Kantonsspital Winterthur

06. September 2019 04:45; Akt: 06.09.2019 12:13 Print

Test zeigt bei HIV-Patientin falsches Resultat

Die HIV-Patientin Regina H. wurde im Kantonsspital Winterthur als nicht ansteckend getestet. Doch das stimmte nicht.

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HIV-positive Menschen sind grundsätzlich nicht mehr ansteckend, wenn sie ihre HIV-Medikamente nach Plan einnehmen und ihre Virenlast nicht mehr nachweisbar ist. Regina H.*, die 1992 HIV-positiv getestet wurde, liess sich im letzten Jahr im Kantonsspital Winterthur auf die Virenlast testen. Das Resultat war negativ: «Also haben mein Mann und ich uns spontan dafür entschieden, auf den Gummi zu verzichten», sagt Regina H.

Ein späterer Test aber sollte zeigen: Regina H. war trotz des negativen Tests ansteckend. Der verantwortliche Arzt schreibt: «In unserem eigenen Labor wurde die HI-Viruslast der Patientin mit dem GeneXpert Assay fälschlicherweise als ‹nicht nachweisbar› gemessen.» Man habe deshalb am Institut für medizinische Virologie der Universität Zürich eine Parallel-Kontrolle durchgeführt.

Ansteckung wegen eines falschen Tests?

Für Regina H. war das Resultat ein Schock: «Mein Mann und ich haben uns in falscher Sicherheit gewiegt. Vorher haben wir uns immer geschützt, sogar als es um die Kinderfrage ging.» Das gemeinsame Kind wurde in einem Reagenzglas gezeugt. H. geht davon aus, dass aufgrund des falschen Resultats ihr bis anhin gesunder Mann ebenfalls mit dem Virus infiziert wurde. Ein Dokument bestätigt das positive Resultat. Wann genau er aber angesteckt wurde, bleibt offen.

Inzwischen haben auch andere HIV-Patienten, die ebenfalls im Kantonsspital Winterthur in Behandlung sind, vom Fall Wind bekommen. Sie sind verunsichert: «Ich wurde ebenfalls als nicht ansteckend getestet, obwohl das wegen einer Therapiepause eigentlich nicht möglich sein konnte. Jetzt habe ich Angst, dass ich jemanden angesteckt habe», schreibt eine Patientin. Ein Patient fragt sich, «wie viele HIV-Patienten trotz eines nicht nachweisbaren Ergebnisses im Kantonsspital Winterthur dennoch ansteckend sind.»

«Es handelt sich um einen Einzelfall»

Der Fall beschäftigt seit diesem Frühling die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit (EKSG). Jürg Böni, Leiter des Nationalen Referenzzentrum für Retroviren NZR und Mitglied der Kommission, bestätigt, dass der besagte Test bei Regina H. ein falsches Resultat angezeigt hat. Aber: «Es handelt sich um einen Einzelfall. Untersuchungen haben ergeben, dass der offiziell zugelassene Test nicht mangelhaft ist. In 99,9 Prozent der Fälle zeigt er ein richtiges Resultat an.» Deshalb werde der Test, der seit drei Jahren auf dem Markt ist, auch nicht aus dem Verkehr gezogen. In wie vielen Schweizer Spitälern der GeneXpert-Test zum Einsatz komme, sei nicht bekannt.

Das Kantonsspital Winterthur habe den Test korrekt angewendet, bekräftigt Böni, der den Fall untersucht hat. Dass nicht alle HIV-Patienten proaktiv informiert wurden, findet Böni richtig: «Solange man nicht mit Sicherheit wusste, ob der Test mangelhaft war oder nicht, hätte man die Patienten nur unnötig beunruhigt.»

Fünf Fälle auch in Deutschland

Das Kantonsspital Winterthur beantwortete keine Fragen zum konkreten Fall. Der Sprecher lässt ausrichten, dass es «permanent auf die Zuverlässigkeit seiner Labortests» achte. Und weiter: «Trotz modernster Laboratorien und sorgfältiger Auswertungen gibt es auch heute noch keine Gewähr, dass Tests mit hunderprozentiger Sicherheit funktionieren.» Liefere ein Labortest für den Arzt überraschende Werte, werde die Untersuchung deshalb in der Regel wiederholt. Oft in einem externen Labor mit einer unterschiedlichen Messmethode.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will nun vermeiden, dass sich falsche Resultate wiederholen. «Das BAG und die EKSG haben darum Empfehlungen erarbeitet. Sie werden demnächst im BAG-Bulletin publiziert», sagt Sprecher Adrien Kay. Wie häufig der Test versagt, kann das BAG nicht sagen: «Das Nationale Referenzzentrum für Retroviren von Deutschland hat im Sommer 2019 fünf solche Fälle in Deutschland beschrieben.» Der Test werde nicht zum allgemeinen Nachweis von HIV benutzt, sondern nur bei bereits angesteckten Personen verwendet, die in Behandlung sind.

*Name der Redaktion bekannt

(dp/daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • giorgio1954 am 06.09.2019 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hinweis!

    Die Medizin müsste nun dringend darauf hinweisen, dass der HIV Patient höchstwahrscheinlich nicht ansteckend ist, aber dass eine Ansteckung nie 100% ausgeschlossen werden kann. Es gibt immer ein Restrisiko bei GV mit HIV positiven Patienten, egal was die Tests sagen..

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  • Ephraim Lercher am 06.09.2019 05:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt jetzt..

    Oh Mann. Einfach nur: OH MANN!

  • Spyy83 am 06.09.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verhalten unverständlich

    da es nebst HIV noch andere geschlechtskrankheiten gibt, ist der gummi unverzichtbar. ausser man lebt wirklich in einer monogamen beziehung. und wenn man weiss, dass man positiv ist und der test negativ ausfällt, sollte man selbst genug intelligent sein und nachfragen, ob es wirklich sein kann. im zweifelsfall lässt man sich nochmals testen. alles andere ist naiv und fahrlässig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Coco404 am 06.09.2019 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur dir mediziner sind schuld 

    Meiner meinung nach sollte soviel verstand vorhanden sein das wenn man HIV poistiv ist immer geschützen geschlechtsverkehr hat und nicht ohne schutzGeschelchtsverkehr hat

  • Seppli am 06.09.2019 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie Ohne!

    Mit HIV ohne Schutz, ob ansteckend oder nicht, unglaublich sowas!

  • Autofahrer am 06.09.2019 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon nicht mehr machbar..

    Wieviele sind eigentlich HIV-Träger??? Muss jetzt vor jeder Bekanntschaft zuerst ein Test gemacht werden...

  • Al am 06.09.2019 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Restrisiko

    Medizinischen Tests sind nicht unfehlbar: Es bleibt ein Restrisiko sowohl für falsch positive als auch für falsch negative Resultate! Dies sollte dem Patient klar und deutlich gesagt werden.

  • Gavrilo Princip am 06.09.2019 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So is

    Das kann natürlich passieren wenn man unqualifiziertes Personal einstellt.

    • Johny Sacamoco am 06.09.2019 09:24 Report Diesen Beitrag melden

      So ist das nicht.

      Könnten Sie vielleicht erklären warum denken Sie dass das Personal schuldig ist? Was wäre wenn die Technik versagt hat oder die Patientin, tatsächlich einen Virenlast unter den Nachweissgrenze von Test hatte. Wir würden uns auf ihre Erklärung freuen!

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