versuch des Bundesamts für Umwelt (Bafu), die zulässigen Grenzwerte in Oberflächengewässern nach oben zu schrauben, scheiterte 2017. Auch jetzt kündigt sich grosser Widerstand an.

Hohe Pestizidbelastung

«Das ist inakzeptabel – wir brauchen tiefere und sicher nicht höhere Grenzwerte», kritisiert GLP-Nationalrätin Tiana Moser das Vorhaben gegenüber der «Rundschau». Bereits heute gebe
es in der Schweiz wegen der hohen Pestizidbelastung ein Vogel- und Insektensterben. Auch für den SP-Nationalrat Beat Jans ist die geplante Änderung unverständlich: «Höhere Grenzwerte für Pestizide widersprechen allem, was der Bundesrat sonst zum Thema sagt», so Jans zur Sendung. Und der SP-Nationalrat wählt aussergewöhnlich starke Worte: «Ich finde diesen Plan gelinde gesagt strohdumm!»

Andreas Bosshard, Geschäftsführer des Vereins Vision Landwirtschaft warnt vor allem vor dem Pestizid-Mix in den Gewässern, wenn der Grenzwert heraufgesetzt würde. «Das Vorhaben des Bundes widerspricht dem gesetzlichen Vorsorgeprinzip, da niemand weiss, wie die Wirkstoffe miteinander reagieren.» Vor allem sei es politisch ein ganz ungeschicktes Zeichen angesichts zweier Initiativen, die die Reduktion von Pestiziden fordern. (siehe Box)

Markus Ritter, CVP-Nationalrat und Präsident des Bauernverbands reagiert zurückhaltend auf die höheren Grenzwerte: «Das ist etwas, das wir gar nicht wollen.» Saubere Gewässer seien eine grosse Errungenschaft in der Schweiz. «Dazu müssen alle ihren Beitrag leisten, auch wir Bauern», sagt Ritter zur «Rundschau».

«Verhältnismässig wenig toxisch»

Andere Politiker sehen das nicht so eng. «Wenn das wissenschaftlich sauber abgeklärt ist, sehe ich kein Problem», sagt etwa FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Gerade bei Glyphosat habe man sehr viele und detaillierte Studien gemacht. Und auch SVP-Nationalrat Werner Salzmann betont: «Wenn das Bundesamt für Umwelt sagt, dass das kein Problem sei, dann glaube ich das auch», so der gelernte Landwirt. «Ich finde es richtig, dass man der Landwirtschaft Hilfsstoffe zur Verfügung stellt, die die Qualität und Quantität der Produkte erhöhen.»

Das Bundesamt für Umwelt wollte gegenüber 20 Minuten keine Stellung zum Fall nehmen, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Im erläuternden Bericht zur Revision schreibt das Amt, dass diese Stoffe in Gewässern «verhältnismässig wenig toxisch» seien. Die neuen Grenzwerte seien wissenschaftlich und nach internationalen Standards hergeleitet worden. Der Schutz empfindlicher Pflanzen, Lebewesen und Mikroorganismen sei gewährleistet, so der interne Bericht weiter.

Mehr dazu heute Abend in der «Rundschau» auf SRF 1, neu ab 20.05 Uhr.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matheuw am 19.09.2018 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glyphosat

    Unglaublich. Das Volk will das absolut nicht, aber der Bundesrat ignoriert regelmässig den Volkswillen. Bin entsetzt.

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  • Aurora am 19.09.2018 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lobbyisten

    Ich würde mal alle Lobbyisten aus dem Bundeshaus entfernen. Parlamentarier sollten das Volk vertreten statt Interessen von Mega Konzernen.

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  • Bündner am 19.09.2018 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merkt euch die Politischen Befürworter....

    Volkskrankheit Krebs lässt grüssen! Wie können Politiker nur so unverantwortlich sein, gegenüber Mensch , Tier und Natur! ....die Profitgier steht über, Leben !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DonMeier am 19.09.2018 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bin nicht überrascht...

    Erstaunt das, dass der Bund einmal mehr gegen den Willen des Volkes ist....?

  • Osti am 19.09.2018 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es

    Ich bitte alle Grossverteiler die Menge Pestizide pro hundert Gramm bei Ihren Produkten zu deklarieren dann entscheiden wir die Kunden was wir essen möchten

  • waldmeister sause am 19.09.2018 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lest mal !

    Wenn ich all diese Kommentare lese frage ich mich ob sich überhaupt jemand richtig informiert hat?!!

  • Dä Jesus am 19.09.2018 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das bitte werden.

    Aisnamsweise stimme och der GLP mal zu. Was soll das genau, das Volk will tiefere Grenzwerte, die Bauern wollen keine höheren Grenzwerte aber die Regierung in Bern will sie einfach so mal verhundertfachen und das obwohl niemand danach gefragt hat. Die einzigen die von so einer Massnahme profitieren sind Pflanzenschutzmittel hersteller und die Pharmaindustrie, weil sie dann mehr Antihistamine und Chemotherapien verkaufen können.

  • rocky53 am 19.09.2018 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bio

    und alles springt bio nach und zahlt überrissene preise. habe schon chemiekeller von grossbauern gesehen,unglaublich und zuwenig kontrolle.letzte woche einer sein feld bestäubt,sprach ihn an,falsche frage ,antwortgehe mich nichts an.nun frage ich mal nach dort wo aus region steht,den dieser ist nicht sauber sieht man schon beim hof.