Invasive Pflanzen

30. Januar 2015 11:14; Akt: 30.01.2015 12:24 Print

Hanfpalmen bedrohen den Schweizer Wald

von G. Brönnimann - In Wäldern auf der Alpennordseite wachsen immer mehr Hanfpalmen und andere gebietsfremde Pflanzen. Nun schlagen Experten Alarm.

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Grosser Bestand der Hanfpalme in einem Wald bei Locarno: Basler Forscher haben die exotische Baumart nun auch in Basler Wäldern nachgewiesen. (Bild: Luca Gaggini, Universität Basel)

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Chinesische Hanfpalmen wachsen auf Basler Boden – das meldete das Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz NLU der Universität Basel in einer Medienmitteilung. In den Waldstücken im Bruderholzquartier seien die Exoten bereits auf einem kurzen Spaziergang zu sehen. Die Befunde der Studie des NLU, die am Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt wird, sind brisant: Rund 16 Prozent der in siedlungsnahen Basler Waldgebieten vorgefundenen Pflanzenarten sind Neophyten, also von Menschen eingeführte, gebietsfremde Pflanzen. Bei Lugano sind es gar schon 28 Prozent.

«Bald gibt es in weiteren Wäldern auf der Alpennordseite Palmen, wenn wir nicht aufpassen», sagt Bruno Baur, Professor am NLU. Und das sei ein Problem: «Generell gilt bei der Freisetzung und Ausbreitung von exotischen Pflanzen, dass sich die einheimische Pflanzenvielfalt schon nach kurzer Zeit verringert. Das hat bei den Palmen damit zu tun, dass sie immergrün sind: Was unter ihnen wächst, stirbt ab.» Mit potentiell verheerenden Folgen auch für den Menschen: «Hier etwa wegen Erosionsschäden», so Baur. «Denn das dichte Wurzelnetz der einheimischen Pflanzen bietet Schutz vor Erosion – es drohen, etwa am Bruderholz oder im Tessin, vermehrt Hangrutsche.»

Problem hausgemacht – Professor fordert Verbot

Die meisten der Palmen und anderer Neophyten, auch das zeigt die Basler Studie, gelangten über Gärten in Waldnähe in die Umwelt. Der Anteil der exotischen Pflanzen ist in siedlungsnahen Gebieten viel höher als im tiefen Wald. Das habe auch damit zu tun, dass manche Grünabfall im Wald entsorgten, so Baur: «Viele Leute denken, sie würden etwas Gutes tun, wenn sie Gartenabfälle im Wald entsorgen.» Doch bei manchen Exoten reiche schon ein ganz kleines Stück, aus dem sich wieder eine neue Pflanze entwickeln kann: «Darum sollte man Schnittgut von exotischen Pflanzen in der Verbrennungs- oder Biogasanlage entsorgen.»

Die Palmen-Invasion wäre leicht zu stoppen – mit einem Verzicht auf Problem-Pflanzen: «Mehr Aufklärung durch den Bund würde ich begrüssen», sagt Baur. Doch das würde kaum reichen. Baur fordert härtere Massnahmen. Eine neue Strategie des Bundes zur Biodiversität soll dieses Jahr herauskommen, invasive Arten seien ein wichtiger Teil davon. Bruno Baur: «Es wird vieles schlecht umgesetzt. Viele der Pflanzen auf der Schwarzen Liste des Bundes – etwa der Kirschlorbeer oder eben die Hanfpalme – sind in Gartencentern frei erhältlich. Dabei dürften diese Pflanzen nicht verkauft werden.»

Schwarze Liste ohne Durchsetzungskraft

Tatsächlich steht auf der Informationsseite des Bundesamts für Umwelt Bafu über Invasive Pflanzen auf der «Schwarzen Liste»: «Die Ausbreitung dieser Arten muss verhindert werden.» Auf der Schwarzen Liste sind derzeit 40 Arten – darunter die problematische Hanfpalme und die Kirschlorbeere. Nur: Beide sind im Handel frei erhältlich – verboten sind laut Freisetzungsverordnung FrSV lediglich zehn Pflanzensorten.

Gian-Reto Walther, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bafu, bestätigt: «Die schwarze Liste ist nicht an ein Verkaufsverbot gekoppelt.» Sie diene als Information. Immerhin würden «alle diese Pflanzen einzeln gekennzeichnet, damit die Käufer sehen, dass sie auf der Liste sind.» Sie werde fortlaufend nachgeführt, und die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse würden berücksichtigt. Derzeit arbeite das Bafu an einem Postulat «betreffend invasiver gebietsfremder Arten». Doch das dauert: Eine Antwort werde im Herbst vorliegen – und erst nach Erfüllung des Postulats «könnten» mögliche Anpassungen der Rechtsgrundlagen in Angriff genommen werden.

