Aus dem Balkan eingeführt

15. Juli 2019 12:45; Akt: 16.07.2019 12:59 Print

Häftlinge bekommen Schmuggel-Zigis

In einem Tessiner Gefängnis erhalten Häftlinge am Zoll beschlagnahmte Zigaretten. Ein Häftling ist besorgt: Niemand wisse, welch giftige Stoffe in der Billigtabakware seien.

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Ein Häftling aus Zürich erhebt Vorwürfe gegen die Tessiner Strafanstalt La Farera. Es geht um Billig-Zigaretten aus Südosteuropa. Er sagt zu 20 Minuten: «In meiner Zeit im La Farera habe ich ungefähr 20 Päckli Zigaretten geraucht. Das Gefängnispersonal hat Zigis aus Rumänien, Serbien oder Mazedonien an uns verteilt.» Seine Vermutung, die er gemeinsam mit weiteren Häftlingen wie R.Z.* und F.M.* hegt: Die Zigaretten wurden am Zoll als unangemeldete Ware sichergestellt. David Marquis, Mediensprecher der Eidgenössische Zollverwaltung, sagt auf Anfrage: «Grundsätzlich können wir bestätigen, dass aufgrund der Zollgesetzgebung beschlagnahmte Zigaretten unentgeltlich an soziale Einrichtungen abgegeben werden können.» Der Häftling D.K. erhebt weitere Vorwürfe gege das Gefängnis. So habe er nachträglich für die Schmuggel-Zigaretten bezahlen müssen: «Als ich nach der U-Haft im Gefängnis zu arbeiten begann, wurden mir 200 Franken vom ersten Lohn abgezogen – für 20 Zigi-Päckchen.» Gefängnis Laffranchini weist die Vorwürfe zurück: «Die Zigis vom Zoll gibts gratis, niemand muss nach der U-Haft dafür bezahlen. Unsere Buchhaltung wird von der kantonalen Finanzkontrolle überprüft.» «Wenn wir keine Zigaretten vorrätig haben, die am Zoll beschlagnahmt wurde, dann erhalten die Insassen Schweizer Zigis der Marke Brookfield.» Schweizer Zigis seien für die Häftlinge anders als Schmuggel-Ware nicht kostenlos, so der Gefängnisdirektor. David Marquis von der Zollverwaltung sagt, dass Schmuggel-Zigaretten vom Grenzschutz aktuell nicht mehr abgegeben, sondern vernichtet werden. «Es geht auch um Gesundheitsschutz. Neben den allgemeinen Gefahren des Rauchens muss beachtet werden, dass geschmuggelte Ware den hiesigen Lebensmittel-Sicherheitsvorschriften nicht unterliegt.»

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D.K.* aus Zürich sass für 2,5 Monate in Untersuchungshaft im Gefängnis La Farera in Lugano. Er sagt zu 20 Minuten: «In meiner Zeit im La Farera habe ich ungefähr 20 Päckli Zigaretten geraucht. Das Gefängnispersonal hat Zigis aus Rumänien, Serbien oder Mazedonien an uns verteilt.» Das habe ihn stutzig gemacht. In anderen Gefängnissen würden entweder herkömmliche Schweizer Zigis verteilt oder selbstgedrehte.

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Sollen Schmuggel-Zigis vernichtet werden?

Entsprechendes hat D.K. auch während einer früheren U-Haft in einer Zürcher Strafvollzugsanstalt erfahren, wo er vier Selbstgedrehte pro Tag ausgehändigt bekam. «Es kann doch nicht sein, dass die uns irgendwelches Zeugs aus Rumänien zum Rauchen geben, wo keiner weiss, ob nicht irgendein Gift drin ist», so der junge Mann. Seine Vermutung, die er gemeinsam mit weiteren Häftlingen wie R.Z.* und F.M.* hegt: Die Zigaretten wurden am Zoll als unangemeldete Ware sichergestellt.

Gesetz erlaubt Abgabe an soziale Einrichtungen

Gefängnisdirektor Stefano Laffranchini bejaht, dass in La Farera Zigaretten aus Südosteuropa verteilt werden. Es handle sich um Ware, die man von Grenzschutzbeamten erhalte. David Marquis, Mediensprecher der Eidgenössische Zollverwaltung, sagt auf Anfrage: «Grundsätzlich können wir bestätigen, dass aufgrund der Zollgesetzgebung beschlagnahmte Zigaretten unentgeltlich an soziale Einrichtungen abgegeben werden können.» Dies werde von der Zollverwaltung auch so praktiziert. Woher die Zigaretten im Falle des Tessiner Gefängnisses genau stammen würden, könne er nicht sagen. Dies sei Sache der Tessiner Behörden.

