Alpen-Initiative

15. Februar 2011 10:29; Akt: 15.02.2011 13:42 Print

Gotthard-Sanierung ohne zweite Röhre?

Die Alpen-Initiative macht sich bei der anstehenden Gotthard-Sanierung für eine Lösung ohne neuen Tunnel stark. Ihr Mittel: Autoverlad.

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Der internationale Lastwagenverkehr soll künftig nur noch auf der Schiene durch den Gotthard rollen. Dies fordert die Alpen-Initiative in einem am Dienstag präsentierten Konzept für die Zeit während und nach der Sanierung des Strassentunnels.

Vom Fahrverbot durch den Strassentunnel ausgenommen wäre nur der regionale LKW-Verkehr aus dem Tessin und der Innerschweiz. Gemäss Fabio Pedrina, Tessiner SP-Nationalrat und Präsident der Alpen- Initiative, würde dies «noch zehn bis zwanzig LKW» pro Tag betreffen

Der Rest der rund einer Million Lastwagen, welche den Gotthard jedes Jahr durchqueren, sollen auf eine Rollende Landstrasse, also auf die Schiene verlegt werden. Drei Verladezüge pro Stunde und Richtung zwischen Erstfeld und Biasca würden bis zu 720 000 LKW pro Jahr durch den Berg transportieren, sind die Initianten überzeugt.

Keine Kollision mit 40-Tönner

Eine Mehrheit der Autofahrer wünsche sich, dass die LKW aus dem Tunnel verschwinden würden, sagte Alf Arnold, Geschäftsführer der Alpen-Initiative, vor den Medien in Bern. Das Risiko eines Lastwagen- Brandes oder einer Kollision mit einem 40-Tönner sei damit praktisch eliminiert.

Zudem würde mit einem LKW-Verbot die von Verfassung und Gesetz geforderte Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene endlich umgesetzt.

Das Fahrverbot soll gemäss Konzept bereits während der Sanierung des Tunnels gelten, die ab 2020 in Angriff genommen werden soll. Die Alpen-Initiative schlägt vor, den Umbau auf vier oder fünf Winterhalbjahre zu verteilen.

In der Ferienzeit im Sommer würde nicht gearbeitet, damit die Autos ungehindert in Richtung Süden fahren könnten. In den Winterhalbjahren würde ein Autoverlad zum Einsatz kommen und die Autos auf der bisherigen Bergstrecke transportieren. Eine zweite Röhre ist laut Alpen-Initiative nicht notwendig.

Vier Minuten längere Reisezeit

Für die Initianten ist die Verlagerung der LKW auf die Schiene «eine eierlegende Wollmilchsau», wie es Arnold ausdrückte. Sie sei nicht nur am besten für die Sicherheit, sondern schone auch die Umwelt und sei am kostengünstigsten.

Bei der Tunnel-Sanierung könne nämlich einiges eingespart werden, wenn künftig keine LKW mehr hindurchfahren dürften - etwa bei der Lüftung, beim Sicherheitsstollen oder bei der Reparatur der Zwischendecke.

Allerdings stehen diese Pläne im Widerspruch zu den Betriebsplänen der SBB: Um die zusätzlichen LKW-Züge durch den Tunnel zu bringen, müsste die SBB den Eurocity langsamer fahren lassen - nämlich nur noch 160 Stundenkilometer statt wie geplant 200. Für die Passagiere würde dies vier Minuten mehr Reisezeit bedeuten.

ASTAG: «Märklin-Fanatiker»

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG ist von der Fahrverbots-Idee im Tunnel wenig begeistert. Eine Rollende Landstrasse zwischen Erstfeld und Biasca ziele vollkommen an der Realität vorbei, schreibt der ASTAG in einer Mitteilung.

Heutige Logistik verlaufe nicht nach Fahrplan, sondern nach Kundenbedürfnissen. Das Konzept sei nicht mehr als eine «Illusion auf dem Reissbrett von Märklin-Fanatikern». Zwingend nötig sei vielmehr der sofortige Bau einer zweiten Röhre.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michael Meienhofer am 15.02.2011 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist an einer 2.Tunnelröhre interessiert?

    Sicher nicht die Schweizer durchfahrer, für unsere Transporte reicht die Kapazität. Die EU iost der grösste Nutzniesser, also verteilen der Kosten für die 2.Röhre nach Beansprucheng, wir werden ja sehen wer wieviele Kohle locker machen wird.

