SBB-Privatisierung?

06. November 2015 16:26; Akt: 06.11.2015 16:26 Print

Guerilla-Kampagne verunsichert Pendler

In einigen Schweizer Städten sorgten heute Mitteilungen für Aufsehen: Das Generalabonnement der SBB sei auf der Strecke Zürich-Bern bald nicht mehr gültig.

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Freitagmorgen, Bahnhof Hardbrücke, Zürich: Eine Leser-Reporterin sieht ein Hinweisschild. Es ist noch früh, und auf den ersten Blick sieht es aus wie von der SBB. Was sie liest, gibt ihr zu denken: Die SBB-Strecke Zürich-Bern wird privatisiert – deshalb wird das Generalabonnement ab 2016 nicht mehr gültig sein. «Vielleicht ist es eine Fälschung, aber wenn das stimmt finde ich das für die Kunden (ich bin selbst GA-Besitzerin) eine absolute Frechheit. Schliesslich bezahlen wir mehr als genug dafür», so die Leser-Reporterin.

Doch keine Angst: Bei der Aktion handelt es sich um eine politische Guerilla-Aktion – die GAs bleiben auf der Strecke Bern-Zürich sowie dem Rest der SBB gültig. Auf der Seite der unbekannten Guerilla-Aktivisten schreiben diese: «Mit dieser Aktion möchten wir auf die laufenden TiSA-Verhandlungen aufmerksam machen, zum Widerstand dagegen aufrufen und ihnen den Kampf ansagen. Mit TiSA wäre die Privatisierung dieser Strecke durchaus vorstellbar, denn TiSA ist ein Dienstleistungs-Freihandelsabkommen, das Privatisierung fördern will.»

Auch 20 Minuten betroffen

TiSA? Das Trade in Services Agreement (Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen) ist ein Abkommen zwischen 23 Nationen (darunter auch die Schweiz) über eine ganze Reihe wirtschaftlicher Themen. Verschiedene Dienstleistungssektoren sollen weitgehend vertraglich neu geregelt und liberalisiert werden – etwa in den Sektoren Verkehr, Finanzen, Bildung oder Gesundheit. Die Verhandlungen, an denen das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco teilnimmt, finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet hat, sollen die Verträge erst fünf Jahre nach Abschluss öffentlich werden.

Das ruft viele Kritiker auf den Plan. In einem NZZ-Kommentar hat die Alliance Sud schon vor zwei Jahren die wesentlichen Bedenken zusammengetragen. Von der aktuellen Guerilla-Aktion ist nun auch 20 Minuten betroffen: Auf einigen Zeitungs-Boxen prangen falsche Überschriften («GA nicht mehr gültig – Pendler laufen Sturm»). Auch das ist natürlich frei erfunden.

Die Aktion löst nicht nur Verunsicherung aus – sie verursacht auch Mehrarbeit. «Das Bekleben von Bahnhöfen und Zügen sorgt für einen zusätzlichen und unnötigen Reinigungsaufwand», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig zu 20 Minuten. «Entstehen grössere Schäden oder kann eine Aktion klar einer Person zugeschrieben werden, so erstatten wir in der Regel Anzeige.» Im vorliegenden Fall entstünden zwar wegen der Kleber unnötige Kosten, doch falls die Aktion nicht ausgeweitet würde, verzichte die SBB aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf eine Anzeige.

(gbr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frage an 20min am 06.11.2015 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Mal eine Frage

    Warum berichtet ihr eigentlich nicht über Themen wie TiSA, etc. und bringt lieber den Bachelor, etc. auf eure Titelseite? Dann käme es ja erst gar nicht zu solchen Guerilla-Aktionen, weil es der breiten Öffentlichkeit bekannt wäre.

  • mätte am 06.11.2015 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    warum?

    warum nicht gleich bei der SBB anfragen? ach so, da will wieder jemand in den medien erwähnt werden.

  • Tarzan am 06.11.2015 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre Zeit für eine Privatisierung

    Es wäre eigentlich langsam Zeit für eine Privatisierung der SBB. Nur so ist der Wettbewerb gegeben und die Betreiber müssen sich dann mal mühe geben und können die Ticketpreise nicht ins unendliche steigen lassen und den Service, zb. in der Rashour, verbessern, den ein unzufriedener Kunde kommt nicht mehr zurück, wenn es eine alternative geben würde, was bei einer Privatiserung der Fall wäre.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frage an 20min am 06.11.2015 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Mal eine Frage

    Warum berichtet ihr eigentlich nicht über Themen wie TiSA, etc. und bringt lieber den Bachelor, etc. auf eure Titelseite? Dann käme es ja erst gar nicht zu solchen Guerilla-Aktionen, weil es der breiten Öffentlichkeit bekannt wäre.

  • Liberaler Denker am 06.11.2015 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Why not?

    Wieso nicht privatisieren? Die Idee finde ich grundsätzlich nicht schlecht. Lieber freie Marktwirtschaft statt halb staatlich finanzierte Betriebe welche jedes Jahr Service abbauen und trotzdem teurer werden. gesunder Konkurrenzkampf hat noch keinem Unternehmen geschadet. Wichtig ist dass der Staat halt die Kontrolle behält

    • Dietrich Michael Weidmann am 06.11.2015 17:54 Report Diesen Beitrag melden

      Es kommt darauf an wie

      Lieber Liberaler Denker: Privatisierung ist OK, wenn sowohl der Gewinn als auch das Risiko und die dazugehörigen Pflichten privatisiert werden. Wenn aber nur die Gewinne privatisiert und die Verluste und Risiken der Allgemeinheit überwälzt werden, dann ist das inakzeptabel ...

    • Walter Spahni am 07.11.2015 10:26 Report Diesen Beitrag melden

      Zu Ende Denker

      Wie soll das gehen? Privatisieren mit staatlicher Kontrolle? Ein interessantes Projekt!

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  • Tarzan am 06.11.2015 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre Zeit für eine Privatisierung

    Es wäre eigentlich langsam Zeit für eine Privatisierung der SBB. Nur so ist der Wettbewerb gegeben und die Betreiber müssen sich dann mal mühe geben und können die Ticketpreise nicht ins unendliche steigen lassen und den Service, zb. in der Rashour, verbessern, den ein unzufriedener Kunde kommt nicht mehr zurück, wenn es eine alternative geben würde, was bei einer Privatiserung der Fall wäre.

    • Walter Spahni am 07.11.2015 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Tarzan, benutze Du nur weiterhin

      Deine Lianen! Weisst Du denn nicht, dass bei einer Privatisierung nur Geld herausgepresst wird (siehe UK) und der Service weiter absinkt??

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  • mätte am 06.11.2015 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    warum?

    warum nicht gleich bei der SBB anfragen? ach so, da will wieder jemand in den medien erwähnt werden.