Lehrstellen-Bewerbung

06. Juli 2018 05:50; Akt: 06.07.2018 05:50 Print

Eignungstest für Lehre soll kostenlos werden

von P. Michel - Viele Firmen verlangen bei der Bewerbung für die Lehre kostenpflichtige Eignungstests. Ein neuer Gratis-Check soll Abhilfe schaffen.

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Sich Symbole merken, Wörter ergänzen, einen Terminplan erstellen: Jährlich absolvieren Tausende Schüler solche Aufgaben im bis zu dreieinhalb Stunden langen Multicheck, den viele Firmen für die Lehrstellenbewerbung fordern. Die Testauswertung soll mit einer Prozentzahl zeigen, wie gut sich der Jugendliche für den gewählten Lehrberuf eignet.

Das Geschäft mit den Eignungstests ist millionenschwer: Der von der Firma Gateway One angebotene Multicheck kostet für vierjährige Lehren 100 Franken. Laut einer neuen Umfrage der Lehrstellenplattform Yousty bei 1191 Firmen verlangten 57,4 Prozent Eignungstests. Bei jährlich 70'000 ausgeschrieben Lehrstellen ergeben sich beim Multicheck Einnahmen in der Höhe von rund 3 Millionen Franken.

Test ohne «stressige Prüfungssituation»

Dieses System umkrempeln will nun die Lehrstellenplattform Yousty. Bei der Lancierung eines kostenlosen Berufs-Checks, der maximal 90 Minuten dauert. Der Test kann zu Hause oder direkt beim Schnuppern, wo keine stressige Prüfungssituation herrscht, absolviert werden. Im Gegensatz zum Multicheck, den es in acht verschiedenen Ausführungen gibt, könne der Yousty-Test bei allen Berufen angewendet werden, sagt Geschäftsführer Urs Casty. Der Haken: Der Check ist zuerst nur für Bewerber von Firmen verfügbar, die bereits bei Yousty für 100 Franken pro Jahr eine Mitgliedschaft abgeschlossen haben. Casty sagt, man verdiene mit dem Test trotzdem kein Geld.

«Durch Yousty sparen damit Jugendliche in der Schweiz und deren Eltern bis zu drei Millionen Schweizer Franken und Yousty leistet damit einen weiteren Beitrag zur Chancengleichheit der Berufswahl in der Schweiz», begründet dies Geschäftsführer Urs Casty. Er findet es stossend, dass es bei vielen Lehrbetrieben zur Normalität geworden sei, einen Test für 100 Franken von den Jugendlichen zu verlangen, damit diese überhaupt in die Auswahl für die Lehrstelle kämen. «Eine ärmere Familie mit 4 Kindern kann es sich nicht leisten, dem Nachwuchs verschiedene Tests zu finanzieren.»

«Firmen sollten Test bezahlen»

Erfreut über den kostenlosen Test ist SP-Nationalrat Fabian Molina. «Das Business mit Eignungstests gefährdet die Gleichheit beim Erfolg auf Bildung.» Es leuchte nicht ein, warum die Firmen die Kosten des von ihnen gewünschten Tests nicht selbst bezahlten. Molina hofft, dass sich kostenlose Tests durchsetzen. «Und eigentlich sollten Firmen ganz auf Tests verzichten und sich auf Schulnoten stützen.»

Adrian Krebs, Geschäftsführer des Multicheck-Anbieters Gateway One, entgegnet auf die Kritik an seinem Test: «Die Chancengleichheit ist beim Multicheck sehr wohl gegeben.» Alle Jugendlichen hätten jederzeit Zutritt zu den öffentlichen Durchführungen in der ganzen Schweiz.

«Es gibt Unternehmen, die geschlossene Multicheck-Veranstaltungen durchführen, die Kandidatinnen und Kandidaten selber einladen und die Kosten übernehmen», so Krebs. Zudem könnten Unternehmen in einem Voucher-System Gutscheine kaufen und diese dann im Rahmen von Informationstagen oder Schnupperlehren an interessierte Jugendliche abgeben. «Zu guter Letzt erhalten Jugendliche im Rahmen einer Anstellung in zunehmendem Masse die Kosten für die Multicheck-Durchführung zurückerstattet.»

