Food Waste

29. April 2019 10:31; Akt: 29.04.2019 12:23 Print

Haushalte werfen 1 Million Tonnen Lebensmittel weg

Lebensmittel, die hergestellt, aber nicht konsumiert werden, belasten Boden, Wasser und Klima. Eine neue Studie zeigt, wie viel Food Waste Schweizer Haushalte produzieren.

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In der Schweiz fallen jährlich 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittelverluste an. Eine Million Tonnen geht auf das Konto der Haushalte. Rund die Hälfte davon wäre vermeidbar. Das entspricht jährlich 60 Kilogramm an vermeidbarem Lebensmittelabfall pro Person.

Von den 2,6 Millionen Tonnen, die insgesamt auf dem Weg von der Ernte bis auf den Teller verloren gehen, sind insgesamt zwei Drittel vermeidbare Verluste. Die Lebensmittel wären zum Zeitpunkt ihrer Entsorgung und bei rechtzeitiger Verwendung geniessbar.

190 Kilo geniessbare Lebensmittel verloren

Pro Person gehen in der Schweiz somit jedes Jahr rund 190 Kilogramm geniessbare Lebensmittel verloren. Von den 1,7 Millionen Tonnen vermeidbaren Lebensmittelverlusten fallen rund 43 Prozent in der Lebensmittelindustrie und 28 Prozent in privaten Haushalten an.

Diese Zahlen hat das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Montag veröffentlicht. Es erhebt seit 2013 Daten über Lebensmittelabfälle. Insgesamt wurden fünf Studien erstellt; ein Teil der Ergebnisse ist bereits früher publiziert worden. Bisher unveröffentlicht waren die Ergebnisse zur Landwirtschaft und zu den Haushalten.

Unzweckmässige Lagerung

In der Landwirtschaft fallen jedes Jahr 225'000 Tonnen Lebensmittelverluste an. Dabei handelt es sich um Ernterückstände oder Ernteausschüsse. Mit technischen oder organisatorischen Massnahmen wäre es laut dem Bafu möglich, rund 90 Prozent der Abfälle zu vermeiden - also rund 200'000 Tonnen.

Gründe für die Verluste sind geltende Industrienormen nachgelagerter Branchen sowie technische Bedingungen und unzweckmässige Lagerung. Nur gerade 2000 Tonnen - 1 Prozent der Verluste - werden in der Abfallwirtschaft thermisch zu Elektrizität und Wärme verwertet. Der Rest wird als Dünger oder Bodenverbesserer auf den Feldern ausgebracht oder an Tiere verfüttert.

Vieles landet im Kehricht

Von der Million Tonnen Lebensmittelabfällen der Haushalte landen 480'000 Tonnen im Kehricht und werden verbrannt. Rund 170'000 Tonnen werden gesammelt und zu Recyclingdünger oder Biogas verwertet. Die restlichen knapp 350'000 Tonnen werden entweder kompostiert oder an Tiere verfüttert.

Für die hohe Menge an Food Waste in Haushalten gibt es laut dem Bafu zwei Gründe. Zum einen würden die Menschen Abfälle zu wenig als solche erkennen. Zum anderen sei die Wertschätzung von Lebensmitteln gering. Ausserdem fehle es an Wissen über die Haltbarkeit und Lagerung von Lebensmitteln sowie Ideen zur Resteverwertung.

Gemäss einer Studie hilft eine gute Infrastruktur für Grünabfälle, den Food Waste der Haushalte bedeutend zu vermindern. Durch die separate Sammlung in den Haushalten werden die eigenen Lebensmittelabfälle besser wahrgenommen.

Industrie mit hohem Anteil

In der Lebensmittelindustrie fallen Verluste von rund 950'000 Tonnen an. Davon sind 715'000 Tonnen vermeidbar. Beim Rest handelt es sich um nicht geniessbare Bestandteile oder Speisereste ohne Konsumentennachfrage wie beispielweise Schälabfälle. Der grösste Teil der Verluste wird an Tiere verfüttert und bleibt somit im Kreislauf der Nahrungsmittelproduktion.

Auf das Konto der Gastronomie gehen rund 290'000 Tonnen Lebensmittelabfälle. Das entspricht rund 124 Gramm pro Mahlzeit, die sich aus Rüstabfällen und Speiseabfällen zusammensetzen. Rund 200?000 Tonnen pro Jahr wären vermeidbar.

Der Detailhandel schliesslich ist für 100'000 Tonnen Lebensmittelabfälle verantwortlich, wovon 95 Prozent vermeidbar wären. Der Grossteil dieser Abfälle entfällt auf die Kategorie «nicht verkaufte Lebensmittel».

