Gesundheitskosten

25. Februar 2019 10:15; Akt: 25.02.2019 10:40 Print

Günstige Medis sollen deutlich teurer werden

Der Bund will billige Medikamente verteuern, um die Gesundheitskosten zu senken. Wie das gehen soll, erklären Experten.

Bildstrecke im Grossformat »
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will günstige Arzneimittel verteuern und so etwas gegen die hohen Gesundheitskosten unternehmen. Diese wachsen stetig. Laut einer Prognose der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH steigen die Gesundheitskosten in der Schweiz pro Person bis 2020 von 9824 Franken auf 10705 Franken. Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, plant das BAG, den preisbezogenen Vertriebsanteil bei Medikamenten unter 880 Franken zu senken. Aktuell liegt diese Marge für Händler bei insgesamt 12 Prozent. Das BAG will ihn per Juli auf 9 Prozent kürzen. Neu kämen den Apothekern noch 2 Prozent Vertriebsanteil zugute, den Grosshändlern 7 Prozent. Am Beispiel des Schmerzmittels Novalgin bedeutet dies: Eine Packung mit 50 Tabletten würde neu nicht mehr 12.60 Franken kosten, sondern 17.60 Franken. Der Fixpreis-Zuschlag für eine Packung würde nicht mehr 4 sondern 9 Franken betragen. Laut Santésuisse würde sich jedoch deutlich mehr einsparen lassen als die 47 Millionen Franken, die das BAG angibt. «Wir schlagen vor, den Vertriebsanteil für Grosshändler und Detailhändler auf 5 Prozent zu senken. Der fixe Zuschlag pro Packung hingegen darf höher, nämlich bei 10 Franken, angesetzt werden», führt Müller aus. Mit dem Vorschlag von Santésuisse würden sich rund 330 Millionen Franken einsparen lassen. «Wobei rund 300 Millionen Einsparungen in etwa einem Prämienprozent entsprechen, das die Versicherten in der Schweiz sparen müssten», führt Müller aus. Er hoffe, dass das BAG mehr Rücksicht auf die Prämienzahler nehmen werde. Laut Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte von Comparis, ist eine Senkung der Margen grundsätzlich der richtige Ansatz: «Hohe Margen führen zum Fehlanreiz, teure Medikamente zu verkaufen.» Die stetig steigenden Kosten seien in erster Linie einem Mengenwachstum geschuldet, sagt Schneuwly. «Solange immer mehr konsumiert wird – Medikamente, Arztkonsultationen und Weiteres – nehmen die Kosten zu. Preisreduktionen lösen dieses Mengenproblem nicht.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will günstige Arzneimittel verteuern und so etwas gegen die hohen Gesundheitskosten unternehmen. Diese wachsen stetig. Laut einer Prognose der Konjunkturforschungsstelle der ETH steigen die Gesundheitskosten in der Schweiz pro Person bis 2020 von 9824 Franken auf 10'705 Franken. «Durch die geplante Preisänderung werden günstige Medikamente leicht teurer. Die Kosten von hochpreisigen Medikamenten hingegen können gesenkt werden», erklärt Matthias Müller, Sprecher von Santésuisse, gegenüber 20 Minuten. Dabei geht es nicht um Generika.

Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, plant das BAG, den preisbezogenen Vertriebsanteil bei Medikamenten unter 880 Franken zu senken. Aktuell liegt diese Marge für Händler bei insgesamt 12 Prozent. Das BAG will diese per Juli auf 9 Prozent kürzen. Neu kämen den Apothekern noch 2 Prozent Vertriebsanteil zugute, den Grosshändlern 7 Prozent. Das heisst: Grosshändler und Apotheken müssen ihre Marge pro verkauftes Medikament herunterschrauben. Der Fixpreiszuschlag pro Packung hingegen soll für günstige Medikamente deutlich höher werden als heute. Im Falle von Medikamenten bis 24 Franken würde er 9 Franken betragen.

Am Beispiel des Schmerzmittels Novalgin bedeutet dies: Eine Packung mit 50 Tabletten würde neu nicht mehr 12,60 Franken kosten, sondern 17,60 Franken. Der Fixpreis-Zuschlag für eine Packung würde nicht mehr 4 sondern 9 Franken betragen. Umgekehrt sinkt der preisabhängige Anteil.

