Unfall auf der A1

28. Mai 2014 14:16; Akt: 29.05.2014 11:46 Print

Hätten Beton-Leitplanken das Chaos verhindert?

Ein Lastwagen-Unfall auf der A1 löste ein stundenlanges Verkehrschaos aus. Nun wird der Ruf nach Beton-Leitplanken auf Autobahnen laut. Ist er berechtigt?

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Rund 40 Tonnen, so schätzte der Solothurner Polizeisprecher, habe der Lastwagen mit seiner Ladung gewogen, der am Dienstag die Leitplanke auf der A1 bei Luterbach wegfegte, als wäre sie aus Papier. Die Folgen des verheerenden Unfalls sind bekannt: 12 Verletzte, kilometerlange Staus, Verkehrschaos bis in den Abend.

Die Leitplanken an der Unfallstelle waren aus verzinktem Stahl. Elastisch, um einen seitlichen Aufprall abzufedern und das Fahrzeug zurück auf die Fahrbahn zu leiten. Doch gegen 40 Tonnen Masse waren auch sie machtlos. Zumal der Lastwagen eher frontal als seitlich auf die Leitplanke zuschoss, wie Bilder verdeutlichen.

Der Unfall gibt dem Verein für Fahrzeug-Rückhaltesysteme aus Beton (FRSB) Anlass, die installierten Leitplanken auf Schweizer Autobahnen zu hinterfragen. Der Geschäftsführer, Jan Kottucz, sagt zu 20 Minuten: «Wir kritisieren die Rückhaltestufe, die in der Schweiz gilt – sie ist tiefer als im benachbarten Ausland.» So gelte in der Schweiz eine Stufe von H1, in Deutschland, Österreich und Italien betrage sie H2. Diese Stufe gibt an, wie viel Kraft eine Leitplanke aushalten muss.

«Eine Frage der Zeit bis zum nächsten Unfall»

Für den FRSB sei unverständlich, weshalb in der Schweiz der Sicherheitsstandard tiefer sei – und noch immer auf Stahl statt auf Beton gesetzt werde. Jan Kottucz sagt: «Wenn ein Reisecar oder ein grosser Lastwagen damit kollidiert, besteht die Gefahr eines Durchbruchs nicht.» Es müsse immer erst jemand verletzt werden, bis ein Umdenken stattfinde. «Im Wallis und in der Westschweiz ist das bereits passiert – gerade wurden auf einer Autobahn im Wallis 12 Kilometer mit Beton-Leitplanken ausgestattet.»

So seien beim meistbefahrenen Abschnitt der Schweiz bei Härkingen SO zurzeit dieselben Leitplanken wie in Luterbach installiert. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dort ein ähnlicher Unfall wie am Dienstag geschieht», warnt Kottucz.

Dem Bundesamt für Strassen (Astra) ist die Diskussion um die Beschaffenheit der Leitplanken wohlbekannt. Sprecher Thomas Rohrbach sagt: «Leitplanken können nicht für jeden denkbaren Fall ausgelegt werden.» Stahlsysteme hätten den Vorteil, dass sie beim Aufprall elastischer reagierten. «Sie sind sicherer für PW-Insassen als Betonelemente.»

Statistik spricht für Stahl

Da sich Betonsysteme beim Aufprall weniger verformten, steigere dies das Risiko, dass ein anprallendes Fahrzeug direkt zurück in den Verkehr katapultiert werde und sich überschlage. Rohrbach gibt zu bedenken: «Das Verletzungsrisiko respektive die Schwere der Verletzungen für Fahrzeuginsassen ist dabei wesentlich höher.»

Das Astra argumentiert, dass das tatsächliche Unfallgeschehen der beste Gradmesser für das vorherrschende Sicherheitsniveau sei – und die Statistik weise einen markanten Rückgang bei den schweren Personenunfällen auf.