Aktionsplan bestellt

Die Analysen seien eine wichtige Grundlage zur Erarbeitung von Reduktionszielen für Food Waste, schreibt das Bafu. Lebensmittel, die hergestellt, aber nicht konsumiert würden, belasteten Boden, Wasser und Klima.

Die Agenda 2030 der Uno für eine nachhaltige Entwicklung sieht eine Reduktion der Lebensmittelverschwendung vor. Die Schweiz hat sich verpflichtet, bis 2030 die Lebensmittelabfälle pro Kopf auf Einzelhandels- und Konsumentenebene zu halbieren. Auch entlang der Produktions- und Lieferkette sollen die Verluste verringert werden.

In der Frühjahrssession hat das Parlament den Bundesrat beauftragt, einen Aktionsplan gegen die Lebensmittelverschwendung zu erarbeiten. Die Bafu-Studien sollen die Basis für Lösungsansätze bilden, ergänzt durch Gespräche mit den betroffenen Branchen und Verbänden.

(scl/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rest-Ess-Bar am 29.04.2019 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wieviel werfen die Läden weg?

    Interessant wäre auch zu erfahren, wieviel noch essbare Frischwaren von den Lebensmittelläden weggeworfen werden? Die grossen Ladenketten wollen den Rest-Ess-Bars ja nichts spenden, sie werfen gutes Essen lieber in die Mülltonne oder geben sie an einen Biogashersteller!

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  • Anja am 29.04.2019 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Woher wollen die wissen, wieviel Kg Lebensmittel jeder in der Schweiz lebende Mensch wohin entsorgt? Durchsuchen diese Experten jeden Müll?

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  • Phil am 29.04.2019 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch!!!!

    Soooo e Quatsch Studie. in mim Huushalt, wird alles gässe. Wird nur soviel kauft, was es bruucht für 1 Wuche.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sebomir am 01.05.2019 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ohaa das Klima

    Es ist ein Fluch, was der Mensch insgesamt an Nahrungsmitteln in die Tonne schmeisst. Doch was hat das Klima bei diesem Thema zu suchen wenn es weiterverarbeitet wird? Was ist aus unserer Gesellschaft geworden, dass alle hinterher rennen ob es das Thema Klima und anderweitige Themen sind? Das Klima hat sich immer verändert seitdem die Erde existiert. Was kann ich als Bürger gegen das Klima tun, wenn es von Oben so gewollt ist? Nichts, deswegen frage ich mich auf welchem absteigenden Ast sich die Menschheit bewegt. Das sind die Früchte, weil der Mensch nicht dem die Ehre erweist der ihn erschuf

  • schirna am 01.05.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    ja so ist es

    Aue jeder fall viel zufiel! das ist sicher und es gibt das Tischleindeck dich ! die sind froh über alles was sie bekommen können. Das können die Sozial Schwächeren Menschen günstig einkaufen. Alles was noch gut ist gehört da hin. Und die Mühe dürfen sich die Firmen alle machen! Sole man meinen!

  • Marilyn Müller am 30.04.2019 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles Grosspackungen

    es wird bei den Grossverteilern, besonders Fleisch und Fleischprodukte nur noch in Grossverpackungen als Aktion verkauft und zwar billiger als die kleineren Portionen. wer braucht um Gottes Willen 8 Paar Wienerli oder auch 6 Berliner. Wird nicht alles gegessen so landet es oft im Chübel. Z.B. auch abgepackter Fleischkäse geschitten 200gr. das ist 1. nicht gesund und ist schnee schmierig. Schön wäre es, man könnte alles wieder offen an der Theke posten.

  • Studi Studiosus am 30.04.2019 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Hurra eine neue Studie

    Ja- UND, was geschieht nun konkret mit dieser Studie? Wirklich interessant wäre einmal eine Studie, die aufzeigt, wie viel Geld für Studien ausgegeben wird, die anschliessend nie für irgendetwas Zweckmässiges genutzt werden....Vielleicht gibt es ja folgenden Zusammenhang: je mehr materieller Wohlstand, desto mehr Studien werden erstellt!?

  • Pille am 30.04.2019 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Titel

    Wenn wir im Haushalt so viel wegwerfen würden, wäre ein Abfall Sack oder der der Kompost jede Woche nur voll Lebensmittel.

    • Jörg Frei am 01.05.2019 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pille

      genau und mit diesen fakebericht wollen sie uns schlechtes gewissen einreden

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