Wahlen 2011

07. März 2011 11:15; Akt: 07.03.2011 14:44 Print

Grüne machen Gleichstellung zum Thema

Das «Jahr der gleichstellungspolitischen Jubiläen» nimmt die Grüne Partei zum Anlass, mit einem Vorstosspaket die Gleichstellung der Geschlechter weiter voranzutreiben.

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Auch nach 40 Jahren Frauenstimmrecht, 20 Jahren Frauenstreik oder 15 Jahren Gleichstellungsgesetz bestünden weiter Ungleichheiten, so die Grünen. «Es sind vor allem Frauen, die für gleichwertige Arbeit geringere Löhne erhalten und die immer noch die Hauptlast der unbezahlten Haus- und Betreuungsarbeit erledigen», sagte die grüne Nationalrätin Therese Frösch (BE) am Montag vor den Medien in Bern.

Seit 2008 gehe die Lohnschere zwischen Frauen und Männern wieder auseinander, hielt die Berner Nationalrätin Franziska Teuscher fest.

Gleichstellung statt Geschlechterkampf

Einen Tag vor dem Internationalen Tag der Frau präsentierten fünf grüne Politikerinnen Vorstösse und Gleichstellungsprojekte für das Wahljahr 2011. Begleitet wird die Gleichstellungskampagne von einer Broschüre, die mit einem Paar aufgehängter Boxhandschuhe illustriert ist. Das Motto lautet «Gleichstellung statt Geschlechterkampf».

Das Symbol der aufgehängten Boxhandschuhe passe gut, sagte Teuscher. Im Geschlechterkampf sei schon viel erreicht worden - nun gelte es, mit den Männern weiter zu diskutieren.

Das wollen die Grünen auch im Parlament tun: Unter anderem fordert ihre Fraktion mittels parlamentarischer Initiativen eine unabhängige Lohngleichheitskommission mit Untersuchungs- und Durchsetzungskompetenzen sowie die Einführung von Elternzeit und - geld.

Frauen an die Urne

Sorgen bereiten den Grünen das Wahl- und Abstimmungsverhalten der Frauen: «Insbesondere junge Frauen stimmen weniger ab als Männer», sagte Aline Trede, Vizepräsidentin der Grünen Schweiz und Vertreterin der Jungen Grünen.

Letztere gehen dem Abstimmungsverdruss der jungen Frauen mit einer Online-Umfrage auf den Grund. Die Mobilisierung der jungen linken Frauen werde sich an den nationalen Wahlen im Herbst auszahlen, zeigte sich Trede überzeugt.

Dass das Thema Gleichstellung nicht zwingend ein Wahlkampfschlager ist, deutete am Montag das geringe Medieninteresse an der Pressekonferenz an. Davon liessen sich die grünen Frauen indes nicht beirren: «Wenn ich mich vom Medieninteresse leiten liesse, wäre ich schon lange nicht mehr in der Politik», sagte Frösch.

Aus Überzeugung hätten die Grünen die Gleichstellung zum Wahlkampfthema gemacht, unterstrich sie. «Es gibt einfach Themen, die sind nicht verhandelbar.»

Neuer Anlauf für Positionspapier

An der Delegiertenversammlung vom 9. April in Basel ist die Gleichstellung ebenfalls traktandiert. Dort sollten «Grundsätze, Forderungen und Statutenänderungen» verabschiedet werden, sagte Frösch.

Im Januar 2010 war ein erster Versuch gescheitert, ein Positionspapier zur Gleichstellung zu etablieren: Die Delegierten wiesen das Papier inklusive zwölf konkreter Forderungen deutlich zurück. Kantonalparteien und Einzelpersonen hatten 86 Änderungsanträge zum umstrittenen Papier eingereicht.

Am 14. Juni beteiligt sich die Grüne Partei zudem am nationalen Aktions- und Streiktag, den die Gewerkschaften lanciert haben. An dem Tag soll des nationalen Frauenstreiktags gedacht werden.

(sda)