Pardon Mössiö?

12. Dezember 2011 20:15; Akt: 13.12.2011 08:35 Print

Hansjörg Walter und sein «français fatal»

von Antonio Fumagalli - SVP-Nationalrat Walter spricht und versteht kaum Französisch. Darf sich das ein Bundesrat in spe erlauben? Und müssten dann Bundesratssitzungen simultan übersetzt werden?

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Noch kann er Interviews erst auf deutsch geben: SVP-Bundesratskandidat Hansjörg Walter. (Bild: Keystone)

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Hansjörg Walter konnte einem am letzten Donnerstag bei der Medienkonferenz nach der offiziellen Nominierung als Bundesratskandidat leid tun: Er war nicht nur unfähig, die Fragen auf Französisch zu beantworten, schlimmer noch, er verstand die ihm auf Französisch gestellten Fragen teilweise nicht mal. Ein Westschweizer Journalist bringt es auf den Punkt: «Hansjörg Walters Französischkenntnisse sind nicht schlecht. Sie sind schlicht inexistent.»

Walter selbst empfindet den Makel als «Manko». Parlamentskollegen sind weniger zurückhaltend: «Als Bundesrat sollte man gewisse Kenntnisse der beiden verbreitetsten Landessprache aufweisen können», sagt Dominique de Buman, CVP-Nationalrat und Präsident der Vereinigung Helvetia Latina, die sich für die «kulturelle und sprachliche Pluralität in der eidgenössischen Verwaltung» einsetzt.

Bei der internen Nominierung des Bauernverbandspräsidenten waren dessen mangelhaften Sprachkenntnisse kein Thema, bestätigt Nationalrat und SVP-Vizepräsident Yvan Perrin. «Wenn wir mehrere gleichwertige Kandidaten gehabt hätten, wäre mir natürlich einer lieber gewesen, der besser Französisch spricht. Aber hier war der Fall klar.» Schlechtere Wahlchancen habe sein Parteikollege wegen seiner fehlenden Französischkenntnisse nicht, glaubt Perrin. Vor drei Jahren sei er ja auch fast Bundesrat geworden.

Geringschätzung der Romandie?

Für CVP-Mann de Buman ist der Fall Walter symptomatisch für die Geringschätzung der Romandie innerhalb der SVP: «Mit der Nominierung von Jean-François Rime wollen sie uns zu verstehen geben, dass sie eine nationale Partei ist. Aber es schleckt keine Geiss weg, dass sie von der Deutschschweiz dominiert ist.» Guy Parmelin, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Waadt, will davon nichts wissen: «Unsere Partei ist im Wandel. Die welschen Stimmen werden bereits viel stärker wahrgenommen.»

Wird Walter gewählt, könnten Bundesratssitzungen schnell kompliziert werden – im Regelfall drückt sich jedes Mitglied in seiner Muttersprache aus. Müssten die Sitzungen für Walter dann simultan übersetzt werden? Thomas Abegglen von der Bundeskanzlei winkt ab: «Das wäre nur schon aufgrund der Vertraulichkeit kaum vorstellbar.» Die Bundesräte lösten allfällige Verständnisprobleme entweder aufgrund der Unterlagen schon vor der Sitzung oder während der Sitzung untereinander.

Freysinger empfiehlt Saint-Exupéry

Walter wäre nicht der erste Bundesrat, dessen sprachliche Fähigkeiten es zum Zeitpunkt der Vereidigung kaum schafften, den tiefen Röstigraben zu überqueren. Micheline Calmy-Reys Deutschkenntnisse waren anfangs ziemlich medioker, auch Eveline Widmer-Schlumpf und insbesondere Ueli Maurer drückten sich nur ungern auf Französisch aus. Ihre mittlerweile beträchtlich gesteigerten Kenntnisse lassen darauf schliessen, dass sie wohl Nachhilfestunden genommen haben.

