Delsberg JU

15. August 2010 22:00; Akt: 16.08.2010 00:17 Print

Guantánamo-Uiguren gehen getrennte Wege

Seit mehr als vier Monaten sind die beiden Guantánamo-Uiguren im Kanton Jura. Auf eigenen Beinen stehen sie aber noch lange nicht.

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«Beide wollen ein neues Leben beginnen, aber es fällt ihnen nicht leicht», sagt Endili Memetkerim, der Sprecher der Uiguren in der Schweiz. Er hat wöchentlich Kontakt mit den ehemaligen Guantánamo-Häftlingen Bahtiyar (34) und Arkin Mahnut (46), die seit Ende März in Delsberg sind. Täglich müssen sie während zwei bis drei Lektionen Wörtchen büffeln.

Der Erfolg ist unterschiedlich: Während Bahtiyar schon mit Einheimischen einfache Gespräche führt, tut sich der ältere Arkin extrem schwer: «Er kann sich nicht konzentrieren, ist immer noch stark traumatisiert von Guantánamo», so Memetkerim. Langsam tasten sie sich auch in die Arbeitswelt vor: Bahtiyar pflegt den Garten einer Caritas-Werkstatt, Arkin arbeitet in einem Betrieb der Caritas.

Privat gehen die beiden getrennte Wege. Nachdem sie Ende März auf eigenen Wunsch gemeinsam eine 3-Zimmer-Wohnung bezogen hatten, hat ihnen der Kanton Jura eigene Wohnungen organisiert. «Sie wünschten sich mehr Abstand und werden psychologisch betreut», sagt Pierre-Alain Berret, Sprecher der jurassischen Regierung. Trotz der langsamen Fortschritte zieht man eine positive Bilanz: «Sie gehen allein einkaufen und lernen den Haushalt oder ein Konto zu führen. Es braucht einfach noch mehr Zeit», sagt Berret.

Angetan sind die beiden vom SR Delémont: Bei den Heimspielen mischen sie sich ab und zu unter die Zuschauer.

(daw/20 Minuten)