Schwere Vorwürfe

04. Oktober 2013 14:14; Akt: 07.10.2013 15:33 Print

Hat die UBS Devisenkurse manipuliert?

von Lukas Hässig - Die Finma führt eine Untersuchung gegen Banken wegen möglicher Währungsmanipulationen durch. Im Fokus steht auch die UBS. Die Bank hat in diesen Tagen zwei Chefhändler entlassen.

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Kommt auf die UBS der nächste Skandal zu? (Bild: Keystone)

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Die UBS kann sich nur schwer von den Schatten der Vergangenheit befreien. So wie bei früheren Skandalen ist die Grossbank auch im jetzt anlaufenden Skandal um mögliche Manipulationen mit Fremdwährungen an vorderster Front dabei. Das wurde am Freitag klar, als die Finanzmarktaufsicht Finma eine Untersuchung gegen Schweizer Banken bekanntgab.

Die Ermittlungen der Schweizer Behörden sind Teil einer viel grösseren Untersuchung von Vorkommnissen rund um mögliche Devisenkurs-Manipulationen, die im Juni bekannt geworden waren, hierzulande aber kaum beachtet wurde. Bereits damals waren Aufsichtsämter in London am Abklären.

UBS im Fokus

Nicht klar war damals, welche Banken von den Abklärungen betroffen sind. Nun zeigt sich, dass es unter anderen um die UBS geht. Die Bank wird zwar von der Berner Aufsicht Finma nicht namentlich genannt. Doch es gibt wenig Zweifel daran, dass es einmal mehr die grösste Schweizer Bank ist, die bei Unregelmässigkeiten im Handelsgeschäft mit im Spiel war. Die UBS lehnte auf Anfrage jegliche Stellungsnahme ab.

Tatsache ist: Vor wenigen Tagen wurden zwei hochrangige UBS-Devisenhändler auf die Strasse gesetzt. Es handelt sich um den Chef des Spothandels der Schweizer UBS-Investmentbank, die ihren Sitz in Zürich-Glattbrugg beim Flughafen hat. Beim zweiten Entlassenen geht es um einen Chef-Trader in der UBS-Investmentbank in Stamford an der amerikanischen Ostküste. Dort unterhält die Grossbank ein riesiges Trading-Zentrum. Mit Spothandel ist der Handel von Devisen gemeint, bei dem Kauf und Verkauf sofort passieren und der momentan geltende Kurs genommen wird; dies im Unterschied zu Termingeschäften.

Entlassene Trader waren seit 19 Jahren bei der UBS

Die beiden Entlassungen sind offenbar die Folge einer UBS-internen Untersuchung. Beide Händler tragen den Titel von Managing Directors, das ist die zweithöchste Hierarchiestufe. Die beiden UBS-Manager arbeiteten laut Angaben auf der Social-Media-Plattform LinkedIn, wo sich viele Berufsleute präsentieren, seit 1994 bei der Grossbank. Laut einer Quelle gilt der entlassene Devisenchef in Zürich-Glattbrugg als ein sehr erfahrener und erfolgreicher Trader.

Der mögliche Betrug mit Devisenkursen könnte eine grosse Dimension annehmen. Beim globalen Devisen-Trading handelt es sich um den mit Abstand grössten Markt in der Finanzindustrie. Täglich werden Währungsgeschäfte im Umfang von mehreren Billionen Dollar getätigt. Bislang ging man angesichts dieser Grösse und der entsprechend hohen Liquidität im Markt davon aus, dass die Kurse von stark gehandelten Währungen wie Euro, Dollar, Pfund und Franken nicht durch Abmachungen unter Händlern in eine gewünschte Richtung gesteuert werden könnten.

Devisendeals laufen unter den Banken ab

Doch die Manipulationen des Zins-Leitsatzes Libor zeigten, dass scheinbar Undenkbares in der Finanzindustrie sehr wohl möglich ist. Die Behörden in England und jetzt auch in der Schweiz gingen jedenfalls Hinweisen aus dem Devisenmarkt nach, wonach Trader grosser Banker unter Ausnützung ihres Insiderwissens sich und ihr Institut bereichern könnten, und zwar zulasten der Kunden. Das war insofern vorstellbar, als dass der grösste Teil des Devisengeschäfts nicht über regulierte Börsen läuft, sondern die Banken die Währungen untereinander kaufen und verkaufen.

Bei den Manipulationsvorwürfen geht es um eine von anderen Märkten her bekannte Praxis. Die involvierten Banker versuchen, die Devisenkurse genau in der Zeitspanne zu steuern, in der ein Durchschnittskurs bestimmt wird, der dann für alle Kunden gilt. Sie können dies tun, weil sie im Voraus wissen, welche Deals sie in der erwähnten Zeitspanne für ihre Kunden tätigen werden.

Wenn ein Trader eine Stunde im Voraus weiss, dass er für Kunden eine Währung im grossen Stil verkauft, dann kann er einen Verkauf in genau gleicher Höhe ganz wenig früher auf eigene Rechnung ausführen. Dann muss er nur noch dafür sorgen, dass danach der Kurs ein kleines bisschen sinkt. Jetzt schliesst er seine offene Position, indem er dem Kunden die Dollars oder Euros zum tieferen Kurs abgekauft. Die Differenz landet auf dem Konto der Bank respektive des Händlers. Weil es oft um sehr hohe Beträge geht, genügen Kursdifferenzen von Bruchteilen von Cents oder Rappen, um Gewinne im sechs- oder siebenstelligen Bereich zu erzielen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Failcompilation 726 am 04.10.2013 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Too big too Fail, right too be bad?

