Nach Absturz in Äthiopien

12. März 2019 17:36; Akt: 12.03.2019 18:51 Print

Schweiz sperrt Luftraum für Boeing 737 Max 8

Wegen Sicherheitsbedenken sperrt die EASA den gesamten europäischen Luftraum für den Flugzeugtyp Boeing 737 MAX 8 ab 19 Uhr. Auch die Schweiz zieht mit.

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Mehr als ein Dutzend Staaten und Fluggesellschaften rund um den Globus sperren den Flieger vom Typ Boeing 737 MAX 8 aus ihrem Luftverkehr oder ergriffen andere Vorsichtsmassnahmen. Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Malaysia, Singapur, Australien, Italien und Österreich verbannten das Modell am Dienstag zumindest temporär aus ihrem Luftraum. In Singapur betreiben mehrere ausländische Gesellschaften und die heimische SilkAir 737-MAX-Maschinen. In den für Boeing wichtigen Märkten China und Indonesien dürfen heimische Airlines die 737 MAX 8 schon seit Montag nicht mehr einsetzen. Einige Unternehmen erklärten bereits selber, auf Flüge mit Maschinen des betroffenen Typs zu verzichten. So hat zum Beispiel auch die Lion Air die Boeing 737 Max 8 gegroundet. Die US-Luftfahrtbehörde FAA forderte von dem US-Flugzeugbauer zunächst lediglich Nachbesserungen an den Maschinen. Sie ordnete aber nicht an, dass die 737 MAX 8 am Boden bleiben muss. Am Sonntag war in Äthiopien eine Boeing 737 MAX 8 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Die indonesische Flugaufsichtsbehörde KNKT zu dem Schluss, dass die Boeing 737 des Billigfliegers bereits bei einem Flug am Vortag des Unglücks «nicht flugtüchtig» gewesen sei: Pressekonferenz zum Lion-Air-Unglück in Jakarta. (28. November 2018) An der Unglücksstelle trieben nebst Leichenteilen grössere Wrackteile, ausserdem Rettungswesten, Handyhüllen, Ausweise, Führerscheine und verschiedene andere Dokumente. Auch die Blackbox der Lion-Air-Maschine wurde gefunden. Das Wrack der Lion-Air-Maschine liegt nach Angaben der Behörden etwa 35 Meter weiter unten auf dem Grund der Javasee, die an dieser Stelle nicht besonders tief ist. Unter den Todesopfern sind auch mehrere Beamte des indonesischen Finanzministeriums, die übers Wochenende in der Hauptstadt waren. Die Boeing 737 des Billigfliegers Lion Air stürzte am Montag wenige Minuten nach dem Start vom Flughafen der Hauptstadt Jakarta aus zunächst ungeklärter Ursache ins Meer. Der Such- und Rettungseinsatz lief auf Hochtouren. Ein von Rettern gefundenes Wrackteil des Flugzeugs. Weitere Wrackteile. Rettungskräfte machten sich auf die Suche nach Überlebenden. Die Hoffnung, Überlebende zu finden, war von Anfang an gering. Ein Sprecher der Rettungsdienste, Muhammad Syaugii, sagte: «Wir haben Rettungswesten, Handys und Flugzeugteile entdeckt.» Diese Fundstücke sollen den Passagieren gehört haben. Nach kurzer Suche wurden nach dem Absturz im Meer die ersten Trümmer entdeckt. Etwa 70 Kilometer von Jakarta entfernt. An der Unglücksstelle ist ein grösserer Flugbenzin-Teppich zu sehen. Beim Absturz der Passagiermaschine sind 189 Insassen ums Leben gekommen: Familienangehörige der Opfer am Flughafen Pangkal Pinang. Die Angehörigen beteten und warteten auf Neuigkeiten. Nach Angaben der Rettungsdienste wurde der Flug JT-610 zuletzt bei Karawang in der Provinz West-Java geortet. Dort sei auch der Funkkontakt zum Flugzeug abgebrochen. Lion Air ist die grösste Billigfluglinie des Inselstaats Indonesien mit seinen mehr als 250 Millionen Einwohnern und wurde 1999 gegründet. Die Boeing 737 MAX wurde erst im August in Betrieb genommen... ...und war nach Angaben des Unternehmens kurz vor dem Start wegen eines technischen Problems repariert worden. Der Kontakt zu dem Flugzeug brach nach Angaben des indonesischen Verkehrsministeriums rund 13 Minuten nach dem Start ab. Auf der Internetseite Flightradar war zu sehen, wie die Maschine beim Start eine Schleife nach Süden machte... ...und dann in Richtung Norden flog, bis sie plötzlich vom Radar verschwand. Das Flugzeug sei in 30 bis 40 Meter tiefes Wasser gestürzt, sagte ein Behördensprecher der Nachrichtenagentur AFP. Die Maschine sollte von Jakarta nach Pangkal Pinang auf der Insel Bangka fliegen, von wo aus sich sonnenhungrige Urlauber häufig auf die nahegelegene Insel Belitung aufmachen. An Bord der Maschine befanden sich nach Angaben der indonesischen Behörde für Verkehrssicherheit insgesamt 189 Menschen - 178 erwachsene Passagiere, ein Kind, zwei Babys, zwei Piloten und sechs Flugbegleiter. Das Verkehrsministerium hatte zunächst von 188 Insassen gesprochen.