Dies würde auch Hansjörg Walter blühen. Dieser erachtet seine fehlenden Französischkenntnisse auf Anfrage als Handicap, er sei aber gewillt, seine Lücken mit Sprachunterricht zu schliessen - wenn er tatsächlich in den Bundesrat gewählt würde. «Dann hätte ich ja Zeit, weil ich dann nicht mehr bauern muss», lacht der 60-Jährige. Für einen ersten Privatlehrer müsste er nicht mal weit suchen. Parteikollege Oskar Freysinger, perfekt zweisprachig und mit Lehrerdiplom in der Tasche, bietet Walter seine Dienste gerne an: «Wir würden erst mal eine Bestandesaufnahme machen und danach Grammatik und Vokabeln üben.» Als pädagogisch wertvolle Weihnachtslektüre empfiehlt der Walliser seinem Parteikollegen, der vielleicht schon am Mittwoch zum Bundesrat gewählt wird, einen Klassiker: «Le Petit Prince» von Antoine de Saint-Exupéry.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex Keller am 13.12.2011 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Abschätzigkeit

    Angenommen er wäre hätte eine Schwäche im Erlernen von Fremdsprachen, würden Sie denn auch so abschätzig hier schreiben? Gerade Linke, die angeblich sozial sein sollen, sollten doch auch hier sozial sein. Darf nicht jeder die Chance haben? Auch wenn er eine Schwäche in einem Gebiet hat, kann er dennoch ein guter Bundesrat sein!

  • Hans Wettstein am 12.12.2011 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    2 bis 3 Landessprachen + Englisch

    2 bis 3 Landessprachen plus Englisch mündlich und schriftlich obligatorisch. Ein 60-jähriger lernt das nicht mehr von heute auf morgen, geschweige denn neben einem 150%-Job.

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  • Christof Brunner am 12.12.2011 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Untauglich

    Ein Bundesrat sollte schon mindestens Französisch oder Italienisch können, von einem französisch Sprachigen verlangt man ja auch, dass er Deutsch kann. Es ist zu befürchten, dass er es dennoch schafft

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Isekream am 14.12.2011 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Prinzip

    Es geht hier um keine Partei, Verband, Verein oder sonstwelchigen Etiketten, es geht ganz einfach darum, dass man von einem Bundesrat mind. erwarten kann zwei Landessprachen zu sprechen, oder mind. die zweite Sprache zu verstehen. Dies wird in der Schule und in der Wirtschaft in der heutigen Zeit einfach erwartet, so muss man dies sicherlich von einem Bundesratskandidat im Mindesten erwarten können. Vor allem da er das Schweizer Volk im Inland wie auch Ausland repräsentiert und seine sprachlichen Fähigkeiten sich mit der eines 6. Klässlers decken sollten.

  • Paul Stettler am 14.12.2011 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Linke Wendehälse

    Als es gegen die SVP ging waren die fehlenden Französischkenntnisse kein Problem!

  • I. Zimmermann am 14.12.2011 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Walter in den Bundesrat!

    Herr Walter ist mit Abstand der sympatische SVPler. Nicht jeder hatte die Chancen, als Jugendlicher Sprachen zu lernen, heute ist das Standart. Wenn die Sprachkenntinsse das einzige Defizit ist, dann kann kein besserer Mann gewählt werden!

  • Alex Keller am 13.12.2011 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Abschätzigkeit

    Angenommen er wäre hätte eine Schwäche im Erlernen von Fremdsprachen, würden Sie denn auch so abschätzig hier schreiben? Gerade Linke, die angeblich sozial sein sollen, sollten doch auch hier sozial sein. Darf nicht jeder die Chance haben? Auch wenn er eine Schwäche in einem Gebiet hat, kann er dennoch ein guter Bundesrat sein!

  • Rudolf Sommer am 13.12.2011 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Na, ja und?

    Wer nichts wird, wird Wirt (sorry Wirte) und ist ihm auch das nicht gelungen, reist er mit Versicherungen und ist er da auch nicht gefragt, wird er halt noch Bundesrat!