Regen, Hagel, Blitze

02. Mai 2013 20:33; Akt: 03.05.2013 10:48 Print

Heftiges Gewitter zieht über die Schweiz

Hagel und Gewitter sorgen für zum Teil chaotische Szenen in der Schweiz. Zeugen berichten von Ping-Pong-Ball-grossen Körnern und Weltuntergangsstimmung.

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In Beggigen/SH verwandelten die starken Niederschläge Quartierstrassen zu Sturzbächen. (3.5.2013) Zahlreiche Keller wurden in der Region Schaffhausen geflutet und mussten von der Feuerwehr ausgepumpt werden. (3.5.2013) Auch das Fricktal hatten die schlammigen Fluten fest im Griff. (3.5.2013) Vor dem Werkhof in Bäretswil ZH macht sich am 3. Mai die Feuerwehr für einen Einsatz bereit. In einer nahe gelegenen Firma, die Filter für Schutzmasken herstellt, hat beim gestrigen Unwetter die Wucht der Wassermassen Türen aufgedrückt. Das Regenwasser, das mit chemischen Substanzen in Kontakt kam, wird nun von Experten des Kantonalen Amtes für Wasser, Energie und Luft (AWEL) abgepumpt und fachgerecht entsorgt. Personen kamen keine zu Schaden. Für die Anwohner bestand nie eine Gefahr. Das Gewitter zog von Genf nach Bern und weiter bis nach Winterthur und Schaffhausen. Auch der Thurgau blieb nicht verschont, wie dieses Bild aus Deitighofen zeigt. (2.5.2013) Auch in Schaffhausen entlud sich das Gewitter und hinterliess in so manchen Vorgärten sichtliche Spuren. (2.5.2013) Zwar in Schaffhausen, aber mit dem Rheinfall hat das nichts zu tun: Wassermassen stürzen von einer Brücke auf die Strasse. (2.5.2013) In Cully/VD in der Nähe von Lausanne kämpfen die Autos auf überfluteten Strassen. (2.5.2013) In Schinznach Bad ist es gemäss eines Lesers zu einem Erdrutsch gekommen, die Strassen seien grossflächig mit Steinen übersät. (2.5. 2013) Auch in Riex/VD und Grandvaux/VD am Genfersee nahmen die Autos ein unfreiwilliges Bad. Doch auch von Hagelschlag blieb die Romandie nicht verschont, wie hier in Meyrin/VD. Oder in Prévessin, wo Hagelkörner ganze Strassenzüge bedeckten. In Steffisburg/BE hagelte es während zwanzig Minuten Hagelkörner, teilweise "so gross wie Fünfliber-Münzen", wie ein Lesereporter berichtet. Was dieser Lesereporter hier präsentiert, prasselte gegen 16:30 Uhr während rund 20 Minuten auf Thun nieder. (2.5.2013) So auch in Seftigen bei Thun. Dort wechselten sich währed einer halben Stunde gegen 16:30 Uhr Schauer von kleinen und grossen Hagelkörnern gegenseitig ab, wie Lesereporter Sven Hurni berichtet. (2.5.2013) Hagel bedecken auch in der Westschweiz die Strassen. (2.5.2013) So auch in Coppet/VD bei Nyon. (2.5.2013) Aber auch in Seftigen bei Thun waren manche Bewohner angehalten, nochmals die Schneeschaufel hervorzuholen, um ihre Terrasse zu räumen. (2.5.2013) Wer sein Auto nicht rechtzeitig in Sicherheit brachte, fand sein Auto von Hagelkörnern bedeckt wieder, wie hier in Prévessin/VD am Lac Léman. (2.5.2013) In Wattenwil/BE bei Thun war an ein Vorankommen per Auto nicht mehr zu denken (2.5.2013). Auch am Bahnhof Winterthur prasselte der Hagel nieder. (2.5.2013) Und in Schaffhausen verursachten die starken Niederschläge ein kleineres "Verkehrschaos", wie eine Lesereporterin berichtet. Auch am Zürcher Hauptbahnhof holten sich die Pendler nasse Füsse. (2.5.2013) Die Unterführung des Bahnhof Wetzikon im Zürcher Oberland stand so tief unter Wasser, dass die Feuerwehr ausrücken musste. (2.5.2013) Beim Bahnhof Wetzikon rückte die Feuerwehr mit vier Löschfahrzeugen aus, um Wasser der gefluteten Bahnhofunterführung abzupumpen. (2.5.2013) In Esslingen/ZH versinkt ein Kreisel unter den Wassermassen (2.5.2013) Auch das Zürcher Quartier Schwamendingen steht unter Wasser. (2.5.2013) In Schaffhausen wurde ein Tierheim überschwemmt. Nicht alle Tiere konnten rechtzeitig in Sicherhiet gebracht werden und ertranken. (2.5.2013)

