Zu lasche Haltung

03. Dezember 2011 07:54; Akt: 06.12.2011 16:12 Print

Gratis-Download - scharfe Kritik am Bundesrat

von L. Mäder und M. Bühlmann - Der Bundesrat will das Herunterladen von Musik nicht verbieten. Wie der Branchenverband IFPI ist auch SP-Ständerätin Savary darüber nicht erfreut. Die Parlamentarierin plant weitere Schritte.

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Dass der Bundesrat kein Gesetz gegen den kostenlosen Musikdownload will, stösst auf Kritik. (Bild: Colourbox.com)

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Wer in der Schweiz Musik herunterlädt, ohne dafür die Einwilligung des Urhebers zu haben, macht sich nicht strafbar. Das Downloaden für den Privatgebrauch will der Bundesrat auch künftig nicht gesetzlich verbieten, wie er am Mittwoch beschlossen hat. Diese Haltung stösst nicht überall auf Verständnis. Nicht zufrieden ist die Waadtländer SP-Ständerätin Géraldine Savary. Sie hatte mit einem Postulat einen Bericht angeregt, der dem Bundesrat als Entscheidungsgrundlage diente. Laut dieser Studie sollen bis zu einem Drittel der über 15-Jährigen Musik, Filme und Spiele herunterladen, ohne dafür zu bezahlen.

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Für Savary gibt der Bericht nur ein ungenügende Antwort auf ihre Forderung, Massnahmen zur Bekämpfung des Phänomens zu prüfen. «Ich will kein Polizeisystem zur Bekämpfung des illegalen Downloads», sagt sie. Insbesondere einen Ansatz von Aufklärung und Prävention vermisst sie im Bericht. In ihrem Vorstoss erwähnte sie zudem die Möglichkeit einer pauschalen Abgeltung. Savary kritisiert, dass der Bund mit den zuständigen Institutionen gar nie das Gespräch gesucht habe. So sei die Urheberrechtsorganisation Suisa, in dessen Vorstand Savary sitzt, nur wegen Zahlen angefragt worden. Ein Gespräch habe nie stattgefunden.

Verband fordert weiterhin Gesetz

Scharfe Worte für den Bericht findet IFPI, der Verband der Musikindustrie: Er sei fachlich mangelhaft, schreibt er auf Anfrage. In der Kritik steht, dass sich die Studie fast ausschliesslich auf Zahlen stützt, die bereits über vier Jahre alt sind und zudem aus Holland stammen. Auch mit den Schlussfolgerungen des Bundesrats kann der IFPI nichts anfangen: «Wir sind sehr erstaunt darüber, dass der Bundesrat einerseits das Problem anerkennt, dass jede dritte Person Musik, Filme und Spiele herunterlädt, sich andererseits aber weigert, ein griffiges Urheberrecht zu definieren.» Der Verband fordert deshalb weiterhin ein Gesetz, denn gerade auch Schweizer Musiker und Produzenten seien von illegalen Downloads betroffen.

Die Auswirkungen für die hiesigen Musiker beunruhigen auch Savary. Die Botschaft insbesondere an die Jungen, dass Musik nichts mehr kosten würde, sei problematisch. «Für Künstler sind diese Einnahmen sehr wichtig», sagt Savary, die auch Präsidentin der Westschweizer Stiftung für aktuelle Musik FCMA ist. Künstler würden das Geld benötigen, um neue Alben aufzunehmen, Konzerte zu organisieren oder Bücher zu schreiben. Deshalb will Savary erneut politisch aktiv werden, wie sie sagt. Den genauen Inhalt der Forderung müsse sie noch mit der Fraktion diskutieren. «Aber ich will einen Vorstoss zum Thema einreichen.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jr89 am 03.12.2011 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht verbieten!

    Wenn mir eine CD gefällt dann kaufe ich es und dass kann ich aber nur dann herausfinden wenn ich es vorher gehört habe -> kostenloser Download. Aber richtige Fans kaufen sich die CD egal zu welchem Preis, ist doch selbstverständlich. Gebühren hin oder her. Aber bei Filmen wirds schwieriger, die schaut man sich nur einmal an. Bei uns in der Schweiz ist ohnehin alles verzollt oder was weiss ich, deshalb sollten wir immernoch dieses Recht besitzen.

