Dumpinglöhne

12. März 2011 23:30; Akt: 12.03.2011 23:35 Print

Grosser Bedarf an Billig-Pflegerinnen

Anstatt 7500 Franken bei einem Schweizer Pflegedienst nur 1560 Franken für Osteuropäisches Personal bezahlen. Viele Schweizer wollen Billig-Pflegerinnen.

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Ausländer haben die private Altenpflege in der Schweiz als Geschäft entdeckt. Die Spitex stellt eine wachsende Zahl osteuropäischer Pflegerinnen fest, die zu einem Dumpinglohn in der Schweiz arbeiten. «Im Tessin stammen 70 Prozent der privaten Pflegehilfen aus dem Ausland», sagt Marco Treichler vom Tessiner Spitex-Verband zur «NZZ am Sonntag». Ein Drittel davon seien Polinnen.

Eine solche Pflegerin für eine Betreuung rund um die Uhr ist schon für 1560 Franken pro Monat zu haben. Zum Vergleich: Ein Schweizer Anbieter von privater Rundumbetreuung verlangt 7500 Franken für fünf Tage pro Woche. Die Frauen werden von ausländischen Agenturen vermittelt. Deren Aktivität sei in den letzten Jahren angestiegen, sagt die Soziologin Sarah Schilliger. Die meisten bewegten sich in einer gesetzlichen Grauzone.

Das wird sich auf den 1. Mai ändern, wenn die Personenfreizügigkeit auch für die neuen acht EU-Oststaaten gilt. Ausländische Agenturen haben angekündigt, ihren Sitz in die Schweiz zu verlegen. Der Bund rechnet damit, dass sich die Ausbreitung ausländischer Pflegerinnen verstärken wird.