Schlechte Zahlungsmoral

15. September 2014 11:45; Akt: 15.09.2014 11:51 Print

Hälfte der Schwarzfahrer zahlt Busse nicht

Jeder zweite Schwarzfahrer, den die SBB erwischen, zahlt seine Busse nicht. Auch andere Verkehrsbetriebe bezeichnen das Geschäft mit den ÖV-Sündern als «nicht rentabel».

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Jeder zweite Schwarzfahrer bezahlt seine Busse nicht. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Schweizer Schwarzfahrer verursachen jährlich Kosten von rund 25 Millionen Franken. In jedem zweiten Fall bleibt die Rechnung allerdings offen. «Zwischen 40 und 70 Prozent zahlen ihre Busse nicht», sagt eine SBB-Sprecherin zu «20 Minutes». Eine genaue Zahl kann sie allerdings nicht nennen. Die Summe der fehlenden Einnahmen aufgrund nicht bezahlter Rechnungen dürfte aber immens sein. 2013 meldeten Kontrolleure der SBB knapp 600'000 Fahrgäste, die ohne gültigen Fahrausweis unterwegs waren.

«Es ist ein Defizitgeschäft und Schwarzfahren ist unfair gegenüber zahlenden Kunden», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Anders als im Strassenverkehr seien die Kontrollen nicht dazu da, Geld einzunehmen, sondern den Einnahmeausfall möglichst gering zu halten. Der administrative Aufwand für das Kontrollpersonal und das Inkasso der Bussen sei grösser als die möglichen finanziellen Erträge. Aus diesem Grund leitet das Unternehmen auch nicht gegen jeden Schwarzfahrer ein Verfahren ein. «Bei gewissen Kundengruppen macht es keinen Sinn, sie strafrechtlich zu verfolgen», so Ginsig. Die Zeche müssten schliesslich die aufrichtigen Billett-Käufer zahlen.

Zentrales Register für Schwarzfahrer

Die Bundesbahnen stehen mit dem Problem nicht alleine da. Auch bei den Freiburgischen Verkehrsbetrieben TPF blieben ähnlich viele Bussen unbezahlt, sagt Sprecher Martial Messeiller. Von den 11'000 verhängten Bussen im Jahr 2013 seien lediglich 4800 bezahlt worden. Das Billett-Kontrollsystem sei «nicht rentabel».

Die öffentlichen Verkehrsbetriebe in Genf müssen sich in jedem dritten Fall an die Strafverfolgungsbehörden wenden oder eine Anzeige einreichen. Bei 50'000 Schwarzfahrern jährlich reisst auch das ein gewaltiges Loch in die Kasse. Gemäss einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten sind 80 Prozent der Leser bereits schwarz gefahren.

Um insbesondere Wiederholungstätern die Lust am Schwarzfahren zu verderben, soll in der Schweiz ein nationales Register eingeführt werden. Damit sollen Personen entlarvt werden, die bei verschiedenen Betrieben schwarzgefahren sind. Denn ein wiederholtes Erwischtwerden hat eine höhere Busse zur Folge. Bisher konnte jedoch nicht überprüft werden, ob jemand bereits bei einem anderen Transportunternehmen gemeldet wurde. Mit dem zentralen Register soll sich das ändern. Die Schaffung der gesetzlichen Grundlage wurde von National- und Ständerat gutgeheissen. Wer die Liste führen soll, ist jedoch noch unklar.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grutenhelfer am 15.09.2014 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bussen sind freiwillig?

    Wenn ich das gewusst hätte las mal mein Monats-Abo abgelaufen war. Die ehrlichen sind die dummen, leider.

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  • Anton Keller am 15.09.2014 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Einfalt der Politiker

    Nur was nützt es, wenn man höhere Bussen verteilt, wenn sie nicht bezahlt werden? Renitentes Verhalten wird halt in unserem Rechtsstaat geduldet. Da lachen die Schwarzfahrer über die Einfalt der Politiker.

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  • Tim Ammann am 15.09.2014 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    kann ich gut nachvollziehen, denn..

    die SBB entwickelt sich gegen die Interessen der Kunden. Kunden-Service ist gleich NULL, Billettautomaten verschwinden, geben kein Rückgeld, oder werden zu digitalen-cash Maschinen umgerüstet. wenn ich nicht bar bezahlen kann dann fahre ich ohne Billett. regelmässige Verspätungen runden das Negativprofil der SBB ab. Zeit ist Geld, auch bei mir, und für die verlorene Zeit zahlt mir die SBB nichts. good bye SBB!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lara am 02.03.2015 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Darum bin ich mit meinem auto unterwegs! Kommt mit billiger als wenn ich mit der SBB fahren müsste.

  • Glaub ich nicht am 15.09.2014 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betreibung

    Erklärt mir bitte, wie ich eine Rechnung über CHF 50 nicht bezahlen muss und dabei nicht betrieben werde??? Ich wette mit euch um CHF 1000, dass wenn ich jetzt dieses Jahr 10 Rechnungen über CHF 50 nicht bezahle, dass ich dann betrieben werde, und schlussendlich 10 x CHF 100 zahle!

  • Rainer Duffner am 15.09.2014 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    Könnte man mit so einem Register...

    nicht den Leuten, die wiederholt Schwarz fahren das Mobile und das Cablecom-Abo sperren, bis die Busse bezahlt ist? Natürlich gibt's die arme, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die sparen muss - aber wenn man die Bussen nicht eintreibt, braucht man ja auch nicht kontrollieren, oder? Könnte man sich den Aufwand sparen... Das einzige, was ich früher nicht immer gelöst habe war Kurzstrecke. Das ist mir mittlerweile aber auch zu nervig und ich löse immer. Oder laufe.

  • Christian G. am 15.09.2014 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage mich?

    Warum weiss die SBB nicht wie man das geld von dehnen holt die einem dass auch schulden?! aber von den Steuernzahler und Autofahrern die der SBB nichts schulden wissen sie ganz genau wie man es holen kann?

  • Schwarzfahrer am 15.09.2014 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kundenorientierte Lösungen entwickeln!

    Bin auch schon schwarz gefahren, weil ich im Bus nur ein Ticket an den nächsten Bahnhof lösen konnte, an diesem Bahnhof nur ein Regio-Zonen-Ticket zum nächsten Bahnhof, und da waren dann 20 Leute vor dem Ticketautomaten, Umsteigezeit 3 Minuten... Wie wär's mit: "Einsteigen und Rechnung kriegen"? Wäre technisch machbar!