Whatsapp-Kettenbriefe

16. März 2020 11:27; Akt: 16.03.2020 11:32 Print

Hände weg von diesen Coronavirus-«Tipps»

Sprachnachrichten und Kettenbriefe über das Coronavirus machen derzeit die Runde. Selbst der Bund warnt vor den Fake News. Hier die Ratschläge im Faktencheck.

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Diese Whatsapp-Nachricht macht derzeit die Runde. Sie verspricht einfache Möglichkeiten, sich gegen das Coronavirus zu wappnen und herauszufinden, ob man sich angesteckt hat. Laut einem Experten ist an den Tipps aber nichts dran. Auch andere Tipps machen derzeit die Runde. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klärt auf: So heisst es etwa, dass das Coronavirus in heissen Gebieten nicht existieren könne. Dies stimmt nicht, stellt die WHO klar. Auch dass kalte Temperaturen das Virus töten könnten, stimmt nicht. Auch Schnee ändert an der Ausbreitung des Coronavirus nichts. Weiter schreibt die WHO, dass auch heisse Bäder – entgegen der verbreiteten Social-Media-Nachrichten – nicht vor einer Ansteckung schützen können. Auch das Essen von Knoblauch wird keine Infektion verhindern, so die WHO. Zudem weist die Organisation darauf hin, dass auch Antibiotika nicht vor einer Ansteckung schützen oder das Virus bekämpfen können. «Ein Antibiotikum wirkt nur gegen Bakterien.» Auch, dass das Virus nur alte Menschen infiziert, ist ein Irrglaube. Die WHO weist darauf hin, dass der Verlauf bei älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Herzkrankungen sehr gefährlich und sogar tödlich sein kann. Grundsätzlich können sich aber Menschen aller Altersgruppen mit dem Coronavirus infizieren. Nein, gemäss der WHO kann auch keine regelmässige Anwendung von Nasenspray beziehungsweise Kochsalzlösung vor einer Ansteckung schützen. Auch eine Pneumokokken-Impfung hält das Virus nicht fern, heisst es seitens der WHO. Und auch wenn man seinen Körper mit Alkohol einschmiert, kann man das Virus nicht töten, wenn man es schon in sich hat. Ähnlich sieht es mit UV-Lampen aus. Auch diese können nicht zur Desinfektion benutzt werden. Händetrocknen können gemäss der WHO das Virus ebenfalls nicht töten. Stattdessen solle man seine Hände ordentlich waschen oder desinfizieren. Ebenfalls eine Falschmeldung ist, dass das Coronavirus via Moskitobisse übertragen werden kann. Doch was hilft dann dagegen? Laut der WHO gibt es derzeit keine spezielle Medizin, die eine Infektion verhindert oder Heilung verspricht. Bis ein Impfstoff oder Medikamente gegen das Sars-CoV-2 auf den Markt kommen, wird es noch dauern. Um die Lücke zu schliessen, testen Forscher bereits zugelassene Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt wurden. Sie könnten rasch eingesetzt werden. Unter anderem steht der der Wirkstoff Remdesivir auf dem Prüfstand, der eigentlich gegen Ebola entwickelt wurde. Die WHO bezeichnet das Präparat als vielversprechend. Es laufen bereits Studien, die ersten sollen im April 2020 abgeschlossen sein. Ebenfalls ein Hoffnungsträger: der Wirkstoff Camostat, der in Japan gegen chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) zugelassen ist. In Zellexperimenten konnte er verhindern, dass das Coronavirus in die Lungenzellen eindringt. Ob das auch bei Menschen funktioniert, müssen weitere Untersuchungen zeigen. (Im Bild: akute Pankreatitis in der Computertomographie) Mit dem Coronavirus sind viele wenig geläufige Begriffe Teil unseres Alltagsvokabulars geworden. Das steckt dahinter. Um sich vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus zu schützen, setzen viele Menschen auf Masken, wobei man zwischen Hygiene- und Atemschutzmasken unterscheiden muss. Die einfachen (Bild) sind nach zwei bis drei Stunden durchgefeuchtet. Daher müssen sie dann spätestens ausgetauscht werden. Nur so können sie leisten, wofür sie gedacht sind: die Übertragung von Erregern durch Sekrettröpfchen zu verhindern. Schutz für den Träger bieten sie jedoch nicht. Anders . Je nach FFP-Schutzklasse schützen sie vor ungiftigen Stäuben (FFP1), vor giftigen Stäuben (FFP2) oder vor giftigen und gesundheitsschädlichen Stäuben, Rauch und Aerosol (FFP3). Um sich vor dem Virus Sars-Cov-2 zu schützen, wird zu FFP3 geraten. Momentan sind die Masken fast überall ausverkauft. Bei Sars-Cov-2 (Bild) handelt es sich um ein Virus, nicht um ein Bakterium. Der Unterschied? Während Bakterien Einzeller mit eigenem Stoffwechsel sind, die sich selbst reproduzieren können, bestehen Viren nur aus einer Eiweisshülle, in der sie ihre Erbsubstanz aufbewahren. Um sich zu vermehren, sind sie auf einen Wirt (Zellen) angewiesen. Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der Behandlung: Gegen Bakterien verwendet man Antibiotika, die die Zellwand zerstören oder die Vermehrung hemmen. Gegen Viren werden spezielle Medikamente, sogenannte Virostatika eingesetzt, die das Eindringen des Virus in einen Wirt verhindern oder das Erbgut des Virus zerstören. (Im Bild: Sars-Cov-2-Partikel) Ersteres beschreibt den Moment der Ansteckung, in dem der Erreger in den Organismus eindringt und diesen im Folgenden stört. Das verrät auch der lateinische Ursprung. Das Wort «infectio» bedeutet so viel wie Beeinflussung und Verunreinigung. Die Inkubation (von lateinisch «incubatio») beschreibt dagegen die Zeit, die zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome vergeht. Während dieser vermehren sich die Keime und die Erkrankung etabliert sich im Körper. Bei Covid-19 geht man von einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen aus. In seltenen Fällen kann sie aber auch bis zu 24 Tage dauern. Der lateinische Ursprung ist auch die Erklärung dafür, warum es beispielsweise infizieren heisst und nicht infiszieren, wie häufig zu hören ist. Auch heisst es Desinfektion und nicht Desinfikation. Bei Ersterem handelt es sich um ein Anzeichen einer Krankheit. Das heisst um eine für eine bestimmte Krankheit charakteristische Erscheinung. Der Ausdruck stammt vom Griechischen «sýmptma», was so viel wie «vorübergehende Eigentümlichkeit» bedeutet. Auch der Begriff «Syndrom» stammt aus dem Griechischen. Konkret vom Ausdruck «syndrom», der so viel wie «zusammenlaufen» bedeutet. Und tatsächlich beschreibt ein Syndrom exakt das: ein Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammenkommen von verschiedenen Symptomen ergibt. Ersteres beschreibt eine zeitlich und örtlich in besonders starkem Masse auftretende und ansteckende Erkrankung. Darunter fällt etwa Bei einer Pandemie handelt es sich dagegen um eine Epidemie besonders grossen Ausmasses, die ganze Landstriche und Länder erfasst. Ihre Bezeichnung stammt aus dem Griechischen von «pan» für «alle, jeder» und «demos» für «Volk». (Im Bild: Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 grassierte) Heisst es nun ? Erlaubt ist beides: Ein Virus kann sowohl neutrum als maskulin sein. Allerdings empfiehlt der Duden den sächlichen Artikel. Der Ausdruck Virus stammt aus dem Lateinischen, wo «virus» so viel wie «natürliche zähe Feuchtigkeit, Schleim, Saft» heisst. Beim kommt es auf die Kombination von Einseifen, Reiben, Abspülen und Trocknen an, sonst bringt es nichts. Das heisst: Die Hände nass machen, dann einseifen. Am besten mit Flüssigseife. Die Hände reiben, bis es schäumt. Dabei Handrücken, Fingerzwischenräume, Fingernägel und die Handgelenke nicht vergessen. Anschliessend gut abtrocknen. Es heisst und nicht Karantäne, wie manch einer schreibt. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort «quarantaine» ab, was eine Zeitspanne von 40 Tagen bezeichnet. So lange dauerte früher die Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Hör zu Alba, ich sag dir jetzt etwas im Vertrauen. Heute am Mittag wird sich die Schweiz verändern.» Und: «Kauf heute noch ein, was du brauchst! Morgen wirst du nichts mehr erhalten.» Diese und ähnliche Nachrichten kursieren derzeit auf Whatsapp – viele davon auf Schweizerdeutsch. In der Folge überrannten Menschen die Detailhändler und tätigten Hamsterkäufe. Der Bund hat prompt auf die Meldungen reagiert und diese als «Fake News» bezeichnet. In den letzten Tagen kam es auch vermehrt zu Kettenbriefen mit vermeintlichen Coronavirus-Tipps. «Nehmen Sie mindestens alle 15 Minuten ein paar Schlucke Wasser. Selbst wenn das Virus in Ihren Mund gelangt – das Trinken von Wasser oder anderen Flüssigkeiten spült es durch Ihre Speiseröhre in den Magen. Dort angekommen, tötet die Magensäure das Virus ab», heisst es darin etwa.