Bei der Entscheidung, welche Leitplanken eingesetzt werden, wägt das Astra die Wahrscheinlichkeit von Unfällen und die potenziellen Unfallfolgen beim Anprall auf die Leitplanken ab. Und kommt zum Schluss: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unfall wie am Dienstag passiert, ist gering. Sprecher Rohrbach sagt: «Der Anteil schwerer Güterfahrzeuge auf der A1 beträgt etwas mehr als 6 Prozent.» Für alle anderen Verkehrsteilnehmer würde sich durch weniger elastische Leitplanken das Verletzungsrisiko erhöhen.

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Xaver am 28.05.2014 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    jajaaaa

    Bei 4o Tonnen ist es egal, ob es Beton oder Stahlelemente als Schutzwand gibt. Wenn es nicht mindestens 3m hoch ist, kippt ein LKW, bzw der beladene Hänger so oder so darüber. Es ist doch auch egal über was man stolpert, wenn man auf die Nase fliegt..... jetzt erst mal die Unfallursache ermitteln, und nicht politisch korrekten Seich erzählen wäre deutlich produktiver.....

  • Rudolf Häni am 28.05.2014 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich hätten sie das...

    Natürlich hätten Betonplanken den Unfall anders ausgehenlassen. Besser wären jedoch Kraftfelder wie bei Star Trek. Das Fahrverhalten von Herr und Frau Schweizier ändert sich jedoch nicht und die meisten Unfälle geschehen wegen zu dichtem Auffahren... Weniger aggressivität am Steuer würde auch helfen!

  • Philippe R. am 28.05.2014 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Stahl...

    Ich knalle lieber in eine nachgebende Stahlleitplanke, die den Aufprall abfedert, als auf ein Betonelement, an dem der Wagen zerschellt...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • 40000 km pro Jahr am 29.05.2014 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Umsicht statt Diskussionen

    Mehr Umsicht und Nachsicht würden vieles Diskussionen erübrigen. Was auf den Autobahnen alles passiert ist phänomenal. Fast täglich "verlorene Ladung / Spannsets / Teile / Reifen/ etc" Gullideckel die auf einmal verschwunden sind und herrenlose Tiere. Dazu kommt aggressives Fahren, kein Reißverschluss Verfahren, Drängeln und nötigen. Mal eben den anderen einfädeln lassen, mal eben den anderen vorlassen gäbe der Gemeinschaft zügiges Voran kommen. Wenn jeder erstmal bei sich selbst anfängt, sein Fahrzeug ordentlich sichert und sich an die Regeln hält, einiges wäre einfacher.

  • J. Meyer am 29.05.2014 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Keine absolute Sicherheit

    Sicherheitssysteme auf den Strassen ist das Ergebnis der Dummheit der Lenker. Es gibt kein System, welches Unfälle verhindert, ausser dem, das kein Mensch mehr fahren darf. Ob Stahl oder Beton die sichere Alternative wäre, erübrigt sich spätestens dann, wenn ein weiterer Unfall sich mit eins der Systeme ereignet. Vielleicht sollte man die Trennlinie zwischen den Richtungen verbreitern, in jede Richtung Stahlleitplanken u in der Mitte eine solide Betonwand errichten, also beide Systeme in einem breiteneren Korridor errichten. Absolut sicher dürfte das auch nicht sein, erhöht aber das Minimum.

  • Pat Jak am 28.05.2014 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    warum braucht....

    ... es überhaupt Leitblanken? Würde jeder so fahren wie er sollte, müsste, bräuchte es diese gar nicht.

  • P-A Bertholet am 28.05.2014 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zu schnell! Ganz einfach!

    Liebe Polizei: bremst endlich Mal die LKW! 80 Km/H ist eben 80 Km/H und nicht noch + 10% oder noch mehr dazu! Die 40 Tönner sind wirklich keine Spielzeuge! Dazu: das Benehmen von einige Fahrer sind schlicht und einfach eine Katastrophe! Fahrtechnik und Kenntnis von Theorie: nix!

  • steuerzahler am 28.05.2014 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betonleitplanken sind Auch gefährlich

    Eine Betonleitplanke würde einerseits den Aufprall eines so schweren Gefährts nicht aufhalten, dafür Autoinsassen umbringen. ob das die bessere Lösung ist bezweifle ich