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  • Pietro Secreto am 15.02.2011 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Autoverlad unrealisierbar

    Autoverlad ist nicht machbar, sonst gäbe es diesen schon lange. Die Tessiner fordern einen zweiten Gotthardtunnel, alles andere ist unrealistisch.

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  • Xavi am 15.02.2011 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Naja..

    Wenn Sie nur ein Halbjahr schliessen wollen, dann wäre wohl das Winterhalbjahr besser: im Sommer können die Autos ja über den Gotthardpass ausweichen. Das zeigt , dass die Leute, die diese unrealistische Vorschläge bringen, keine Ahnung vom Geschehen am Gotthardtunnel haben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass sie das Gefühl haben, dass 6 Züge pro Richtung und Stunde genügen und machbar seien. Auf jeden Fall sollte die Schweiz Hilfe von der EU anfordern, denn der Grossteil des Verkehrs kommt von ausländischen Touristen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ricardo am 18.02.2011 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Logistik-Entscheid erst nach den Wahlen

    Die Politiker wollen das Volk für Dumm verkaufen. Wahltag ist Zahltag. YES WE CAN.

  • Marcel am 16.02.2011 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Volkswille

    Die Alpeninitiative spricht Klartext und wurde vom Volk angenommen. Es ist ein Skandal, dass die Vorgaben der Alpeninitiative noch heute nicht umgesetzt sind. Dass überhaupt über eine zweite Röhre diskutiert wird, ist absurd: Die Politiker scheinen den Volkswillen einfach zu ignorieren!

  • Hans am 16.02.2011 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Vogel - Strauss - Politik

    2 Röhre sollte nur gebaut werden, wenn für zuküntige Tunnel-Fahrten eine Benützer-Preis verlangt wird, also Nachhaltig - Preis - Gestalltung gesichert ist.

  • Roman Schlegel am 16.02.2011 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    2 Röhre muss her

    Zweite Röhre muss her. Es wird leider immer vergessen, dass LKW's 4 Meter hoch sind. Auf der dem Wagon dann noch höher, die LKW's auf der Schiene passen ja gar nicht durch. Dann muss auch die Zufahrt gewährleistet werden. 720'000LKW's können befördert werden und was ist mit den restlichen 280'000? Alles unrealistisch. Und dann fühlen sich die Autofahrer wirklich sicher, wenn es weiterhin Gegenverkehr herscht. Wohl kaum. Man hätte besser eine 2 Röhre finanziert als die NEAT. J ja die Staat macht mit dem Volk was er will, nur leider merken es die wenigsten.

    • Roger am 16.02.2011 13:37 Report Diesen Beitrag melden

      Das Volk will

      Der Staat macht was das Volk will und das Volk wollte/will: keinen weiteren Autotunnel durch die Alpen und die NEAT. Zudem, wieso sollte es möglich sein einen 2. Tunnel zu bauen aber es ist offensichtlich nicht möglich, die Eisenbahntunnel auszubauen, damit die neuen LKWs durchgehen? Wenn ich ein Restaurant habe mit 100 Plätzen und 120 Gäste, was passiert dann mit den 20 Gästen, die keinen Platz haben? Es gibt auch andere Wege von Nord nach Süd als durch die Schweiz.

    • M. Huber am 16.02.2011 14:48 Report Diesen Beitrag melden

      Starten Sie eine Initiative -

      sammeln Sie fleissig unterschriften und das Volk sagt dem Staat was er zu tun hat, in Ihrem Wunsch eine 2. Röhre. Aber warum wurde diese Initiative noch nicht lanciert? Weil Chancenlos. Denn wie ein Magnet wird die 2. Röhre den Verkehr (z.B. der jetzt via Brenner geht) anziehen mit der Folge von überbelastung des Grenz- und Aggloverkehrs.

    • Marcel am 16.02.2011 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      Du bist leider nicht das Volk!

      Das Volk hat klar nein gesagt zu einer zweiten Röhre (Alpeninitiative) und der Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene mehrmals zugestimmt. Deine Forderungen sind nicht die des Volkes. Im Gegenteil, du stehst ziemlich abseits damit.

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  • SChweizer am 16.02.2011 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    Uneinsichtig!

    Die Strassenplaner des Bundes sind vergesslich: wie viele Jahre hatten wir am Walensee ein Puff mit dme Verkehr? Schon vergessen? Fragt nicht das BA für Statisktik was richtig sein wird - die rechnen und begründen flasch. Denkt mal selber nach - oder fragt Fachleute!