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Mehr als ein Dutzend Staaten und Fluggesellschaften rund um den Globus sperren den Flieger vom Typ Boeing 737 MAX 8 aus ihrem Luftverkehr oder ergriffen andere Vorsichtsmassnahmen.

Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Malaysia, Singapur, Australien, Italien und Österreich verbannten das Modell am Dienstag zumindest temporär aus ihrem Luftraum.

Gemäss Urs Holderegger, Leiter Kommunikation des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl), sperrt auch die Schweiz ihren Luftraum für den Flugzeugtyp. «Ab 19 Uhr sperrt die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) den gesamten europäischen Luftraum für den Flugzeugtyp Boeing 737 MAX 8. Auch in der Schweiz wird dieser Entschluss ab diesem Zeitpunkt in Kraft treten», bestätigt Holderegger auf Anfrage.


Auch die isländische Icelandair Group nahm ihre Maschinen des Typs Boeing 737 Max 8 ausser Betrieb.

In Singapur betreiben mehrere ausländische Gesellschaften und die heimische SilkAir 737-MAX-Maschinen, in Australien ist nur Fiji Airways betroffen. Auch der Oman erlaubt keine Starts und Landungen des Flugzeugtyps mehr.

«Ähnlichkeiten» mit Absturz im Oktober

In den für Boeing wichtigen Märkten China und Indonesien dürfen heimische Airlines die 737 MAX 8 schon seit Montag nicht mehr einsetzen. Chinas Behörde für zivile Luftfahrt stellte «Ähnlichkeiten »zwischen dem Unfall vom Sonntag und dem Absturz im Oktober fest. Der Flugbetrieb werde erst wieder aufgenommen, wenn Boeing die nötigen Massnahmen zur Flugsicherheit bestätigt habe.

Auch Südkorea und die Mongolei forderten ihre heimischen Airlines auf, die 737 MAX 8 nicht mehr einzusetzen.

Fluggesellschaften reagierten von sich aus

Einige Unternehmen erklärten bereits selber, auf Flüge mit Maschinen des betroffenen Typs zu verzichten. «Wir kennen die Unfallursache nicht, lassen Teile unserer Flotte aber als Sicherheitsmassnahme am Boden», teilte Ethiopian Airlines mit.

Auch die südafrikanische Comair, die Cayman Airways, die brasilianische Gol Airlines und die Aeromexico lassen 737 MAX 8 vorerst nicht mehr starten.

Argentiniens Vorzeige-Airline Aerolinas Argentinas setzt Flüge mit seinen fünf 737 MAX 8 ebenfalls aus. Zuvor hatten sich Piloten geweigert, mit dem Modell zu starten.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA forderte von dem US-Flugzeugbauer zunächst lediglich Nachbesserungen an den Maschinen. Sie ordnete aber nicht an, dass die 737 MAX 8 am Boden bleiben muss.

Für flugtauglich erklärt

Am Sonntag war in Äthiopien eine Boeing 737 MAX 8 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Dabei waren alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Bereits Ende Oktober war in Indonesien ebenfalls kurz nach dem Abheben eine neue Maschine dieses Typs der Lion Air abgestürzt.

Änderungen angekündigt

Boeing sicherte zügige Änderungen an der Steuerungssoftware des betroffenen Flugzeugmodells zu. Der Konzern erklärte, schon vor Monaten damit begonnen zu haben, die Steuersoftware weiterzuentwickeln, «um ein jetzt schon sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen.»

Das Software-Upgrade solle in den kommendem Wochen bei allen Maschinen aufgespielt werden. Die Gesellschaft verwies bei der Ankündigung nicht auf den Absturz am Sonntag in Äthiopien.

( /sda/afp)