Der Häftling D.K. erhebt weitere Vorwürfe gegen das Gefängnis. So habe er nachträglich für die Schmuggel-Zigaretten bezahlen müssen: «Als ich nach der U-Haft im Gefängnis zu arbeiten begann, wurden mir 200 Franken vom ersten Lohn abgezogen – für 20 Zigi-Päckchen, die in ihren Herstellungsländer kaum über 3 Franken kosten.»

Zuvor sei nie erwähnt worden, dass die Zigaretten im Nachhinein verrechnet würden. Dass mittellose Personen in U-Haft für ihre Zigaretten zahlen müssen, ist keine feste Regel. Im Gefängnis in Biberbrugg etwa, erhielten Personen in U-Haft in der Vergangenheit gratis bis zu sechs Zigis pro Tag.

Zukünftiger Verzicht auf Schmuggel-Zigaretten

K. behauptet, er habe im Anschluss das Gespräch mit der Gefängnisdirektor gesucht und diesem damit gedroht, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. «Danach bekam ich die 200 Franken sehr schnell zurückerstattet.» Er gibt 20 Minuten gegenüber an, nur Zigarette wie etwa im serbischen Niš produzierte Marlboro Rot geraucht zu haben.

Laffranchini weist die Vorwürfe zurück: «Die Zigis vom Zoll gibts gratis, niemand muss nach der U-Haft dafür bezahlen. Unsere Buchhaltung wird von der kantonalen Finanzkontrolle überprüft.»

Die besagte Tabakware sei jedoch nicht immer verfügbar. «Wenn wir keine Zigaretten vorrätig haben, die am Zoll beschlagnahmt wurde, dann erhalten die Insassen Schweizer Zigis der Marke Brookfield.» Eine Packung davon kostet 6.20 Franken. Laut Laffranchini sind es die billigsten auf dem hiesigen Markt. Schweizer Zigis seien für die Häftlinge anders als Schmuggel-Ware nicht kostenlos.

Steuergerechtigkeit und Gesundheitsschutz

In Bezug auf die 200 Franken, die K. abgezogen wurden, sagt Laffranchini: «Das wurde dem Häftling für Schweizer Zigaretten verrechnet.» Ob der junge Mann den Betrag anschliessend zurückerstattet bekam, will Laffranchini nicht kommentieren. Nichtsdestotrotz werde die Tessiner Strafvollzugsanstalt in naher Zukunft auf das Verteilen von Schmuggeltabakware verzichten.

David Marquis von der Zollverwaltung bestätigt, dass Schmuggel-Zigaretten vom Grenzschutz aktuell nicht mehr abgegeben, sondern vernichtet werden. «Einerseits gehts um Gesundheitsschutz. Neben den allgemeinen Gefahren des Rauchens muss beachtet werden, dass geschmuggelte Ware den hiesigen Lebensmittel-Sicherheitsvorschriften nicht unterliegt.» Andererseits handle es sich um unversteuerte Ware, die dem Prinzip der Steuergerechtigkeit widerspreche.

*Name der Redaktion bekannt

(jk/past)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Meiser am 15.07.2019 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    Statt Champagner gibts nur Prosecco, und das Silberbesteck ist auch immer angelaufen. Sauerei...

  • lacoruna74 am 15.07.2019 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Ein Häftling ist besorgt weil er nicht weiss welche Gifte in den Zigaretten stecken? Ich würde besorgt sein wie viele Jahre ich hinter Gitter müsste!

    einklappen einklappen
  • Tussid13 am 15.07.2019 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry....

    Also soviel ich weiss, muss auch ich für meine Zigis bezahlen!!!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marsianer am 16.07.2019 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Abgabe an Soziale Einrichtung...?

    Naja da gäbe es noch so manche Schule, Altersheime, Behindertenwerkstätte und vergesst nicht die zukünftigen Raucher in den Kindergärten nicht .....

  • Brian Welliam am 16.07.2019 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gifte???

    Ist doch jedem Kind bewusst das in jeder Zigi unglaublich viele Giftstoffe enthalten sind. Wenn er sich Sorgen um seine Gesundheit macht wäre NICHT rauchen wohl die bessere Wahl....

  • Robert am 15.07.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Deren Problem

    Es geht mir am A vorbei ob die da drin rauchen können oder nicht! Knast ist KEIN Luxusferienhotel. Übrigens, erkennt jemand den Sarkasmus in folgendem Zitat: "ob nicht irgendein Gift drin ist"?

  • rumpli am 15.07.2019 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    altersheime?

    ob raucher in altersheimen auch gratis zigis bekommen?

  • Wolfgang G. am 15.07.2019 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    E-Zigi statt Dreckszigi!

    Geht ihnen E-Zigaretten aber keine Zigaretten, ist doch gesünder! Schlimm ist noch das es giftige Billigzigaretten sind die oft Verunreinigungen im Tabak haben die es in teuren nicht gibt! Auch Häftlinge sind Menschen, keine Tiere!!