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Gewaltiges Donnergrollen kündigte an, was kurze Zeit später in schlammigen Sturzbächen auf Autostrassen und von Hagelkörnern übersäten Vorgärten endete. Quer durch die Schweiz, von Genf, bis Bern, Zürich und Schaffhausen wüteten schwere Gewitter. Es hagelte und schüttete wie aus Kübeln.

Starke Regenfälle überschwemmten Strassen in vielen Westschweizer Orten. Die Innerschweiz wurde vor allem von heftigen Hagelschlägen überrascht. Diese dauerten zeitweise bis 20 Minuten an und bedeckten Strassen und Gärten teilweise mit Ping-Pong-Ball-grossen Hagelkörnern.

Starke Gewitter wegen «instabiler Luft»

Der Meteorologe Ludwig Zraggen von Meteo Schweiz erklärt, wie es zu solch starken Niederschlägen mit derart grossen Hagelkörnern kommen kann. Grund für die gegenwärtige Wetterlage seien im Prinzip zwei Phänomene: Einerseits befindet sich in Bodennähe «gealterte Luft», die sehr feucht ist und sich durch die Sonneneinstrahlung besonders über dem Jura und den Voralpen tagsüber aufheizt. Durch das Aufheizen werde die Atmosphäre «instabil»: die bodennahe Luft beginne aufzusteigen. «Beim Aufsteigen kühlt sich die Luft ab, damit kommt es zur Wolken- und Niederschlagsbildung», erklärt Zgraggen.

Da das Aufsteigen infolge der «instabilen Luft» sehr rasch erfolge, komme es zu heftigen, gewittrigen Niederschlägen. Die starken Aufwinde sind es auch, welche die Eiskörner eine gewisse Zeit in der Atmosphäre halten, bevor sie zu Boden fallen. Je stärker der Aufwind ist, desto grösser kann auch ein Hagelkorn werden.

«Weltuntergangsstimmung» und «Weisse Wand»

Zahlreiche Leser-Reporter berichten, wie sie die starken Unwetter hautnah miterlebten. «Gegen 16 Uhr wurde es plötzlich gespenstig ruhig. Dann fing es an zu regnen und hagelte schliesslich 15 Minuten durch», sagt ein Leser-Reporter aus Thun. Die Strassen seien wie leer gefegt gewesen. «Niemand hat sich noch vor die Haustür getraut».

Ein Leser-Reporter aus Seftingen in der Nähe von Thun, erinnerten die zehn Minuten Hagel an «Weltuntergangsstimmung». Einzigartig sei die Abfolge der verschiedenen Niederschlagsarten gewesen: «Erst hagelte es kleine Körner, dann wuchsen sie 2-Zentimeter-Kugeln an. Schliesslich folgte ein dichter Regen von Minikörnern.»