    Das sieht man wie rücksichtslos Machtpositionen missbraucht werden...und wenn wir alles was da wirklich passiert wüssten, dann gäbe es wohl einen "kleinen" Aufstand...

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  • Einfach so am 04.10.2013 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Welche Überraschung

    Dass man solche Manipulationen erst jetzt anspricht, erstaunt mich schon. Erwartet habe ich diese schon sehr lange. Was wird die Konsequenz sein? Eine hohe Busse aus Amerika. Die Finma lässt sich üblicherweise mit einer schriftlichen Erklärung der Bank beruhigen, dass diese ihr internes Kontrollsystem anpassen wird. Und die Kunden, welche Opfer der Manipulation wurden, sehen keinen Rappen. So ist allen gedient :-((

  • Gauner am 04.10.2013 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Was haben die nicht manipuliert?

    Der "normale" Bankmitarbeiter ist der Depp, die anderen kassieren ab und ab. Stehen dann kurz auf der Strasse und dann lockt ein neuer gut bezahlter Job auf einer anderen Bank. Die Stellen die abgebaut werden durch diese Leute trieft dann die normalen Banker. Die dürfen dann sich arbeitslos melden und stehen dann noch schlecht da für Sachen die sie nie gemacht haben. Aber Hauptsache mir geht es gut, gäll liebe Bänker.

Die neusten Leser-Kommentare

  • KeinIdiot am 04.10.2013 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reiner Populismus

    Dieser Artikel ist an Populismus und am Mangel an Stichhaltigkeit kaum zu übertreffen: 1) Die UBS wird von der Finma nicht explizit erwäht. Die Anschuldigung grenzt also an Verleumdung. 2.) "Dann muss er nur noch dafür Sorgen, dass der Kurs etwas sinkt." - In einem Markt mit Milliarden von Akteuren und Billionen Dollars/CHF/Euros ist das kein leichtes, falls überhaupt machbares, Unterfangen. Fazit: Die dumme Masse lässt sich einmal mehr Spekulationen als Fakten verkaufen und bildet sich darauf basierend ihre - fragwürdige - Meinung.

    • Peter Meier am 04.10.2013 16:45 Report Diesen Beitrag melden

      Doch, UBS ist wieder dabei

      Ach ja, arbeiten Sie bei der UBS? Die UBS hat soeben zwei Kaderleute fristlos entlassen, warum wohl. Lesen Sie mal die Details bei Insideparadeplatz. Dort steht alles.

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  • r. olfino am 04.10.2013 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar mit den Kleinen wird verdient

    Jedes Mal, wenn wir einen fünf- oder sechsstelligen $-Betrag in CHF tauschen, erhalten wir den tiefsten Tageskurs. Wenn nicht manipuliert würde, bekämen wir auch einmal einen Kurs in der oberen Schwankung des Tages. Ich behaupte: Meine wenigen $ werden mir tiefst vergütet und mit anderen Kleinen gepoolt, um dann mit einer grösseren Summe auf eigene Rechnung zu handeln. Auch umgekehrt: Wir müssen immer den höchsten Tageskurs bezahlen, wenn wir $ kaufen müssen....

  • Chv am 04.10.2013 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die unendliche Geschichte

    Etwas neues gefunden um die Schweiz kaputt zu machen. Man könnte meinen die Schweiz und ihre Banken seien der einzige Sündenpool auf der Welt.Und die Suche geht weiter.

  • Einfach so am 04.10.2013 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Welche Überraschung

    Dass man solche Manipulationen erst jetzt anspricht, erstaunt mich schon. Erwartet habe ich diese schon sehr lange. Was wird die Konsequenz sein? Eine hohe Busse aus Amerika. Die Finma lässt sich üblicherweise mit einer schriftlichen Erklärung der Bank beruhigen, dass diese ihr internes Kontrollsystem anpassen wird. Und die Kunden, welche Opfer der Manipulation wurden, sehen keinen Rappen. So ist allen gedient :-((

  • l.a01 am 04.10.2013 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schade...

    Es ist schade, dass die UBS immer wieder in solche Skandale verwickelt ist. Dies wirft einen schlechten Eindruck auf den Finanzplatz Schweiz. Bedauernswert für die anderen Banken, da immer alle in einen Topf gesteckt werden.

    • Dani S. am 04.10.2013 15:54 Report Diesen Beitrag melden

      Verantwortung

      Ich bin sicher, die hochbezahlten TopManager der UBS, die ja wegen Ihrer grossen Verantwortung solch grosse Saläre bekommen, werden Ihre Verantwortung auch wahrnehmen und Konsequenzen ziehen. Ja, da bin ich mir sicher. Ganz, ganz sicher.

    • Jack White am 04.10.2013 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      Alle Infos ?

      2 Wurden ja schon entlassen, und das waren keine kleinen Fische...

    • mike04 am 04.10.2013 16:27 Report Diesen Beitrag melden

      Bericht lesen..

      @Dani S 2 wurden schon entlassen, wenn man den Bericht gelesen hätte. Über die Saläre lässt sich streiten. Klar, dass diese teilweise zu hoch sind. Aber wie gesagt, es werden alle in einen Topf geworfen! Ich als "Füdlibürger" arbeite auch auf einer Bank. Habe einen Salär von um die 4'000 Franken. Also hört auf mit der Aussage Banker = Gauner!

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