«Freier im Halbstunden-Takt»

28. Dezember 2017 13:15; Akt: 28.12.2017 18:48 Print

Der Bordell-Untermieter ist ein Wiederholungstäter

Der Deutsche, der als Untermieter die Wohnungen der Mieter in Bordelle verwandelt, treibt sein Unwesen schon seit Längerem. Auch Firmen fielen auf ihn herein.

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Der deutsche Heiko S. bedient sich einer besonders dreisten Masche: Als Untermieter funktioniert er die Wohnungen verreister Mieter kurzerhand zum Bordell um. Schmerzlich musste dies etwa die Zürcherin Michaela W.* erfahren, in deren Wohnung im Kreis 3 die Freier ein- und ausgingen.

Wie sich nun herausstellt, ist S. ein Wiederholungstäter: J. F.* und ihr Freund aus Wollishofen wurden bereits vor rund einem Jahr Opfer des illegalen Puff-Betreibers. «S. meldete sich kurz vor unserer zweimonatigen Nepal-Reise», sagt die 32-Jährige zu 20 Minuten. Verdacht habe sie damals keinen geschöpft. «Er wirkte seriös und gab sich als Immobilienhändler aus, der in der Schweiz Fuss fassen will», erzählt sie.

«Wildfremde Männer im Halbstunden-Takt»

Doch schon bald kamen bei F. grosse Zweifel an der Unbescholtenheit ihres Untermieters auf. In der abgeschiedenen Bergwelt Nepals erreichte sie ein Anruf der Schwiegermutter. «Sie erzählte davon, dass im Halbstunden-Takt wildfremde Männer die Wohnung aufsuchten», so F. Auf der Strasse habe reges Treiben geherrscht, weil Freier herumstreunten und nach dem neuen Etablissement suchten. Bewohner des Hauses hätten sich bei der Verwaltung über die Zustände beschwert.

Nach der ernüchternden Kunde versuchte die Mieterin Heiko S. zu kontaktieren. «Meine Nachrichten hat er aber ignoriert», sagt sie. Die Mutter des Freundes wandte sich schliesslich an die Polizei. Diese konnte von Rechts wegen die Wohnung zwar nicht räumen, habe offenbar jedoch erfolgreich Druck auf den Deutschen ausgeübt, so F. «Jedenfalls gab er von sich aus zwei Wochen vor Vertragsende die Schlüssel zurück.»

Auch Firmen sind betroffen

Heiko S. schadete aber nicht nur Privaten. Auch eine Firma mit Hauptsitz in Zug, die möblierte Wohnungen an Geschäftsleute vermietet, fiel auf seine Masche herein. Geschäftsführerin G. V.* wurde von der Polizei über die Zustände in einem der Apartements in Zürich informiert, nachdem sich Nachbarn beschwert hatten. «Die Wohnung glich einem Saustall», sagt sie. «Sie war verdreckt, die Tür zerkratzt und Geschirr wurde als Aschenbecher benutzt.» Zudem seien mehrere Kameras installiert gewesen.

V. hat Heiko S. daraufhin fristlos gekündigt. «Er hätte mir schon am Mittwoch die Schlüssel zurückgeben sollen, erschien aber nicht zum Treffen», so V. Für die Schäden in der Wohnung stellt sie Anspruch auf Schadenersatz.

Nutzung der Wohnung klar definieren

Laut dem «Blick» hat Heiko S. mindestens 19 Wohnungen zu Bordellen umfunktioniert. Wie kann man sich als Untermieter schützen? Walter Angst, Sprecher des Zürcher Mieterverbandes, sagt: «Schon im Untermietvertrag sollte die Nutzung der Wohnung klar definiert sein.»

Der Untervermieter soll zusätzlich die Vollmacht einer handlungsfähigen Vertrauensperson übergeben, sodass diese in solchen Ausnahmesituationen den Untermietvertrag kündigen kann. Denn: Hauseigentümer und Verwaltung können gegenüber Untermietern nicht handeln.

Ermittlungen der Stadtpolizei laufen

Damit eine solche Kündigung möglich ist, muss gemäss Angst die
Sorgfaltspflicht verletzt werden – das sei in diesen Fällen passiert. «Sollte der Untermieter trotz einer fristlosen Kündigung die Wohnung nicht verlassen, muss der Bevollmächtigte ein Verfahren beim Statthalter einleiten, da die Polizei nicht ohne weiteres Wohnungen räumen kann», so der Sprecher des Mieterverbandes.

Der Stadtpolizei Zürich ist Heiko S. bekannt. «Bei der Fachgruppe für Milieu- und Sexualdelikte laufen die Ermittlungen», sagt Sprecher Michael Walker zu 20 Minuten. Weiter will sich die Polizei nicht zu den Fällen äussern.

Heiko S. sagt zum «Blick», die Frauen hätten eigentlich zu den Freiern heimgehen und nicht in den Wohnungen anschaffen sollen. Und: «Die Polizei sagte mir, dass ein paar Mädchen-WGs kein Problem sind.»

(sul/tür)