«Prämienzahler müssen entlastet werden»

Laut Santésuisse würde sich jedoch deutlich mehr einsparen lassen als die 47 Millionen Franken, die das BAG angibt. «Wir schlagen vor, den Vertriebsanteil für Grosshändler und Detailhändler auf 5 Prozent zu senken. Der fixe Zuschlag pro Packung hingegen könnte für alle Medikamente bei 10 Franken angesetzt werden», führt Müller aus.

Sei der prozentuale Anteil hoch, entstehe der falsche Anreiz, teure Medikamente zu verkaufen, so Müller. «In erster Linie geht es darum, die Prämienzahler zu entlasten und nicht auf die Grosshändler Rücksicht zu nehmen.» Mit dem Vorschlag von Santésuisse würden sich rund 330 Millionen Franken einsparen lassen. «Wobei rund 300 Millionen Franken in etwa einem Prämienprozent entsprechen, das die Versicherten in der Schweiz sparen könnten», führt Müller aus. Er hoffe, dass das BAG den Prämienzahlern noch mehr entgegenkomme.

«Wird weniger Apotheken geben»

Laut Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte von Comparis, ist eine Senkung der Margen grundsätzlich der richtige Ansatz: «Hohe Margen führen zum Fehlanreiz, teure Medikamente zu verkaufen.» Sowohl die 47 Millionen Einsparungen wie auch die 330 Millionen, die Santésuisse errechnet hat, sind gemäss Schneuwly realistisch. «Man sollte sich aber bewusst sein: Je mehr gespart wird, desto grösser sind die Strukturbereinigungen. Im konkreten Fall bedeutet das, dass es weniger Apotheken geben wird», so der Experte.

Die stetig steigenden Kosten seien in erster Linie einem Mengenwachstum geschuldet, sagt Schneuwly. «Solange immer mehr konsumiert wird – Medikamente, Arztkonsultationen und weiteres – nehmen die Kosten zu. Preisreduktionen lösen dieses Mengenproblem nicht.»

(jk)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Einar am 25.02.2019 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    toll

    Das Krankenkassenobligatorium wurde eingeführt, um das Armutsrisiko durch Krankheiten zu senken. Jetzt sind wir dank der Politik an einem Punkt angelangt, wo die Prämien selbst zum Armutsrisiko werden. Toll, nicht? Und genau dieselben Beteiligten wollen das Weltklima retten.... Merkt irgendwer was?

    einklappen einklappen
  • Georges am 25.02.2019 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probleme finden

    Mir könnte vielleicht mal einer erklären, warum eine Packung Ibuprofen 600, welche über die KK abgerechnet wird inkl. der Apothekergebühr mit fast 10.- zu Buche schlägt, währenddem man in Frankreich eine Packung Ibuprofen 400 für weniger als 1 bekommt.

    einklappen einklappen
  • Mister.B am 25.02.2019 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armsehlig so wass

    Rupf die Leute nur weiter so!! Irgend wann gibts einfach nichts mehr zu holen da die Leute kein geld mehr haben für die Medikamente.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Luki am 26.02.2019 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für nichts

    Sorry da fällt mir nur ein Wort in den Sinn Pharmamafialobby und die Politik hockt mitten drin!

  • kopfschüttel am 26.02.2019 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    sinnlos

    Dann werden noch mehr Schweizer ihre Medis im Ausland kaufen als jetzt....nur weiter so mit dem Schwachsinn. Statt dessen sollte man die Pharmaindustrie endlich an die Kette nehmen mit ihrer sinnlosen Preistreiberei

  • Xaver am 26.02.2019 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Lobbyisten

    Die Lobbyisten in Bundesbern machen wahrlich einen guten Job. Medikamente verteuern damit die Gesundheitskosten gesenkt werden. Das noch so zu verkaufen, dass es die Gelehrten in Bern schlucken ist wahrlich eine Kunst.

  • provolone am 26.02.2019 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung

    Für die Krankenkassen wäre es am besten: Jeden Monat 1000.-- Fr Prämie und der Patient zahlt alles selber...

    • Martial2 am 26.02.2019 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @provolone

      Eine allgemeine KK für die ganze Schweiz, wäre die Lösung; dann könnte man enorm viel Geld sparen: Administration, Personal zu hohen Löhne der CEO's und vieles mehr!

    einklappen einklappen
  • Desert Sun am 25.02.2019 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gilets rouges

    Jetzt wird es aber wirklich Zeit für die Gilets rouges. Auf geht's.