Föhnsturm wütet

29. April 2012 15:42; Akt: 29.04.2012 23:23 Print

Grindelwald stundenlang ohne Strom

Der Föhnsturm hat in Grindelwald in der Nacht auf Sonntag die Stromleitung zerstört. Das ganze Dorf war ohne Strom. Gefragt waren Kreativität - und ein Fonduerechaud.

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Als Beat Schwarz morgens um halb fünf den Lichtschalter drückte, passierte nichts. In seinem Haus blieb es dunkel – wie in ganz Grindelwald. Der Föhnsturm hat im Skiort kräftig zugeschlagen: Ställe wurden stark beschädigt oder ganz dem Erdboden flach gemacht und die Stromleitung wurde zerstört.

Deshalb war Kreativität gefordert: «Ich musste auf dem Fonduerechaud Wasser erhitzen. Taschenlampe und Stirnlampe stehen zudem bereit, falls der Stromunterbruch nach Sonnenuntergang immer noch nicht behoben ist», sagt Schwarz.

Weil Schwarz zudem bis am Mittag keinen Handyempfang hatte, hatte er kaum Informationen. «Das Radio geht nicht, der Fernseher geht nicht. Man bekommt nicht viel mit», so Schwarz.

Sebastian Vogler von der Berner Kraftwerken (BKW) bestätigt den Stromunterbruch in Grindelwald. Sämtliche 5300 Kunden in Grindelwald seien betroffen gewesen. Ab 14 Uhr sei der Strom sukzessive wieder hochgefahren worden und die Situation habe sich beruhigt. Zurzeit sei die Ortschaft weitgehend wieder mit Strom versorgt (Stand 16.30 Uhr)

Beim Sturm wurden auch einige Ställe stark beschädigt, wie die Bildstrecke zeigt. Ob Tiere oder Menschen zu Schaden gekommen sind, weiss Schwarz nicht.

Mehrere Stromunterbrüche im Kanton Bern

Der bernische Energieversorger BKW berichtete von mehreren Stromunterbrüchen. Der Sturm zerstörte nebst Leitungen in Grindelwald auch jene rund um Zweisimmen, Wilderswil und auch Blausee-Mitholz. Die Monteure stehen seit den frühen Morgenstunden im Einsatz, um die Leitungen zu reparieren.

Die Berner Kantonspolizei meldete am Sonntagmorgen, bei ihr seien zwischen Samstagabend, 17 Uhr, und Sonntagmorgen, 10 Uhr, knapp 60 Meldungen über Probleme im Zusammenhang mit dem Sturm eingegangen. Ausrücken mussten die Feuerwehren vor allem im Simmen-, im Kander-, sowie im Haslital. Die meisten Meldungen gingen wegen entwurzelter Bäume ein, die Strassen blockierten.

So musste die Hauptstrasse zwischen Zweisimmen und Saanen vorübergehend gesperrt werden. Unter anderem in Adelboden und Lenk stürzten Bäume auf Häuser und mehrere Hausdächer wurden abgedeckt. In Gsteig bei Gstaad wurde ein Holzunterstand auf ein Fahrzeug geweht. Der Polizei lagen aber bis Sonntagmorgen keine Meldungen über Verletzte vor.

Jungfraubahn musste im Depot bleiben

Die Jungfraubahn AG meldete, mehrere ihrer Bahnen hätten den Betrieb gar nicht erst aufnehmen können. Bis am Mittag ganz von der Umwelt abgeschnitten war Wengen. Mürren konnte im Verlaufe des Vormittags via Schilthornbahn wieder erreicht werden. Keine Züge verkehren auf die Kleine Scheidegg und aufs Jungfraujoch. Zwischen Interlaken und Lauterbrunnen resp. Grindelwald fahren Ersatzbusse.

Laut dem Wetterdienst meteonews sank die Temperatur in Meiringen in der Nacht nicht unter 22,6 Grad und der Föhn tobte dort mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 146,2 Stundenkilometern. Bis zu 168,5 km/h erreichten die Böen auf dem Jungfraujoch, 163,4 km/h wurden auf dem Männlichen gemessen.

In Adelboden brauste der Wind mit bis zu 130,3 km/h durchs Tal und in Interlaken erreichten die Windspitzen immerhin noch Tempo 79,2.

(meg/sda)