Nach ENSI-Überprüfung

02. Dezember 2011 12:11; Akt: 02.12.2011 20:00 Print

Gute Noten für Schweizer Atomaufsicht

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi leistet gute Arbeit. Zu diesem Befund kommt eine Expertengruppe der Internationalen Atomenergieagentur IAEA.

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Hans Wanner (rechts), Direktor des Ensi, und Jean Christophe Niel, Missionsleiter der kontrollierenden «Integrated Regulatory Review Service» (IRRS) und Chef der französischen Aufsichtsbehörde ASN, informieren am 2. Dezember die Medien. (Bild: Keystone)

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Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) bekommt von einer Expertengruppe der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) gute Noten. Diese hat nach einer zweiwöchigen Kontrolle insgesamt 19 Punkte gelobt und 13 Empfehlungen abgegeben.

Das Ensi halte generell die IAEA-Standards ein, sagte am Freitag vor den Medien in Brugg Jean Christophe Niel, Missionsleiter der kontrollierenden «Integrated Regulatory Review Service» (IRRS) - er ist auch Chef der französischen Aufsichtsbehörde ASN. Speziell gelobt wurde die Reaktion auf den AKW-Unfall in Fukushima.

Im Fokus der IRRS-Kontrolle, die vom 20. November bis am 2. Dezember lief, standen Strukturen und Abläufe. Im Wesentlichen wurden ENSI-Verantwortliche und -Personal befragt; daneben nahmen die Kontrolleure auch an Werksinspektionen teil, unter anderem beim AKW Leibstadt. Der IRRS-Bericht soll in drei Monaten vorliegen.

Lob und Verbesserungsempfehlungen

Nur einzelne der 19 positiven Feststellungen («good practice») und der 13 Empfehlungen wurden vor den Medien kurz erläutert. Lob gab es für die Ensi-Forderung Atom-Anlagen nachzurüsten und Abläufe à jour zu halten. Gelobt wurde auch die Transparenz durch diverse Dokumente auf der Ensi-Homepage sowie ein gutes internes Management- System.

Die Kontrolleure empfehlen dem Bundesrat, das Funktionieren des 2009 entstandenen Ensi im Auge zu behalten und gegebenenfalls zu verbessern. Das Ensi soll beim Lizenzieren nuklearer Aktivitäten Bedingungen definieren und auch Vorschriften erlassen dürfen. Weiterzuentwickeln seien Inspektionen, speziell zu Abfall und Logistik.

Zur nach 40 Jahren Schweizer AKW noch ungelösten Endlagerfrage mochte Niel nicht Stellung nehmen. Die Versicherungsdeckung der Schweizer AKW zu prüfen gehöre nicht zum IRRS-Pflichtenheft. Indes empfiehlt er dafür zu sorgen, dass bei einem Atomausstieg weder Betreibern noch der Aufsicht das fachkundige Personal ausgeht.

Zweitmeinungen

Das IRRS hat laut Niel das Ensi als unabhängig wahrgenommen. Beim Lizenzierungsprozess teile es Aufgaben mit dem Bundesrat, wobei es Sicherheitsfragen gut einbringen könne. Dem Ensi empfiehlt er aber, Zweitmeinungen breit und aktiv einzuholen - würden solche erst nach einem Entscheid publik, schwäche das die Aufsicht.

Das Ensi hole jeweils diverse Zweitmeinungen ein, erwiderte Direktor Hans Wanner. Zudem habe es dazu gerade auch eine neue Expertengruppe für Reaktorsicherheit gegründet. Angesprochen auf die eidgenössische Kommmission für nukleare Sicherheit (KNS) wünschte er jener mehr personelle Kapazitäten, was die Kooperation erleichtern würde.

Generell begrüsste Wanner die IRRS-Feststellungen als «extrem wertvoll». Der Austausch mit Experten aus aller Welt erlaube zu vergleichen und «zu lernen». Speziell «stolz» sei er auf das Lob für die Reaktion auf Fukushima. Ins Detail mochte er nicht gehen; der im Enwurf vorliegende Bericht sei zuerst zu analysieren.

Politische Fragen

Manche der Empfehlungen betreffen laut Wanner nicht nur das Ensi direkt, sondern auch geltendes Recht sowie andere Instanzen wie den Bundesrat. Entsprechend müsse man jene Punkte auf Bundesebene diskutieren und Lösungen suchen. Manches sei Sache der Politik.

Nach der Reform der Schweizer Atomaufsichtsstrukturen vor drei Jahren hatte das Ensi die Kontrolle selber angeregt. In zwei Jahren ist ein IRRS-Folgebesuch vorgesehen.

Übrigens war das IRRS zuvor auch schon in Japan, indes nicht in Fukushima, wie James E.Lyons von der IAEA sagte. Auch dortigen Behörden seien Empfehlungen abgegeben worden; zum Zeitpunkt des Unfalls sei davon nicht alles umgesetzt gewesen. Ob sonst der GAU ausgeblieben wäre, könne man nur spekulieren. Niel hielt fest, dass das IRRS nicht Länder vergleiche.

In einer Stellungnahme verweist die Schweizerische Energiestiftung auf diese IRRS-Kontrolle in Japan. Das Ensi solle besser vor dem Restrisiko schützen als sich loben zu lassen: In Mühleberg und Beznau liefen die ältesten Reaktoren der Welt, bedroht von einem nicht erdbebensicheren Staudamm und auf einer hochwassergefährdeten Flussinsel. Unabhängige Zweitmeinungen seien daher zu stärken.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cerberus am 03.12.2011 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    So, und jetzt? Was kommt als Nächstes seitens der chronisch nörgelnden Atomgegener. Ist die IAEA nun auch korrupt, unfähig oder auf einem Auge blind? Oder wird aus der letzten Ameise nochmals ein Elefant gemacht? Oder halten sie endlich mal die Klappe und hören auf Steuergelder zu verschwenden?

  • C. Horn am 02.12.2011 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Operation gelungen...

    So etwas kann man nur so umschreiben: Operation gelungen, Patient gestorben!

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  • Cerberus am 03.12.2011 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    So, und jetzt? Was kommt als Nächstes seitens der chronisch nörgelnden Atomgegener. Ist die IAEA nun auch korrupt, unfähig oder auf einem Auge blind? Oder wird aus der letzten Ameise nochmals ein Elefant gemacht? Oder halten sie endlich mal die Klappe und hören auf Steuergelder zu verschwenden?

  • C. Horn am 02.12.2011 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Operation gelungen...

    So etwas kann man nur so umschreiben: Operation gelungen, Patient gestorben!