Umstrittene Handyregeln

07. Juni 2018 05:42; Akt: 07.06.2018 05:48 Print

«Dank dem Handy schreibe ich gute Noten»

von B. Zanni - Handyregeln wirken sich laut einer Studie negativ auf die schulischen Leistungen aus. Doch Schüler finden: Am Handy hängen mache auch klug.

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Fabienne bleibt auf dem Weg in die Mittagspause plötzlich wie angewurzelt stehen. Gebannt schaut sie auf ihr Handy. Auch Fabiennes Freundin will den neusten Instagram-Post nicht verpassen und guckt neugierig mit. Ihr eigenes Handy hat sie nicht dabei – es liegt wie immer, wenn sie aus dem Haus geht, gut versorgt zu Hause. «Meine Eltern sind ziemlich streng», sagt die 12-jährige Gabrielle. Zu Hause dürfe sie das Handy maximal eine Stunde benutzen. Gehe ihr Vater auf Geschäftsreise, nehme er ihr Smartphone sogar mit. «Und sonst kontrolliert er meinen Konsum oft über eine App.» Mittels Screen Time sehe er genau, welche Apps sie benutze und wie lange sie sich mit dem Handy beschäftige.

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Laut einer Studie der Universität Zürich schneiden Jugendliche, deren Eltern früh den Handykonsum zugunsten schulischer Leistungen einschränken, im College schlechter ab als ihre Mitstudenten. Für Gabrielle ist dies aber kein Grund, bei ihrer Mutter um mehr Handyzeit zu betteln. «Ich bin dankbar, dass meine Eltern so streng sind. Sonst hätte ich sicher schlechtere Noten.» Sie sei aber überzeugt: «Hätte ich die Gymiprüfung geschafft, hätten meine Eltern die Regeln gelockert.»

Guten Leistungen dank Serien

Andere Jugendliche hingegen sehen in den digitalen Medien kein Gift für die Leistungen. «Ich habe in Bio eine 5,6 – sicher auch, weil ich auf dem Handy oft CSI Miami schaue», sagt Sekschülerin Carla (14) strahlend. Dank der Serie habe sie im Biologieunterricht einen Vorsprung gehabt und sich viel zu Wort gemeldet. «Viele Organe kannte ich schon, weil sie in der Serie ja oft Leichen aufschneiden.» Auch ihre Kolleginnen stimmen zu. «Durch die englischen Spiele und Serien lernt man viel für den Englischunterricht», sagt Joanna (13). Über das Game Minecraft habe sie sich einige englische Begriffe angeeignet.

Und Emilia (13) erinnert sich: «Einmal schaute ich eine Folge ‹Pretty Little Liars› auf Englisch. Am nächsten Tag kamen mir im Englischunterricht deshalb recht viele Wörter wieder in den Sinn.» Auch Amir (16) sieht im Handykonsum schulische Vorteile. «Wenn man mit Deutschen schreibt, fällt es einem in der Schule leichter, hochdeutsch zu schreiben», sagt der Försterlehrling.


Strikte Handyverbote

Dennoch sind den Jugendlichen Handyregeln nicht fremd. Instagram, Snapchat, Whatsapp, Netflix, Youtube und Games wie Pianotiles oder Playerunknown’s Battlegrounds ziehen sie oft in den Bann. Vor dem Schlafengehen habe er seiner Mutter das Handy abgeben müssen, so Amir. «Ich spielte zuvor die ganze Nacht Shooter-Games.»

Mit 14 Jahren habe er das Handy «nach einem langen Kampf» wieder zurückerobert, so Amir. «Schliesslich war es normal, mit Freunden nachts zu schreiben.» Auch könne er ohne Musik nicht einschlafen. Heute hingegen hänge er nachts nicht mehr am Handy. «Ich bin jetzt in der Lehre und muss morgens fit sein.» Pro Tag verbringt Amir vier bis fünf Stunden am Handy. «Bei Netflix-Serien wie The Blacklist oder Haus des Geldes passiert am Ende der Staffel immer genau noch etwas und schon ziehe ich mir die nächste Folge rein», klagt Amir.

«Ich war ein Suchti»

Auch Carla berichtet: «Meine Mutter hat mir das Handy immer nach 19 Uhr weggenommen.» Manchmal habe sie es sogar für mehrere Tage eingezogen. «Ich war auch ein Suchti. Ich spielte dauernd solche Kinder-Apps. Irgendwann bekam ich Kopfschmerzen und mir wurde schwindlig.» Céline (13) darf erst zum Handy greifen, wenn sie die Ufzgi erledigt und für Prüfungen gelernt hat.

Bei anderen Schülern greifen die Eltern spontan ein. «Wenn ich zu lange am Handy bin oder wir mit der Familie etwas unternehmen, muss ich das Handy weglegen», sagt Gymischülerin Adina (15). Eine Ausnahme sei, wenn sie für die Schule lerne. «Manchmal übe ich Voci mit dem App Quizlet.» Ähnliche Sitten herrschen bei ihrem Klassenkameraden Robin (16). Am Tisch oder auf Familienausflügen lege er das Handy auch freiwillig weg. «Es ist höflicher, mit der Familie zu reden, als ins Handy zu starren.» Von richtigen Handyregeln halten die beiden Gymischüler nichts. Gerade in ihrem Alter sei der Drang zu rebellieren schliesslich gross.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gebildeter am 07.06.2018 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Düstere Zunkunft

    Wenn man heute Bio aufgrund von CSI Miami lernt, dann sage ich nur eines: Wir sind alle verloren.

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  • Andi am 07.06.2018 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CSI

    klar xD gute Noten in Bio wegen csi Miami. Wenn sie wenigstens Dokus schauen würde, würde die ausrede ja noch sinnvoll klingen

  • Amina123 am 07.06.2018 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    aha....soweit ists nun also schon gekommen,dass über handykonsum und schule studien gemacht werden... wo endet das noch?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bra bra am 07.06.2018 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wortlos

    Heutzutage wird alles durch handy erledigt, somit ist die Welt auch am Ende! SaynoNo wahrheit leider...

  • :) am 07.06.2018 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also ich bekäme auch

    Kopfschmerzen und meine Konzentration würde deutlich nachlassen, müsste ich mir eine Serie oder einem Film auf dem kleinen Bildschirm reinziehen...

  • Hmmm am 07.06.2018 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CSI hin oder her

    Merkt euch einfach eines: Das Fernsehen ist eine Traumwelt. Spielfilme sind eine Traumwelt, Serien sind eine Traumwelt und sogar manche Dokus sind eine Traumwelt... Von der Werbung ganz zu schweigen.

  • dä brenner am 07.06.2018 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    obsoletes gehirn

    digitale demenz ist das schlagwort... von wegen macht klug... die abhängigkeit von smartphones ist erschreckend und es gibt zig leute die schon lange davor warnen seien es studien oder die wissenschaft... doch paradoxerweise zweifelt man dann an den wissenschaftlichen erkenntnissen wens um sowas geht aber beim gerät selber welches auch auf wissenschaft beruht nicht, schon bissl schizo ne? und wie war das nochmal mit nachhaltigkeit und künstlicher obsolesenz unterzogenen smartphones? doppelmoral vom feinsten.

  • Anony Mouse am 07.06.2018 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yeah, right...

    Und ich hab hacken gelernt durch Filme und TV Serien...;) was da meist für Stumpfsinn verzapft wird wenns um IT geht um den durchschnittlichen Dummy in staunen zu versetzen, da muss ich oft wegzappen vor lauter Fremdschämen. Wird in anderen Fachthemen nicht besser sein...