Erbschaftssteuer

28. Dezember 2011 22:38; Akt: 29.12.2011 08:10 Print

Häuser für 10 Milliarden verschenkt

Aus Angst vor einer Erbschaftssteuer haben reiche Zürcher ihren Erben Liegenschaften in Milliardenhöhe überschrieben. Dem Komitee der Erbschaftsinitiative passt das gar nicht.

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Wie hier in Feldmeilen an der Zürcher Goldküste stehen im ganzen Kanton viele teure Villen. (Archivbild vom 5. August 2005/Keystone)

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Im Kanton Zürich haben Reiche wegen der drohenden Erbschaftssteuer so viele Liegenschaften wie noch nie verschenkt: «Ich gehe davon aus, dass in den letzten drei Monaten Liegenschaften im Wert von mindestens 10 Milliarden Franken verschenkt wurden», sagt der Zürcher Notariatsinspektor René Biber gegenüber der Sendung «10vor10» auf SF1.

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Zu spüren bekommen die vielen Anträge die Notariate. «Es ist eine Riesensteigerung gegenüber dem Vorjahr», sagt Biber. Von Mitte September bis Dezember haben die Zürcher Notariate 5300 Anträge für Schenkungen oder Vorerbbezüge bearbeitet – rund fünf Mal mehr als in den vergangenen Jahren. 2010 gab es nur gerade 930 solcher Gesuche.

25 Millionen Franken mehr Gebühren

Der riesige Ansturm auf die Zürcher Notariate hat den Grundbuchämtern happige Mehreinnahmen in die Kassen gespült. Rund 25 Millionen Franken mehr Gebühren als letztes Jahr sollen sie eingenommen haben. Aus der Höhe der Gebühren – sie betragen 2,5 Promille des Verkehrswerts – lässt sich auch der Wert der verschriebenen Liegenschaften berechnen – also rund 10 Milliarden Franken in den letzten drei Monaten nur für den Kanton Zürich.

Doch die Schenkungsaktion ist nicht nur auf Zürich beschränkt, in der ganzen Schweiz wurden riesige Vermögen auf die Nachkommen verteilt. Stephan Herren, Chef von Graffenried Recht in Bern, macht dieselbe Beobachtung wie seine Zürcher Kollegen: «Wir haben in den letzten beiden Monaten für rund 600 Millionen Franken Schenkungsverträge erstellen und vollziehen können», sagt er gegenüber dem Schweizer Nachrichtenmagazin.

Schweizweit 50 Milliarden Franken verschenkt

Grund für den Ansturm ist die Volksinitiative für eine nationale
Erbschaftssteuer. Kommt sie zustande und wird angenommen, zieht der Bund rückwirkend ab Januar 2012 bei allen Erbschaften von über 2 Millionen Franken Steuern ein.

Gar nicht begeistert von der Schenkfreude der Reichen ist Heiner Studer von der Evangelischen Volkspartei EVP. Er ist der Vater der Erbschaftsinitiative. «Das ist eine enorme Summe. Sie zeigt für mich, dass viele nur noch an sich denken und nicht mehr an die Gemeinschaft.» Der EVP-Präsident rechnet damit, dass landesweit Liegenschaften im Wert von 40 bis 50 Milliarden Franken verschenkt wurden.

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Moser am 28.12.2011 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht weiter schröpfen

    Soso, nur an sich denken und nicht an die Gemeinschaft... Die reichen sind der Grund, warum es uns hier so gut geht, und die bezahlen schon sehr viel Steuern. Also nicht noch mehr schröpfen, sonst wandern die ab dahin wos halt noch billiger ist und wir versinken

  • Tinu am 28.12.2011 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Erbschaftssteuer abschaffen!

    Wieso bezahlt man die überhaupt? Wenn jemand stirbt, dann geht das Geld einfach an die Erben, die bezahlen dann wieder Steuern, das Geld hat sich bloss auf andere Personen verteilt! Erbschaftssteuer sollte nur jemand bezahlen, der im Ausland wohnt, da das Geld in dem Fall abwandert. Ansonsten finde ich diese Steuer eher morbide. Den Staatssarg gibt es ja auch nicht mehr!

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  • reto n. am 28.12.2011 23:12 Report Diesen Beitrag melden

    gehts noch

    was für ein kommentar: "Sie zeigt für mich, dass viele nur noch an sich denken und nicht mehr an die Gemeinschaft."..lieber herr studer, dann können sie ja morgen für mich arbeiten gehen! tztztz

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Die neusten Leser-Kommentare

  • didier am 01.01.2012 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kirchensteuer abschaffen

    Ich lanciere nun eine Initiative zur Abschaffung der Kirchensteuer. Dieses Relikt aus dem Mittelalter ist eh mal fällig, die Trennung von Kirche und Staat soll nun endlich ganz vollzogen werden. Die bisher erhobene Kirchen-Steuer heisst neu Sozialsteuer und wird zu 1/3 an die Kantone und zu 2/3 an die AHV verteilt. Keiner zahlt mehr als bisher, aber es wird etwas zukunftsgerichtetes getan. Wer macht mit?

  • Phil am 30.12.2011 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    2 Millionen, ein Witz...

    2 Millionen als Freibetrag ist ein Witz, schon jedes kleine Handwerksgeschäft, oder jedes grössere MFH sind im Verkaufswert über 2 Millionen. Müssen die Nachkommen Ererbte Häuser und Betriebe verkaufen um dem Staat die Steuern zu zahlen, ist dies wirklich gerecht?

  • Jörg am 30.12.2011 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern, Steuern, Steuern...

    Ich bin nicht "reich". Nein. Aber die "Reichen" machen's genau richtig. Gerade Objekte wie Häuser werden zig-mal besteuert. Und das investierte Geld wurde auch schon mal versteuert, als Einkommen, als Vermögen wahrscheinlich mehrmals. Aber der liebe (linke) Staat will immer mehr. Ich hab's echt langsam satt, diese Umverteilerei. Ich überlege mir wirklich, ob es sich in diesem Land noch lohnt, ein Vermögen anzustreben. Eigentlich fahre ich besser, wenn ich Durchschnittsverdiener bleibe und mich auf den steuerfinanzierten Sozialstaat verlasse.

  • E.H. am 29.12.2011 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tschüüüsss....

    Ich geh' dann mal auf Monaco.

    • paedu am 30.12.2011 19:53 Report Diesen Beitrag melden

      Viel Spass

      bei der Wohnungssuche;-)

    • daren am 31.12.2011 13:22 Report Diesen Beitrag melden

      gute Idee!

      es steht jedem frei Hier zu sein!

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  • Tinu am 29.12.2011 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ich auch!!!!

    Ich will auch ein Haus! Wenn die schon Häuser verschenken, ich hätte auch gerne eines. Muss ja nicht das grösste sein. Bitte, bitte, bitte!