Der deutsche Musiker und Autor Sven Regener sorgte Ende März für Schlagzeilen mit seiner wütenden Rede gegen die Gratismentalität bei künstlerischen Werken. In der Schweiz hat der Rapper Gimma nachgedoppelt: «Wir Kulturschaffenden sind hier in der Schweiz die durchs Band gefickten», schreibt er in einem Blogeintrag, in dem er die Piratenpartei angreift. Damit melden sich in einer Debatte die Künstler zu Wort, bei der bis anhin die Klischees von der übermächtigen Musikindustrie und der für Freiheit kämpfenden Internetgemeinschaft gegenüberstanden. Als Urheber der umstrittenen Werke wollen sie angemessen entschädigt werden.
«Die Kulturflatrate würde den Kulturschaffenden Mittel zur Verfügung stellen»: Balthasar Glättli, Nationalrat der Grünen. (Bild: Keystone)
Das Problem hat in der Politik bisher kaum Aufmerksamkeit gefunden. Der Bundesrat hat Ende November einzig festgestellt, dass bei Gratis-Downloads kein Handlungsbedarf bestehe – und damit Kritik ausgelöst. Die Musik- und Filmproduzenten fordern strengere Gesetze. Einen Mittelweg bringen nun Nationalrat Balthasar Glättli und Ständerat Luc Recordon, beide von den Grünen, ins Spiel.
Sie fordern in zwei kürzlich eingereichten Postulaten, dass der Bundesrat in einem Bericht neue Formen der Urheberrechtsabgeltung aufzuzeigen – zwischen totalem Download-Verbot und völliger Kostenlosigkeit. Um das laut Recordon schädliche «Räuber und Poli»-Spiel zu beenden, soll die neue Abgabe die Rechte der Künstler respektieren, ohne dabei die Privatsphäre der Internetnutzer zu beschränken.
Provider erheben Abgabe für Künstler
Konkret verlangen die beiden Grünen, eine Pauschalentschädigung zu prüfen. Das auch von Glättli erwähnte Stichwort heisst Kulturflatrate. Dabei erhebt beispielsweise der Internetprovider bei seinen Kunden eine Gebühr abhängig von der Bandbreite oder der effektiven Download-Menge. Verwertungsgesellschaften wie Suisa oder Pro Litteris würden das eingenommene Geld an die Künstler verteilen. Dies geschieht bereits heute mit der Abgabe auf Fotokopien oder auf leere Tonträger.
«Die Kulturflatrate würde den Kulturschaffenden Mittel zur Verfügung stellen, ohne dass in Orwellscher Manier der gesamte Download überwacht werden müsste», sagt Glättli. Kostenloses Raubkopieren ist für ihn keine Lösung. Zwar könnten die Urheber versuchen, mit aller Härte dagegen vorzugehen. Doch der Zürcher Nationalrat bevorzugt eine neuartige Lösung – wobei es für Glättli nicht unbedingt eine Flatrate sein muss. Vielmehr soll der Bundesrat verschiedene Möglichkeiten aufzeigen.
«Ein möglicher Weg»
Offen für neue Modelle zeigt sich Suisseculture, der Verband der Kulturschaffenden. Für Geschäftsführer Hans Läubli ist die Kulturflatrate zumindest ein möglicher Weg. Doch die Mitglieder sind sich nicht einig. Vor zwei Jahren verlief eine Diskussion verschiedener Modelle ergebnislos. Swissculture habe nicht die nötigen Mittel und Kapazitäten, verschiedene Varianten seriös abzuklären, sagt Läubli. Da sei der Bundesrat gefordert.
Eine klare Haltung haben hingegen die Musik- und Filmproduzenten. Für den Verband Audiovision Schweiz ist eine Flatrate «ein völlig untaugliches Instrument», wie Geschäftsführer Roger Chevallaz sagt. «Das bedeutet die Abschaffung des Urheberrechts.» Nicht mehr der Künstler, sondern der Staat entscheide, wer wie viel Geld für sein Werke erhält, so Chevallaz. «Mit einer solchen Abgeltung gäbe es keinen Grund mehr, Werke legal zu kaufen.»
Brief an Gratis-Downloader
Audiovision Schweiz fordert stattdessen das sogenannte Warnhinweis-Modell, auch Graduated Response genannt. Dabei würde der Service Provider dem Kunden einen Brief schicken, dass über seinen Anschluss urheberrechtlich geschützte Werke heruntergeladen würden. «Das könnte beispielsweise zu einem Gespräch der Eltern mit den Kindern führen», sagt Chevallaz. Er will aber nicht so weit gehen wie Frankreich, wo der Provider im Wiederholungsfall den Internetanschluss sperrt.
Zwar sind die inhaltlichen Differenzen gross. Und Suisseculture ärgert sich darüber, dass die Vorstösse von Recordon und Glättli nicht mit ihnen abgesprochen waren. Dennoch unterstützen der Verband der Kulturschaffenden wie auch Audiovision Schweiz die Aufforderung an den Bundesrat, tätig zu werden. Ein Bericht soll Modelle aus anderen Ländern aufzeigen, sagt Chevallaz. Zudem wollen beide Verbände eine umfassende Studie über das wirkliche Ausmass des Gratis-Downloads in der Schweiz. Die vom Bundesrat im November präsentierten Zahlen sind Schätzungen, die auf niederländischen Untersuchung von 2009 beruhen.
Lieber etwas "ungerecht" als totalitär?
@DieFeuerlilie Danke zuerst für die Wahl-Unterstützung. Natürlich sind eine Flatrate oder ähnliche Modelle immer "ungerecht". Meine Angst ist, dass "perfekt gerechte" Modelle nur realisiert werden können, wenn man die Online-Aktivitäten umfassend überwacht und registriert. Und das will ich auf jeden Fall noch weniger als eine ungerechte Flatrate. Aber vielleicht gibt es ja bessere Lösungen?!
Liebe "künstler"
Wusstet ihr dass das wörtchen kunst von können abstammt und nicht von wollen..?-denn dann hiesse es wullst... Ein Album das als kunstwerk bezeichnet werden kann, dafür zahle ich sehr gerne einen anständigen preis, aber für etwas das selbst ich per computer produzieren kann zahl ich sicher nicht solche wucher preise...
Hahaha
Und genau ein gimma muss sich dazu äussern. Musikalisch wie ein goldfisch aber es soll millionen in die kasse spühlen.. Seien wir mal ehrlich, was heutzutage veröffentlicht wird kann jeder halbwegs musikalische mitbürger per pc zusammenschnipseln..-und für sowas soll man dann 30.- bezahlen..? Die lieben "künstler" sollten sich mal überlegen wie rasant ihre plattenverkäufe einbrechen wenn man die cds nicht mehr runterladen kann zum probehören.. Ohne gratisdownloads hätte ich die künstler von welchen ich die letzten 30cds gekauft habe gar nicht gekannt....
Geld
Erst recht dann würd ich nichts kaufen!! Dann sollten sich die Künstler etwas neues einfallen lassen und nicht immer zu jammern, ich meine ein live konzert vor 20000 fans bei einem eintritt von 50 fr sind 1 mio und wenn man alle kosten abzieht hat der künstler mehr in 4h verdient als ich in einem jahr! Und dann soll ich noch seine cd kaufen? Bzw mir etwas leisten können? Die industrie und die geldsuchtis sind für mich keine "künstler". Meine Meinung!
Abzocke
Wir zahlen ja schon vorgezogene Copyright-Gebühren, auch wenn wir nur unser Zeug drauf speichern wollen!