Vernunftehe

22. Juli 2014 18:25; Akt: 22.07.2014 18:25 Print

Heirat ohne Liebe – ein Modell für die Zukunft?

von Nicole Glaus - In einem Buch wirbt ein deutsches Paar für die Vernunftehe. Auch Schweizer Paartherapeuten sehen darin langfristige Vorteile.

storybild

Ein positiver Faktor einer Vernunftehe sei auch die geringe Erwartungshaltung, sagt der Paartherapeut Reinhard Felix: «Dadurch ist die Gefahr von Enttäuschungen geringer und die Erfolgsaussichten sind viel besser.» (Bild: fotolia)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Keine Schmetterlinge im Bauch, keine erste Verliebtheit, keine grosse Leidenschaft: Dies scheint das Erfolgsrezept einer langfristig funktionierenden Beziehung zu sein. Zumindest wenn man Susanne Wendel und Frank-Thomas Heidrich glauben will. Sie haben vor drei Jahren die Suche nach dem Traumpartner aufgegeben – und «aus Vernunft» geheiratet. Ihr Sohn ist inzwischen zwei Jahre alt. Nun haben sie ein Buch über ihre vernünftige Beziehung geschrieben.

Umfrage
Würden Sie aus reiner Vernunft heiraten?
44 %
38 %
18 %
Insgesamt 10656 Teilnehmer

Sie hätte keine Lust mehr gehabt, auf den Richtigen zu warten, sagt Susanne Wendel in einem Interview mit der «Welt.de». Deshalb habe sie den Mann geheiratet, den sie drei Jahre zuvor an einer Weiterbildung kennengelernt habe und mit dem sie nur locker befreundet gewesen sei. «Wir haben nur die Phase mit den Schmetterlingen übersprungen», so Wendel. Es habe zwar ein bisschen gedauert, aber heute liebe sie ihren Mann: «Wir sind ein tolles Paar.»

«Liebe ist ein Gefühl und daher sehr kurzlebig»

Laut dem Surseeer Paartherapeuten Reinhard Felix funktionieren Vernunftehen erfahrungsgemäss «erstaunlich» gut und lange: «Es sind eher die romantischen Liebesbeziehungen, die nicht von langer Dauer sind. Denn Liebe ist ein Gefühl und daher sehr kurzlebig.» Für eine langfristig funktionierende Beziehung brauche es vielmehr Wohlwollen, die Bereitschaft etwas zu geben, Geduld und Durchhaltevermögen.

Ein weiterer positiver Faktor einer Vernunftehe sei auch die geringe Erwartungshaltung, so Felix: «Dadurch ist die Gefahr von Enttäuschungen geringer und die Erfolgsaussichten sind viel besser.»

Jede Beziehung wird irgendwann vernünftig

Auch Felix‘ Berufskollege Hans-Peter Dür findet, ein Paar könne die Verliebtheitsphase auslassen und trotzdem – oder gerade deswegen – eine gute Beziehung führen. «Viele Leute, die sich heute über das Internet kennenlernen, wissen bereits, bevor sie sich treffen, einiges voneinander.» Sie fänden also eher aufgrund gleicher Wertvorstellungen und Interessen zusammen als wegen einer Liebe auf den ersten Blick.

Zudem werde jede Beziehung früher oder später vernünftig – oder scheitere: «Man muss Probleme lösen können, miteinander kommunizieren und gegenseitig füreinander da sein. Das braucht unheimlich viel Organisation und Absprache», so Dür. Es sei somit einfacher, wenn bereits zu Beginn der Beziehung ein gewisses Mass an Vernunft mit dabei sei.

«Es kann nicht jeder eine Claudia Schiffer heiraten»

Dies würden auch die meisten Ehen der Generation der heute Siebzig-, Achtzigjährigen zeigen, betont Reinhard Felix. Demnach hätten früher viele Ehepaare eine gemeinsame Aufgabe gehabt – etwa das Führen eines Bauernhofes: «Es ging damals ums Überleben, um Existenzsicherung. Ob der Ehepartner eine krumme Nase hatte oder nicht, war nicht so wichtig.»

Felix hofft deshalb, dass sich die Gesellschaft etwas von den stark romantisierten Vorstellungen einer Beziehung löse und die Partnerschaft wieder realistischer betrachte: «Es kann nicht jeder eine Claudia Schiffer heiraten.» Deshalb müsse jeder ehrlich zu sich selber sein. «Und zwar in Bezug darauf, was wir für uns selber wollen, als auch darauf, was wir dem Partner zu bieten haben.»


