Präsenzkontrolle?

03. Mai 2019 09:13; Akt: 03.05.2019 09:55 Print

HSLU-Mitarbeiter findet Sensor unter Schreibtisch

Mitarbeiter der Hochschule Luzern sind in Aufruhr: Sensoren zeichnen auf, wann jemand im Raum ist. Laut der Schule will man so die Raumbelegung analysieren.

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Big Brother an der Hochschule Luzern (HSLU)? Ein Mitarbeiter des Departements Technik & Architektur entdeckte kürzlich einen Sensor unter seinem Schreibtisch. «Es ist ein beängstigendes Gefühl, einen Sensor zwischen den Beinen zu haben», sagt er. Die Sensoren seien nicht nur bei ihm, sondern in vielen Räumen des Campus in Horw angebracht worden – in einer Nacht-und-Nebelaktion. «Es gab bloss eine Information über das Intranet. Ich wusste nicht, dass ein Sensor installiert wurde.»

Unter den Mitarbeitern sei die Verunsicherung gross: «Der Verdacht liegt nahe, dass man unsere Präsenzzeiten überwachen will.» Es sei ein massiver Eingriff in die Privatsphäre. Am 1. Mai hätten rund 50 Mitarbeiter eine Aussprache mit dem Rektor verlangt. Dieser habe versichert, dass die Daten anonym erhoben würden.

Auch ein anderer Mitarbeiter findet das Vorgehen «fragwürdig»: «Einige haben den Sensoren erst nach Wochen entdeckt. Wenn es nur um die Raumnutzung geht, hätte man das günstiger lösen können.»

Hochschule will Raumbelegung analysieren

Die HSLU bestätigt, dass im April 500 Infrarotsensoren in Unterrichtsräumen, Sitzungsräumen sowie mehreren Büros verteilt wurden – grösstenteils an Wänden. «Die Sensoren zeichnen auf, ob und in welchen Zonen Personen anwesend sind. Zudem messen sie die Raumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit», sagt Viktor Sigrist, Direktor des Departements Technik & Architektur.

Die Daten dienten nicht der Präsenzkontrolle: «Die Daten sollen Aufschluss über die Raumbelegung geben. Auf dem Campus Horw herrscht Platzmangel und wir müssen versuchen, die Räume noch besser auszunutzen. Zudem sollen die Erkenntnisse in die Planung des neuen Campus einfliessen.» Die Daten würden in einem geschützten Datenzentrum abgelegt und die Auswertung erfolge für Raumtypen und -zonen, nicht für einzelne Arbeitsplätze.

Sigrist übt aber auch Selbstkritik: «Datenschutz und Datensicherheit sind sensible Themen. Im Nachhinein müssen wir sagen, dass wir besser hätten kommunizieren sollen.»

Den Mitarbeiter beruhigt das nur bedingt: «Wenn man die Zimmerbelegung untersuchen will, kann man auch den Stundenplan anschauen.» Er hoffe, dass die Hochschule das Projekt stoppe und die Sensoren wieder entferne.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • china am 03.05.2019 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Totale Überwachung

    Willkommen im Überwachungsstaat. Solange wir uns nicht zur Wehr setzen wird das immer mehr zunehmen. Jeder sagt ist doch mir egal ich habe ja nichts zu verbergen. Das unsere Freiheit immer mehr eingeschränkt wird begreifen die Leute nicht. Ist natürlich immer alles zu unserem besten, wird uns suggeriert. Georg Orwell hat schon 1949 im Roman 1984 geschrieben worauf wir uns zu bewegen. Irgend wann einmal ist es zu spät dagegen zu steuern.

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  • Dave74 am 03.05.2019 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Messungen überall

    Aber im schuleigenen W-LAN eingeloggen ist natürlich kein Problem. Wenigstens wurde die mangelnde Kommunikation erkannt.

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  • thinky and the brain am 03.05.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Überwacheung

    Das ist erst der Anfang vom neuen Zeitalter. Ihr gewöhnt euch besser schon mal daran. Aber warum so ein grosser Aufwand? Google hätte euch diese Info schon lange geben können:)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 03.05.2019 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig...

    wäre ja nicht der Sensor an der Wand sondern der Sensor unter dem Tisch! An der Wand kann kein Rückschluss darüber gemacht werden wer im Raum ist.. Beim Sensor unter dem Tisch natürlich schon bzw. eher. Aus Datenschutz und Arbeitsrechtlichen Sicht bewegt sich die HSLU mit dem Sensor unter dem Tisch auf seeeehr dünnem Eis!

  • Ämmital am 03.05.2019 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bloss übers Intranet ...

    Der beste Satz ist der "es gab bloss eine Information übers Intranet". Na also, das ist doch korrekt informiert. Oder was wollt ihr noch mehr? Haltet ihr euch für so wichtig dass man euch bei einem Gala-Dinner informieren muss wenn die Haustechnik etwas installiert? Dieser Aufschrei ist so peinlich. Und das ganze den Medien bringen, ihr seid doch erbärmlich. Was habt ihr zu verbergen? Wo ist das Problem wenn ein Sensor die Zeiten aufzeichnet? Ihr werdet ja bezahlt für die Präsenz...

  • Dr. Nau am 03.05.2019 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    In euren Smartphones sind etwa 10 Sensoren. Sie registrieren eure Bewegungen, Koordinaten, Zeiten, GPS, stimme, Nutzerverhalten und vieles mehr auf. Und wenn Google eine neue Datenschutz Richtlinie herausgibt sagt man einfach "ok" ohne zu wissen was man akzeptiert. Heisst im Klartext, die "verunsicherten Dozenten" mit komischen Gefühlen geben über ihre Smartphones 24x7h heikle Daten ab. Aber ein Sensor der die Raumbelegung musst, muss den Medien gebracht werden. Ihr seid wie kleine verwöhnte Kinder! Zudem bekommt ihr an der Uni ja keine schlechten Löhne fürs anwesend sein! Peinlich

  • Rônin am 03.05.2019 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wird seinen Grund

    haben. Nur so kann auch die Präsenzzeit der Mitarbeiter nachvollzogen werden. Auch wenn ich hier nun Kopfschütteln auslösen sollte sich ein jeder fragen: wenn ich ein Geschäft besitze, mit 30 Mitarbeitern, wie viele nicht aufgeführte Stunden bezahle ich ohne Gegenleistung aus? Da geht man mal eben an einem Tag 6 Zigaretten rauchen, drei Kaffee trinken, ein Schwätzchen halten, oder noch schlimmer, zur Nageltante oder Coiffure. Und schon wird pro Tag und an einige Mitarbeiter eine Stunde gelöhnt die unproduktiv war. Abgesehen davon ist es unfair gegenüber den Andern.

  • Massimo am 03.05.2019 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reine Wichtigtuerei

    Wenn ich das lese, wieder mal ein empörter Arbeitnehmer... der 8000.- im Monat verdient fürs rumsitzen. Dann kann er ja kündigen. Was soll dieses dauernde Gemecker, ohhh meine Daten, und dann? Was ist daran schlimm wenn der Arbeitgeber kontrolliert wann ich wo bin? Schliesslich bekommt man Geld dafür dass man zu bestimmten Zeiten anwesend ist. Und die Räume gehören der Uni. Also darf sie auch kontrollieren wie lange jemand anwesend ist. Was soll das Theater? Auf fb, WhatsApp und insta sagt ihr jedesmal "ok" zu ellenlangen Bedingungen ohne sie zu lesen. Das hier ist reine Wichtigtuerei!