Krebs erklärt weiter: «Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Der Multicheck wird als wichtiger Bestandteil einer Bewerbungsmappe beurteilt und die Unternehmen schätzen seit mehr als 20 Jahren die objektive und einfach zu interpretierende Auswertung.»

Firmen üben noch Zurückhaltung

Ob sich der Test von Yousty durchsetzt, hängt von der Akzeptanz der Lehrbetriebe ab. Getestet haben den Check bereits Volg oder Siemens. Auf den Konkurrenten Multicheck setzen grosse Lehranbieter wie Post, Coop oder die Credit Suisse. Mit deren Logos wirbt die Firma Gateweay One für ihren Multicheck. Die Begründung der Firmen für die Wahl des Multichecks: Sie erhalten so viele Bewerbungen, dass der Test als Filter für die Vorselektion dient. Oder die Unternehmen sehen sich mit Schulzeugnissen konfrontiert, die nicht vergleichbar seien.

Die Credit Suisse will weiterhin auf den Multicheck setzen. «Gemäss unseren Erfahrungen ist der Multicheck-Test momentan bei den Jungen breit akzeptiert und wird als Standard anerkannt», so Sprecherin Anita Tuure. Man beobachte aber natürlich alle Entwicklungen – wie alternative Tests – im Rekrutierungsbereich aktiv. Die Firma Roche schreibt: «Derzeit planen wir keine Veränderungen für unser bewährtes Rekrutierungsverfahren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hopper86 am 06.07.2018 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Tests

    Mein Chef achtet auf sein Gefühl und nicht auf komische Tests. Ergebnis: bisher hat jeder Lehrling die LAP bestanden (über 30 Jahre)

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  • Vater am 06.07.2018 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    Beschiss am zukünftigen Lehrling

    Pro Berufsbild muss ein Eignungstest für Fr. 200 gemacht werden. Bei zwei Kindern mit je zwei Berufswünschen läppert sich das zusammen. Bringt nur was für den Veranstalter der Eignungstest. Beschiss am Lehrling!

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  • Renate am 06.07.2018 06:10 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nicht viel

    Es kostet somit werniger fuer den Kandidat was ja gut ist. Und kann man ihn von Zuhause machen werden wohl viele Eltrrn nachhelfen. Viele Firmen machen trotz Multicheck schon jetzt eigene Tests - somit hat der Schueler Druck. Viel besser faende ich es, wenn die Firmen bei Lehrvertragsabschluss dem Kanditaten die Kosten der verlangten Tests erstatten wuerden. Somit muessten die Schueler die Tests ohne Mami und Papi machen (was sie ja dann in der Berufschule auch muessen).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Besorgte Eltern am 07.07.2018 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleiben die Lehrstelleninserate 2019?

    Anscheinend ist es heutzutage schwieriger eine Chance für eine Lehrstelle zu bekommen als eine LAP erfolgreich zu bestehen. Kein Wunder müssen wegen zu hohen Hürden immer mehr Schulabgänger auf eine Arbeitslosen- und IV-Karriere ausweichen.

  • TOBCAR72 am 07.07.2018 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Was noch?

    Wahnsinn... da machen die meisten Oberstufen den Stellwerktest mit den Schülern. Und zwar den Stellwerk 8 UND 9. Das reicht aber nebst Zeugnis nicht für die Lehrfirmen. Der Multicheck Kaufmann und derjenige Gesundheit und Soziales (beides für 3jährige Lehre) kostet übrigens auch je Fr. 100.

  • Andi am 06.07.2018 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    No go

    Der test sagt gar nichts aus! Abschaffen und zwar sofort!!

  • Cavani am 06.07.2018 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Chill

    Also wenn das Schulzeugnis nicht genug Infos widergibt, dann hat entweder die Schule versagt, oder die Wirtschaft ist verblödet. Es geht nur um eine Lehre. Da muss man keine Masterdiplome vorweisen können.

  • H. Lange am 06.07.2018 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Gratis

    Das dürfte keine Diskussion sein. Gratis oder abschaffen. Grossunternehmen testen ihre Bewerber selber und viele andere ebenso. Wir machen unsere Tests. Der Rest interessiert nicht.