Palmen-Invasion bedroht auch Schweizer Tierwelt

Die Invasion der Neophyten bedroht nicht nur die Vielfalt der Pflanzenwelt: Auch die Fauna ist betroffen. So seien etwa die Lebensräume von Vögeln und Wildbienen in Gefahr. Um letztere kümmert sich ETH-Biologe Claudio Sedivy mit seiner Firma Wildbiene + Partner, die sich ganz dem Wohl der Schweizer Wildbienen verschrieben hat. Der Biologe: «Viele Grosshändler führen fast keine einheimischen Wildstauden.» Das sei für Tiere ein Problem: «Die einheimischen Wildbienen – über 600 Arten – sind von den invasiven Exoten bedroht, weil diese für sie als Nahrungsgrundlage wertlos sind.» Im eigenen Garten lasse sich die Biodiversität ganz einfach mit den richtigen einheimischen Pflanzen und Blumen steigern: «Schon summt und flattert es viel mehr», sagt Sedivy.

Auch Jonathan Levine, Leiter des ETH-Instituts für Pflanzenökologie, würde es begrüssen, wenn der Bund mehr unternehmen würde, um einheimische Pflanzen zu fördern. Er hatte in einer Studie nachweisen können, dass invasive Pflanzen einheimische Gewächse gar zum Aussterben bringen können. Levine: «Nach meiner Erfahrung fühlen sich die meisten Gartenbesitzer eng verbunden mit ihrem Garten – sehr wenige setzen bewusst Pflanzen, die natürliche Lebensräume bedrohen.» Deshalb sei das Schaffen von Bewusstsein für die Umweltrisiken zentral: «Das könnte ihre Häufigkeit in den Gärten verringern», so Levine.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Naturfreund am 30.01.2015 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum Palmen

    Das andere Hanf währe keine Bedrohung. Ich würde es vor zu wegdampfen.

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  • Goldgräber am 30.01.2015 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Goldruten

    Und wer macht sich an die unzähligen Goldruten?

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  • Lena am 30.01.2015 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter denken!

    Man sollte nur die einheimische Pflanzen kaufen können. Denkt auch an eure Kinder, Enkel usw. Es ist nicht alles gut für undere Gärten was schön ist!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Its cool men am 30.01.2015 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis Dop

    Abholzen und rauchen !

  • pflanzenfreund am 30.01.2015 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    einheimische plfanzen

    Ich kann nur sagen, dass seit ich in meinem Garten inheimische Pflanzen gebrauche es wirklich mehr summt und brummt. Zur Unterstützung des Wachstums haben wir ausserdem Wildbienenhäuser aufgestellt.

  • G. Ardener am 30.01.2015 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Mutation

    Der Wald, bzw. die Natur braucht keine Menschen. Mir gefällt diese Entwicklung explizit, wünschte es ginge noch schneller.

  • Von Garten Erwin am 30.01.2015 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    dummes Geschwätz

    In tropischen Länder gibt es überall gemischte Wälder, Honig und Lebensraum für Tiere. Ausserdem kann bei uns ja gar nichts unter den Bäumen absterben, es hat ja nichts. Ich bin auch der Meinung, dass Häuser mit ihren trostlosen Grautönen ähnlich langweilig daher kommen wie der Bericht der NLU. Es braucht immer mehr Aufwand um Neues positiv zu sehen als zu Fingerzeigend altmodisch und prüde zu kritisieren. Lasst unsere Häuser farbig und die Wälder bunt sein....!

    • petino CH am 30.01.2015 21:35 Report Diesen Beitrag melden

      Graue Schweiz

      Ganz deiner Meinung! Super

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  • Paul Grunder am 30.01.2015 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waldsterben

    1980 wurde prognostiziert, dass es in der Schweiz 1990 keinen Wald mehr gibt. Meist sind bei Prognosen Stümper am Werk.

    • Martin Meier am 30.01.2015 19:28 Report Diesen Beitrag melden

      Es war knapp

      Hätte man dazumals nicht reagiert und die Luftverschmutzung MASSIV gesenkt (u.a. Katalysator-Obligatorium!), hätten mit höchster Wahrscheinlichkeit die Experten auch recht bekommen. Das vermeintliche Waldsterben ist eines der besten Beispiele, dass unsere Gesellschaft eben doch lernfähig ist und handelt, wenns wirklich darauf ankommt. Dazumals gab es übrigens auch viele Stimmen, die gegen ein Kata waren. Sie tönten ähnlich wie heute die "Klimaänderung existiert nicht!"-Fraktion

    • Jwanovic am 30.01.2015 19:48 Report Diesen Beitrag melden

      Die Natur verändert sich langsam

      Werter Paul Wer viel im Wald ist sieht die Veränderungen. Vor Jahren starben die Ulmen. Gegenwärtig verlieren die Eschen ihre Blätter schon im grünen Zustand Ende Sept. Anfangs Okt. Die Eschen sind von einem Pilz befallen und werden vorzu ausgemerzt und verkauft.

    • Bergfichte am 30.01.2015 19:59 Report Diesen Beitrag melden

      Waldsterben

      Bin als Bergwanderer oft in Voralpen-Regionen zu Fuss unterwegs. Dokumentiere dabei seit 30 Jahren nur für mich persönlich bestimmte Situationen des Bergwaldes. Keine Sorge, die Dokumente bleiben bei mir. Träumt weiter von einer intakten Umwelt. Man könnte ja auch ohne unmittelbare Bedrohung auf die sinnlose Verschwendung von Ressourcen verzichten.

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