Im benachbarten Steffisburg musste der Landschaftsgärtner und Leser-Reporter Sam Veyre am späten Nachmittag mit seinen Arbeitskollegen regelrecht ins Auto flüchten. «Ein paar Donner kündigten die ‹weisse Wand› an, die danach extrem schnell anrollte», sagt er. «Fünfliber-grosse Hagelkörner trommelten während 20 Minuten auf unser Auto ein, das nun sichtlich zerbeult ist», sagt er.

Das Gewitter zog weiter

Das Unwetter würde auch noch das Mittelland erreichen, so Zgraggen, denn «in grösserer Höhe gibt es eine Südwestströmung. Die in den Voralpen gebildeten Gewitterzellen laufen infolgedessen ins Flachland hinaus», erklärt er. Dort werde es aber voraussichtlich nicht mehr derart stark wüten. «Da in der Nacht die bodennahe Luftschicht wieder abkühlt, geht auch die Gewitteraktivität wieder zu Ende», so Zgraggen.

Zumindest Hagel gab es in der Region Zürich am Abend kaum mehr - dafür umso heftigere Regenfälle. In Zürich, Winterthur und Schaffhausen schüttete am Abend bis etwa 22 Uhr fast ohne Unterbruch. In der Erkerstadt gar derart heftig, dass Autostrassen überschwemmt wurden und die Behörden den Notstand ausriefen. Innerhalb einer Stunde wurden dort gemäss MeteoNews rund 50 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Zum Vergleich: im gesamten Mai fallen dort normalerweise knapp 90 Liter Regen pro Quadratmeter.
Zahlreiche Lese-Reporter-Videos zeigen die prekären Umstände, unter denen sich Autofahrer in der Region Schaffhausen mühsam durch die Fluten kämpfen.

Umgekippte Heizöl-Tanks in Zürich

So auch in der Stadt Zürich. Dort war die Feuerwehr im Grosseinsatz. «Unsere Einsatzzentrale wurde auf das Maximum hochgefahren, wir haben sämtliches Personal aufgeboten, das wir mobilisieren konnten», sagt Tabea Rüdin, Sprecherin von Schutz & Rettung Zürich. In der Zentrale, die neben dem Kanton Zürich auch Schaffhausen und Schwyz abdeckt, seien mehrere hundert überlaufene Keller gemeldet worden. Allein aus dem Kanton Zürich seien
bis am Freitagmorgen um 6 Uhr 1390 Feuerwehr-Notrufe eingegangen. Die Feuerwehren hätten in der Nacht auf Freitag bereits 546 Einsätze geleistet. 235 Einsätze davon erfolgten in der Stadt Zürich. Dort In der Stadt Zürich sind aufgrund der Wassermassen zudem Heizöltanks umgekippt. Wegen dem ausgelaufenen Öl wurde in der Limmat eine Ölsperre errichtet und das AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) aufgeboten.

Überschwemmte Unterführungen im Zürcher Oberland


Auch über dem Zürcher Oberland entlud sich das Gewitter in aller Heftigkeit. Am S-Bahnhof in Wetzikon im Zürcher Oberland musste die Feuerwehr mit "vier Löschfahrzeugen" ausrücken, um die Wassermengen der gefluteten Unterführung zu kontrollieren, wie ein Leser-Reporter berichtet. Und auch in Zürcher Bauma bahnen sich auf einem Leser-Reporter-Video reissende schlammbraune Bäche ihren Weg durch das Dorf. Ein Bild aus Esslingen/ZH zeigt, dass ein überschwemmter Kreisel für Autofahrer kaum mehr passierbar geworden ist.

Rund fünf Millionen an Gebäudeschäden im Kanton Zürich

Die dadurch im Kanton Zürich entstandenen Schäden sind derzeit schwer zu beziffern. Laut Christian Caduff, dem Sprecher der Kantonalen Gebäudeversicherung (GVZ),sind bei der GVZ derzeit 300 Meldungen wegen Gebäudeschäden eingegangen. «Wir rechnen allerdings mit insgesamt rund eintausend Meldungen und kumulierten Schäden von rund fünf Millionen Franken», sagt Caduff.