Zudem könne man mit einem einfachen Selbsttest erkennen, ob man am Coronavirus erkrankt sei: «Atmen Sie tief ein und halten Sie den Atem für mehr als zehn Sekunden an. Wenn Sie die Untersuchung ohne Husten, ohne Beschwerden, ohne Prallheit oder Engegefühl erfolgreich durchführen, beweist dies, dass keine Fibrose in den Lungen vorliegt, was im Grunde genommen auf keine Infektion hinweist.» Experten sagten allerdings gegenüber 20 Minuten, dass die Tipps wirkungslos und somit Falschinformationen seien.

Nein, Zwiebeln und Knoblauch helfen Infizierten nicht

Auch Hausmittel zur Bekämpfung des Virus machen derzeit die Runde. So rät man Infizierten via Whatsapp beispielsweise dazu, eine aufgeschnittene Zwiebel ins Wohnzimmer zu legen. «Das hilft, die Viren und Bakterien aus dem Körper und der Luft zu saugen», heisst es im Text. Weiter steht geschrieben, dass auch das Essen von Knoblauch den infizierten Körper entgiften würde.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat indes reagiert und in einem Statement erklärt, dass generell keine Lebensmittel eine nachweisliche Wirkung gegen das Coronavirus haben. Auch Sonnenlicht, Schnee und heisse Bäder schützen nicht vor einer Ansteckung, so die WHO.

Was steckt hinter den Nachrichten?

Doch warum verfassen und verbreiten die Menschen solche Nachrichten? Laut Daniel Süss, Medienpsychologe und ZHAW-Dozent, sind die Beweggründe unterschiedlich: «Die einen wollen Aufmerksamkeit generieren oder erlauben sich einfach einen schlechten Scherz und sind gespannt, wie viele Leute darauf hereinfallen. Andere haben vielleicht eine Beobachtung gemacht, welche sie falsch interpretiert haben und glauben an das, was sie daraus ableiten.»

Gemäss dem Medienpsychologen sind die Sprachnachrichten durchaus mit Kettenbriefen zu vergleichen. Gesprochene Nachrichten würden sogar mehr Emotionen vermitteln und authentischer wirken als geschriebene Texte, so der Experte. «Wenn man unsicher ist, ob jemand einen Scherz macht, etwas ironisch oder ernst meint, dann versuchen die Empfänger der Nachricht, dies aus dem Klang der Stimme, einem Zögern oder Kichern herauszulesen.»

«Man sollte solche Nachrichten ignorieren und nicht weiter verbreiten»

Doch warum teilen und verschicken Menschen die Nachrichten einfach weiter, ohne sie gross zu hinterfragen? Laut Süss ist dabei vor allem der Absender entscheidend: «Erhält man solche Warnungen von Bekannten, die man für vernünftig und vertrauenswürdig hält, dann ist die Gefahr gross, dass man sie ernst nimmt und nicht hinterfragt.» Wieder andere würden die Nachricht vielleicht einfach aufregend und spannend finden und sie deshalb unbedacht weiterverschicken, so der ZHAW-Professor. Dies gelte auch für die vermeintlichen Tipps. «Da keine Selbsttests angeboten werden, suchen Verunsicherte nach etwas, an dem sie sich festhalten können. Sie schnappen etwas auf oder erfinden etwas, das ihnen plausibel erscheint, und senden es weiter.»

Laut Süss gibt es nur eine sinnvolle Reaktion, wie man sich verhalten sollte, wenn man so eine Nachricht bekommt: Die Nachricht ignorieren und sicher nicht weiterverbreiten. «Wenn man verunsichert ist, sollte man mit vertrauenswürdigen Personen im direkten Umfeld sprechen und sich an den Informationen der Behörden und auch der Detailhändler orientieren: Die Versorgung der Bevölkerung ist sichergestellt.»

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 16.03.2020 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es braucht ein weltweites Gesetz

    Fake News Deppen/innen gehören bestraft. Am besten mit Sozialstunden in Spitälern.

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  • joggeli am 16.03.2020 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    nicht Mehr und nicht Weniger

    das Einzige was der Knoblauch bewirkt ist das Abstand gehalten wird.

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  • Awake am 16.03.2020 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    lindern und unterstützen

    Trotzdem gibt es auch aus der Natur Hilfe wenigstens die Symptome zu lindern. Heilen tut sich sowieso jeder selber

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beli am 17.03.2020 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Verkaufspersonal wird nicht geschützt

    Einerseits solche Massnahmen verkünden , anderseits hunderte Menschen in die Supermärkte lassen , ohne Schutz für die Kassiererinnen . Abstände werden nicht eingehalten ! Bezahlt wird immer noch mit Bargeld , obwohl diese Noten auch Virenverseucht sind . Alle werden geschützt nur das Verkaufspersonal setzt man diesen Gefahren aus . Was ist los mit unserer Regierung ? Da stimmt bei euch einiges nicht !

  • Sack Zement am 17.03.2020 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auf Abstand halten

    Atemschutzmasken mit Ventil sollten nicht von Infizierten getragen werden. Die ausgeatmete Luft wird nicht gefiltert und kann Viren enthalten. Solche Maskenträger sind potentielle Virenschleudern.

  • Alexandre Goncalves am 17.03.2020 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    corona dreck

    Sind wir auf die Baustellen nichts wert? alle stück sheis***? wir müssen den ganze Tag mit + 40 Mittarbeiter arbeiten, und niemand interessiert sich. BRAVOOO Schweiz!

  • Mr.niceguy.87 am 17.03.2020 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was tun?

    Mal eine frage. In meiner kindheit wurde bei mir asthma diagnostiziert. Habe aber schon seit jahren keine anfälle mehr. Ich arbeite in einem industriellen grosbetrieb und frage mich nun ob ich mich krank schreiben lassen soll?

  • R.H. am 17.03.2020 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Esst Knoblauch...

    Knoblauch stärkt das Immunsystem. Zudem hält es fast automatisch auch die Menschen auf Distanz ;-)