Tote und Verletzte

29. Oktober 2014 06:22; Akt: 29.10.2014 10:53 Print

Handys machen junge Fussgänger zu Opfern

Passanten, die mit ihrem Handy beschäftigt sind, werden im Strassenverkehr immer mehr zur Gefahr. Das Risiko dürfte mit der wachsenden Medienvielfalt sogar noch steigen.

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Für die meisten Schweizer ist das Smartphone allgegenwärtig. Selbst wenn sie auf der Strasse unterwegs sind, wird fleissig getwittert und gepostet, getextet und telefoniert. Laut dem Sinus-Report 2014 von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) wurden 2013 insgesamt 723 Fussgänger schwer und 69 tödlich verletzt. Auffallend: Die Zahl der verunfallten Jugendlichen ist in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen. Im vergangenen Jahr sind rund 50 Prozent mehr junge Fussgänger im Alter von 18 bis 24 verunfallt als noch 2003. Mit ein Grund dürfte die kontinuierliche Zunahme von Smartphones und anderen mobilen Gadgets sein.

Diese Entwicklung bestätigt Rolf Meyer, Sprecher von Bernmobil: «Die Aufmerksamkeit auf der Strasse ist nicht mehr so hoch wie früher. Unsere Fahrer erleben täglich Leute, die über die Strasse gehen, während sie am Handy beschäftigt sind. Meistens wird zum Glück niemand verletzt.» Trotzdem wurden im Kanton Bern 2013 fünf Unfälle auf Zebrastreifen registriert, bei denen Fussgänger erwiesenermassen von Mobiltelefonen abgelenkt wurden, wie Kapo-Sprecherin Simona Benovici erklärt. «Dabei handelt es sich einzig um die Fälle, bei denen die Unfallursache klar definiert werden konnte. Das Problem ist also unbestritten da.»

«Unser täglich Brot»

Bei den Luzerner Verkehrsbetrieben VBL komme es ebenfalls regelmässig zu Situationen, bei denen die Buschauffeure wegen eines Fussgängers eine Vollbremsung einleiten müssten. Dabei gefährdet er nicht nur sich selbst. «Es kommt vor, dass die Leute im Bus bei der Vollbremsung stürzen und sich verletzen», sagt Sprecher Christian Bertschi.

Die Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ kennen das Phänomen ebenfalls. «Die Handys und der damit verbundene unvorsichtige Umgang sind unser täglich Brot», sagt Sprecher Andreas Uhl. «Jede Fahrerin und jeder Fahrer achtet darauf und rechnet mehr oder weniger auch mit unvorsichtigen Fussgängern.»

Es gab schon Todesfälle

Das VBZ-Personal werde deswegen sogar regelmässig speziell geschult und lerne so den Umgang mit abgelenkten Passanten. «Wir warnen mit Rasseln, Bremsen, Hupen oder vermindern die Geschwindigkeit.»

Komme es zu Unfällen, handle es sich längst nicht nur um kleine Ereignisse. Für die Wagenführer seien die Handys Stressquelle und Grund zur ständigen Sorge: «Es ist völlig unbestritten, dass es wegen der Unachtsamkeit bei uns auch schon Todesfälle gab.» So sei beispielsweise vor einigen Jahren ein Drogenhändler, der sich illegal in der Schweiz aufhielt, von einem Tram erfasst und tödlich verletzt worden. «Der Mann war abgelenkt, weil er telefonierte. Die Schuld lag zu 100 Prozent bei ihm», sagt Uhl.

Lieber auf dem Trottoir bleiben

Laut bfu-Sprecher Daniel Menna besteht die Gefahr, dass die Zahl der verunfallten Fussgänger mit dem Aufkommen von Google Glass und anderen Gadgets in Zukunft noch steigen wird. Besonders gefährlich sei das Überqueren eines Fussgängerstreifens. «Je mehr anderes man macht, desto geringer ist die Aufmerksamkeit. Sobald man auf der Strasse ist, muss sie deshalb dem Verkehr gelten.» Das bekannte «Luege, lose, laufe» habe leider an Bedeutung verloren. Für Menna steht fest: «So segensreich Smartphones auch sind, im Verkehr haben sie nichts verloren.»

Dass es im Leben trotzdem nicht ohne Handy geht, ist Menna bewusst. Er rät deshalb, abseits der Strasse kurz stehen zu bleiben, wenn man es benutzen möchte. Wer dennoch in Eile sei, sollte zumindest auf dem Trottoir bleiben. «Da läuft man vielleicht einmal gegen einen Pfosten oder einen anderen Passanten, aber wenigstens wird man nicht überfahren.»

Hatten Sie auch schon einen Unfall, weil Sie am Handy waren und unbedacht die Strasse betraten? Schildern Sie uns ihr Erlebnis auf feedback@20minuten.ch!