20 Minuten interessiert Ihre Beziehungs-Geschichte: Haben auch Sie aus Vernunft geheiratet? Oder führen Sie eine Vernunft-Beziehung? Melden Sie sich unter feedback@20minuten.ch


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 24 Jahre verheiratet am 22.07.2014 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    ach was???

    Ach was, die sind schon drei Jahre verheiratet und noch nicht geschieden. Klar doch, nach solch langjähriger Eheerfahrung muss natürlich ein Buch geschrieben und Ratschläge erteilt werden. Ich bin schon 30 Jahre mit meinem Mann zusammen und seit 24 Jahren verheiratet. Wir lieben uns noch immer, respektieren und achten uns, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind. Trotzdem haben wir noch kein Buch geschreiben und Ratschläge erteilt. Was sind wir doch für langweilige Leute

    einklappen einklappen
  • katia am 22.07.2014 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles blödsinn

    ich und mein mann haben aus liebe geheiratet, heute 17 jahre später haben wir drei wunderbare kinder und ein romantisches leben immernoch, ich überasche ihn öfters mit kerzen, massage nach der arbeit und er mich auch, mann muss seinen partner so nehmen wie er ist und nicht versuchen ihn zu verändern, und sich im klaren sein es wird vieleicht manchmal hübschere geben aber die seele und das herz können sie einem nicht geben, und der der sagt das liebe nicht existiert dem sage ich das er die richtige noch nicht gefunden hat :-)

    einklappen einklappen
  • benchamin am 22.07.2014 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehe

    Ein Sohn und verheiratet und schon haben sie das Gefühl ein Buch zu schreiben. Idee vom Traumpartner wegzukommem ist gut. Weil man immer wieder an jedem Menschen Fehler findet. Perfekt ist niemand aber was man daraus macht kann perfekt sein. Aber liebe gehört immer in die Ehe, tiefe Geborgenheit und freide aneinander

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • eine Ehefrau am 25.07.2014 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Vernunft vs. Liebe

    Mich stört dieses Vernunft vs. Liebe-Gerede. Das ist doch alles eine Frage der Definition. Viele die hier sagen "ohne Liebe gehts nicht" und wenn ich dann lese, was sie über ihre Beziehung schreiben sind dies für mich sehr wohl auch vernunftsbezogene Partnerschaften (aus meiner Definition von Vernunft). Das A und O bleibt für mich die offene und ehrliche Kommunikation und die funktioniert eher mit ein bissl Vernunft als auf der reinen Gefühlsebene. Ausserdem zeigt sich Liebe in einer Beziehung auf verschiedene Weisen.

  • Shqiptare am 23.07.2014 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kultur

    Bei vielen vielen kulturen ist es nixh gang und gäbe. Muss jeder selbet entscheiden, auf lange sivh istbes jedoch nichts.

  • Liebender am 23.07.2014 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein Gefühl?!?

    Die Liebe ist nur ein Gefühl: 1. Damit wird implizit angenommen, dass Kognitionen über den Gefühlen stehen. Eine sehr gewagte Hypothese, einfach mal so in den Raum geknallt. 2. Es gibt auch Menschen, die vollkommen überzeugt sind, dass Liebe eben nicht nur ein Gefühl ist, sondern wie die Gravitation eine Urkraft, welche wir nur emotional erfahren können. 3. Die Verliebtheit zu Beginn einer Beziehung hat wirklich nicht viel mit Liebe zu tun, sie ist körperlich und ist ein Ausdruck der sexuellen Anziehung, bitte vermischt dies nicht!

  • missy_miss am 23.07.2014 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe ist Arbeit

    Ich (26,w) finde es traurig zu lesen 'die heutige Jugend weiss gar nicht mehr'.. Verliebtheit und Liebe sollte NIE auf die gleiche Stufe gestellt werden.. Wenn die Verliebtheit vorbei geht, muss man an der Beziehung arbeiten, erst dann erkennt man, ob Liebe daraus werden kann... Ich für mich sehne mich nach dieser Liebe und bin gewillt sehr viel für sie zu tun! Es lohnt sich, denn ich bekomme so viel viel mehr zurück... Klar entsteht Liebe erst mit den Jahren, deshalb kann so eine Vernunftehe funktionieren.. Für mich wäre dies keine Option! Ich will erst Liebe, dann Heirat!

  • Lieber allein am 23.07.2014 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Pragmatisch

    Die zwei haben sich vermutlich zusammengetan, um vor Ablauf der biologischen Frist ein Kind zu zeugen. Und/oder, weil sie das Alleinsein nicht ertragen. Pragmatisch und verständlich. So what? Das nun der ganzen Menschheit zu empfehlen, zeugt von wenig Fantasie und viel Egozentrik.