Die nächsten Tage wird es nass, kalt und gewittrig bleiben. Schon am Freitag sind gemäss MeteoNews wieder ähnlich starke Niederschläge möglich.



Videos: Lese-Reporter

(hit/lüs/sda)


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andreas E. am 03.05.2013 00:04 Report Diesen Beitrag melden

    Tierheim überschwemmt

    In Schaffhausen wurde das Tierheim überschwemmt. Leider sind einige Tiere ertrunken.

  • binbin am 02.05.2013 23:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tierheim unter wasser

    hoffentlich gehts den tieren gut vom tierheim...

  • Cyril am 02.05.2013 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sommerregen

    Es gibt nix schöneres als im Bett zu liegen wenn es Blitz und Donnert und dazu noch das Geräusch vom prasselnden Regen :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • evelyne am 03.05.2013 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schönstes Wetter in den USA

    Phu das sieht ja teilweise ziemlich heftig aus. Hier in den USA herrscht seit 2 Wochen das schönste Wetter, ein bisschen Regen würde da ganz gut tun.

  • MergimMuzzafer am 03.05.2013 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Teure Investitionen nötig

    Und dann soll mir einer kommen und behaupten, der Mensch habe die Natur unter Kontrolle...haha jaja man sieht's. Die Schweiz wird in den nächsten Jahren Massiv in Unwetterbekämpfung, Überschwemmungsprävention und Hangsicherung investieren müssen, um die Folgen solcher Ereignisse im Rahmen zu halten, denn mit dem Klimawandel werden Gewitter häufiger und extremer. Also viel Spass!

    • 0815 Kommentarbasher am 03.05.2013 13:24 Report Diesen Beitrag melden

      Danke, Captain Obvious

      Ich habe noch nie jemanden getroffen oder gehört, der behauptet hat das der Mensch die Natur unter Kontrolle hat. Aber Danke für diesen geistreichen Kommentar, schliesslich sind sie Teil des Problems...

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  • Aargauerin am 03.05.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Glück hatten wir hier...

    Hier in Zofingen hat man nicht viel mitgekriegt von dem Unwetter... da hatten wir Glück. Mit tut es leid für die armen Tiere die sterben mussten. Leider stehen nirgends Angaben wohin man spenden kann... Bank- oder Postangaben... könnte 20 Minuten noch nachliefern.

  • Eva.53 am 03.05.2013 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    40 % Zerstörung in 25 Jahren

    Die Natur hat uns einst mit Resourcen beschenkt, nun ist sie in einem Zustand der Verwüstung. Innerhalb einer Zeitspanne von 25 Jahren wir haben 40 % des Planeten zerstört .

  • Eva.53 am 03.05.2013 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Abholzung des Regenwaldes

    Brasilien + Fussballweltmeisterschaft 2014, Abholzung des Regenwaldes: 2012 wurden mehr als 450 Tausend Hektar Wald im Amazonasgebiet abgeholzt! für Rindfleisch, Tierfutter, Soja-Mais + Zuckerrohrmonokulturen und 30 Staudämme. Davon werden wenige Grossgrundbesitzer reich, die Landbefölkerung bleibt arm. geplant sind weitere 70 Millionen Hektar nativem Regenwald in den kommenden Jahren. Und das soll keinen Einfluss auf unser Klima haben wenn Urwälder dem Anbau von Palmöl etc weichen muss?

    • Lestat am 03.05.2013 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht alles überinterpretieren...

      Ja, ist zwar alles schlimm, dennoch hat es solche Hagelzüge auch gegeben, als noch niemand in Brasilien den Urwald abholzte. Man muss aufpassen, nicht jedes Ereignis in seine "Weltanschauung" einzubetten bzw. als Bestätigung dafür zu nehmen. Man kann auch nicht davon schwafeln, dass der langen Winters dieses Jahr doch zeige, dass es keine Klimaerwärmung gebe.

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