(vro/nsa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. Roth am 29.10.2014 06:29 Report Diesen Beitrag melden

    Der Titel ist falsch.

    Korrekt wäre "Handys machen junge Fussgänger zu Tätern". Wer in Kauf nimmt, dass Schaden durch sein Verhalten entsteht kann nicht als Opfer bezeichnet werden.

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  • Federico Emanuel Pfaffen am 29.10.2014 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefahr

    Es ist auch erstaunlich, das vor dem Überqueren des Fussgängerstreifens, luege, lose, laufe nicht mehr gilt.Viele Fussgänger überqueren wie blinde Hühner mit dem Händy am Ohr oder schreibend den Fussgängerstreifen. Auch Mütter mit Kinderwagen und Händy am Ohr.

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  • j.a. am 29.10.2014 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gefährliches natel?

    ist es nicht viel mehr die gleichgültigkeit und die unaufmerksakeit der leute, die der auslöser sind?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Mordasini, Bern am 06.11.2014 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussgängerstreifen sicherer machen!

    Ich bin gegen die Aufhebung des Vortrittsrechts, denn so blieben die Fussgänger erst recht wortwörtlich auf der Strecke und die Autofahrer im Glauben, einfach so und ohne schauen und anhalten zu müssen, über die Streifen fahren zu können. Doch trotz Vortrittsrechts: dieses NIEMALS erzwingen und draufloslatschen! Die Streifen sollten zudem besser gekennzeichnet, sichtbarer, besser beleuchtet und positioniert sein. Mehr Mittelinseln, längere Grünphasen für Fussgänger und Temporeduktionen bei Kindergärten/Schulen/Kitas sowie Aufhebung des gefährlichen Konfliktgrüns wären auch gute Lösungen.

  • Andrea Mordasini, Bern am 06.11.2014 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt nicht nur fehlbare Fussgänger!

    Nicht nur die SMS tippenden/lesenden, telefonierenden, Musik hörenden Fussgänger sind mühsam und eine Gefahr, sondern auch die unachtsamen, SMS tippenden/lesenden, telefonierenden, Musik hörenden Autofahrer. Ich finde es nicht fair, dass einmal mehr vor allem auf den Fussgängern rumgehackt wird. Wie schon erwähnt sind alle Verkehrsteilnehmer, Fussgänger, Velo- und Autofahrer, in der Pflicht und müssen vor-, nach und rücksichtig sein und bei Fehlverhalten gebüsst/bestraft werden.

  • Andrea Mordasini, Bern am 06.11.2014 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer "warte, luege, lose, loufe"!

    Den Fussgängern empfehle ich neben dem bewährten "warte, luege, lose, loufe" gut sichtbar an die Streifen zu stehen, Blickkontakt zum Fahrer haben, bei Dunkelheit Leuchtweste/Leuchtbänder zu tragen und nach Möglichkeit Handzeichen geben. Trotz Vortritt: diesen NIE erzwingen! Kiga-Kinder lernen übrigens, dass sie die Streifen erst dann betreten dürfen, wenn das Auto ganz stillsteht und nicht mehr rollt. Wie lange es wohl noch dauern wird, bis auch der hinterletzte Autofahrer das endlich begriffen hat und sein Auto ganz abbremst vor dem Zebrastreifen zG der Schwächsten/Jüngsten?

  • Andrea Mordasini, Bern am 06.11.2014 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei Kindern immer ganz anhalten am Streifen!

    Alle sind gleichermassen gefordert. Und doch kann und darf man von Kindern im Strassenverkehr bis zu einem bestimmten Alter nicht das Gleiche erwarten wie von Erwachsenen. Kinder sind relativ lange kognitiv noch gar nicht in der Lage, Distanzen, Tempi, Risiken und Gefahren frühzeitig und korrekt ab- und einzuschätzen. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Autofahrer ihretwegen immer ganz anhalten am Fussgängerstreifen. Dies ist keine Schikane, sondern dient zur verbesserten Sicherheit der Jüngsten und Schwächsten! Bitte Kinder nicht hupend und winkend ungeduldig durchwinken, merci viumau!

  • Andrea Mordasini, Bern am 06.11.2014 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Eigenverantwortung für alle!

    Egal, ob Fussgänger, Velo- oder Autofahrer: JEDER Verkehrsteilnehmer ist gleichermassen gefordert und in der Pflicht, muss vor-, rück- und nachsichtig sein und bei Missachtung der Verkehrsregeln und -Vorschriften bestraft werden. Mit etwas mehr GEGENSEITIGER Toleranz, Respekt, Geduld, Rücksicht, Verständnis, Aufmerksamkeit, gesundem Menschenverstand und vor allem mehr Eigenverantwortung jedes Einzelnen kommt jeder sicher vorwärts und heil ans Ziel, auch der/die Gestresseste!