  • J.B. am 03.12.2011 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lasset die Abmahnungen kommen!

    "Ein griffiges Urheberrecht" bedeutet für die Verwertungsgesellschaften nichts anderes als ein "Freipass zu Massenabmahnungen". In Deutschland verdienen die, wenns so wieter geht, schon bald mehr durch ihre Massenabmahnungen als durch tatsächliche Verkäufe von Tonträgern. Dieses Thema ist im Nachbarland zur genüge durhgekaut worden.

  • Bernhard Weiland am 03.12.2011 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwangsabgaben

    Solange ich beim Kauf von Speichermedien eine Zwangsabgabe an die SUISA leisten muss, sehen ich keinen Grund von "Gratis-Downloads" abzusehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • jr89 am 03.12.2011 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht verbieten!

    Wenn mir eine CD gefällt dann kaufe ich es und dass kann ich aber nur dann herausfinden wenn ich es vorher gehört habe -> kostenloser Download. Aber richtige Fans kaufen sich die CD egal zu welchem Preis, ist doch selbstverständlich. Gebühren hin oder her. Aber bei Filmen wirds schwieriger, die schaut man sich nur einmal an. Bei uns in der Schweiz ist ohnehin alles verzollt oder was weiss ich, deshalb sollten wir immernoch dieses Recht besitzen.

  • Hans Christoffel am 03.12.2011 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei mal abkassiert

    Für jede leere, neue Rohling-CD bezahlen wir bereits diese versteckten Gebüren. Die Kosten: 55 Rappen pro 4,7 GB für DVD-R und DVD+R, 105 Rappen pro 4,7 GB für DVD-RW, DVD+RW und DVD-RAM! Es ist nicht einzusehen warum wir doppelt bezahlen müssen. Diese CDs brauche ich für Daten, Berichte, Fotoalben und Datensicherungen. Nur 9 Prozent aller CD-ROMs werden zum Überspielen urheberrechtlich geschützter Werke verwendet. Jede Firma bezahlt also solche unrechtmässigen Gebühren. Falls ich tatsächlich einmal Musik herunterladen sollte, werde ich absolut nicht nocheinmal zahlen dafür.

  • J.B. am 03.12.2011 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lasset die Abmahnungen kommen!

    "Ein griffiges Urheberrecht" bedeutet für die Verwertungsgesellschaften nichts anderes als ein "Freipass zu Massenabmahnungen". In Deutschland verdienen die, wenns so wieter geht, schon bald mehr durch ihre Massenabmahnungen als durch tatsächliche Verkäufe von Tonträgern. Dieses Thema ist im Nachbarland zur genüge durhgekaut worden.

  • Bernhard Hartmann am 03.12.2011 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Zahlen für was?

    1. Die von der Musikindustrie angebotene Tonqualität ist beschämend, Stichwort "Loudness War"! Wieso für absichtlich beschädigte Musik überhöhte Preise bezahlen? Deshalb lade ich zuerst kostenlos runter und zahle nur bei wirklich guter Qualität. 2. Wir zahlen bereits pauschal (Abgaben auch auf MP3-Player, voraussichtlich bald auf Handys). 3. Es wäre so einfach, das Angebot zu verbessern: Vom selben Song ein günstiges MP3 (-.50) für wenig anspruchsvolle, das kann auch laut und mit wenig Dynamik produziert sein für unterwegs. Daneben ein FLAC mit voller Dynamik und ohne Clipping für 2.-!

  • chris am 03.12.2011 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vinyl

    ich lade auch musik runter. Da ich eh eher musik höre von künstlern die noch instrumente spielen können und nicht im geld schwimmen(underground,rock, punk, trash u.s.w.) kaufe ich die vinyl platten um diese so zu unterstützen. CDs sind mir sensibel und halt nicht kult. wen ich runtelade dann eigentlich nur für den mp3 player. habs meisten auch in vinyl.