Katastrophenszenarien

18. März 2011 07:39; Akt: 18.03.2011 10:59 Print

Grössere AKW-Übungen in der Schweiz

von Joel Bedetti - Alle zwei Jahre üben Bund und Kantone Störfälle in AKWs. Neu sollen diese Szenarien ausgebaut und mit Naturereignissen und Evakuationen verbunden werden.

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Künftig auch Figuranten denkbar: Übung zur Euro 2008. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Im November wird im AKW Beznau die zweijährliche Gesamtnotfallübung (GNU) für Kernkraftwerke stattfinden. Das Szenario: Ein schwerer Störfall, Radioaktivität tritt aus. Krisenstäbe von Bund und Kantonen werden in Echtzeit konferieren und einander informieren, fiktive Journalistenpulks werden vor dem AKW auftauchen und rund 200 freiwillige Figuranten an einer Kontaktstelle verstrahlte Zivilisten spielen.

Die Vorfälle in Japan würden das Manöver nicht in grossem Masse beeinflussen, sagt Übungsleiter Daniel Storch vom nationalen ABC-Schutz, der die Manöver zusammen mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz organisiert. «Wir werden zum Beispiel keine Überschwemmung ins Szenario integrieren.» Die Übung im November wird aber trotzdem mit Neuigkeiten aufwarten: Erstmals werden Evakuationspläne durchgespielt. Zudem nimmt neben dem Bund nicht nur der AKW-Standortkanton Aargau Teil, sondern auch die beiden Basel sowie das Bundesland Baden-Württemberg.

Erdbeben-AKW-Szenario

Künftig sollen die AKW-Szenarien noch umfangreicher und weitreichender ausgemalt werden. Deshalb hat der Bund
auf dieses Jahr den Bundesstab ABCN ins Leben gerufen, welcher bei Ereignissen von atomaren, biologischen, chemischen und Naturkatastrophen zum Einsatz kommt. Er besteht aus 19 hochrangigen Beamten, darunter den Vorstehern der betroffenen Bundesämter, Kader von Polizei und Armee sowie verschiedene Umweltspezialisten.

«Wurde bei früheren Übungen der Fokus auf die ersten Stunden eines Störfalls gelegt, wollen wir neu die langfristigen Folgen von Katastrophen durchspielen», sagt der Chef des Stabs, Alain Vuitel. Man wolle das Augenmerk auf Verkehrschaos, Lebensmittelversorgung, Spitäler und andere Spätfolgen von Katastrophen legen. «Für die nächste Übung 2013 überlegen wir uns deshalb, ein kombiniertes Erdbeben-AKW-Szenario zu machen», sagt Vuitel. Neu würden die Manöver auch mehrere Tage dauern.

Freiwillige Figuranten

Auch über einen Ausbau bei den Fusstruppen im Manöver wird dieser Tage laut nachgedacht. «Man könnte in Zukunft mit der Feuerwehr oder anderen Organisationen üben», so Vuitel. Und gestern spielte Martin Haller, der als stellvertretender Ausbildungsschef des Bundesamts für Bevölkerungsschutz für die letzte AKW-Übung 2009 in Mühleberg verantwortlich war, im «Landboten» mit dem Gedanken, vermehrt freiwillige Figuranten einzusetzen, um die Bevölkerung stärker in die AKW-Übungen miteinzubeziehen. «Man müsste sich das in Zukunft also sicher mal ernsthaft überlegen», sagt er.

Wirklich grosse Manöver, präzisiert Haller gegenüber 20 Minuten Online, seien aber unrealistisch. «Den GAU nachzuspielen würde heissen: Das Schweizer Mittelland ist verstrahlt und Grossstädte müssten evakuiert werden. Das ist schlichtweg kaum möglich.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bernhard am 18.03.2011 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wetten dass...

    Wetten dass die genau gleichen Übungen in Japan auch stattfanden und auch dort erfolgreich waren? Nur bei einem realen Szenario ist alles anders!

  • Peter Münster am 18.03.2011 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Chasperlitheater für die Öffentlichkeit

    Solche Übungen sind heisse Luft und vielleicht Publikumswirksam. Doch die Message "Wir sind vorbereitet" läuft ins Leere, wenn es um radioaktive Strahlung geht. Entweder man stirbt relative schnell, über einen längeren Zeitraum oder man wird später krank. Man kann sich nicht mehr frei bewegen, es gibt Sperrgebiete, Essen und Trinken unterliegen strengen Kontrollen. Dies für mehrere hundert Jahre. Also bitte Atomlobby, solche Rettungsübungen sind "Chasperlitheater", die Realtität ist Japan.

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  • Marco Kälin am 18.03.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schleimereien und Augenwischerei

    Es ist schon an der Zeit das etwas gemacht wird, nur was wurde bisher getan? Wurden wir alle an der Nase herum geführt? Warum erst jetzt und nicht schon längst? Kaum passiert irgendwo auf der Welt ein Unglück beginnen unsere Politiker sich damit ins Rampenlicht zu stellen. Planen Übungen, wollen das und jenes verbieten, rücken sich mit bla bla bla Aussagen in den Fokus der Bürger um nach einer Wahl dann doch nichts davon um zu setzen! Was nützt uns nun, angesichts der Wirklichkeit und Tatsachen in Japan, bei uns eine solche Übung? Nichts in einem Ernstfall, gar nichts! Alles Augenwischerei!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 19.03.2011 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Einem Ernstfall ist die Schweiz nicht ge

    wachsen. Unsere CH-Mühlen mahlen zu langsam, das sieht man schon in den uneinigen, verwirrten Risiko-Diskussionen. Wir dürfen ev.Gefahren nicht dem Zufall überlassen.

  • rule am 18.03.2011 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die neuen Szenarien sind AKW abschaffen

    dann braucht es auch keine solche Übungs-Manöver, die sowiso nicht's bringen.

  • ABC-Uof am 18.03.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Spezialisten?

    Während an den grossen Übungen die grossen Verbände der Armee viel zu tun hatten wurden die ABC-Truppen des Bundes nicht eingeplant. Warum zieht man nicht die Spezialisten hinzu?

  • Estelle am 18.03.2011 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    übungen.....

    sind schon ok, aber wie siehts im ernstfall aus?? wo würden die ganzen menschen evakuiert bzw. umgesiedelt werden? wer würde die verantwortung für so eine katastrophe übernehmen; die atomlobby oder unsere politiker, alle die jenigen die atomenergie forcieren??

  • tim meier am 18.03.2011 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    atom ausstieg JA!

    wenn ein gau passiert dann kann mann nichts dagegen tun weil die strahlung schon ruas ist und sie wegputzen geht nicht und dass sehen wir in chernobyl und japan sehr gut,land wird unbewohnbar vieleicht sogar ganze kantone oder nationen und so etwas ist eine katastrophe.