Intimarzt

12. April 2019 13:25; Akt: 12.04.2019 14:05 Print

Diese App sagt dir, ob du Syphilis oder Tripper hast

Um Geschlechtskrankheiten zu behandeln, können Männer und Frauen neu per App anonym eine Diagnose erstellen lassen. Das BAG ist skeptisch.

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Es juckt, es brennt, es ist rot oder tut weh: Wer unter einer Intim- oder Geschlechtskrankheit leidet, merkt oft sehr früh, dass etwas nicht stimmt. Trotzdem würden sich Betroffene aus Scham oftmals erst sehr spät von einem Arzt untersuchen lassen. Titus J. Brinker, Dermatologe an der Universitätsklinik Heidelberg, verspricht Abhilfe: Wer über seine App Intimarzt drei Fotos schickt, erhält für 25 Euro innert weniger Stunden anonym eine erste Einschätzung von einem Facharzt.

«In der Praxis erleben wir oft, dass Patienten ihre Symptome googeln und dann zu irgendwelchen Hausmittelchen oder Cremes greifen. Das wollen wir verhindern», sagt Brinker.
In vielen Fällen führe diese Selbstbehandlung zu teils irreversiblen Komplikationen, die von kosmetischen Problemen oder Impotenz bis zu Krebsvorstufen gehen könnten.

Männer sind übervertreten

«Wir hatten schon alle möglichen Fälle: Entzündungen der Eichel, Scheidenpilze, Zysten, Warzen oder Neurodermitis», sagt Brinker. «In einem Fall haben wir einen Patienten mit Syphilis für eine antibiotische Therapie sofort zum Arzt geschickt.» Drei bis vier Anfragen erhalte das Team um Brinker mittlerweile pro Tag.

Das männliche Geschlecht sei überproportional vertreten: 43 der bisher insgesamt 50 Fälle würden Männer betreffen. Ein möglicher Grund sei, dass Männer nicht so oft beim Urologen seien wie Frauen in der gynäkologischen Abklärung. Brinker witzelt: «Vielleicht ist es für Männer normaler, Penis-Bilder übers Internet zu verschicken.»

Bilder werden gelöscht

Die Anonymität sei von zentraler Bedeutung, betont Brinker: «Einige gehen aus Scham nicht zum Arzt. Andere, etwa Prostituierte, können ihre Identität nicht preisgeben, weil sie sich teilweise ohne Aufenthaltserlaubnis im Land aufhalten.» Die Ärzte würden für ihre Befunde haften, die Bilder nach einer Woche gelöscht.

Mit den Fotos und zusätzlichen Rückfragen sei es möglich, Erkrankungen mit einer relativ hohen Genauigkeit zu diagnostizieren. Ein Ersatz für den Arztbesuch sei die App aber nicht.

«Es braucht eine Labordiagnose»

Skeptisch steht der neuen App das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gegenüber. Zwar sei eine Blickdiagnose bei Krebsvorstufen, also etwa einem Hauttumor, oftmals möglich, sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG. Bei Geschlechtskrankheiten sei in den allermeisten Fällen eine ärztliche Konsultation hingegen unabdingbar. «Diagnosen von Geschlechtskrankheiten sind nur in den seltensten Fällen rein optische Diagnosen.»

Bei Syphilis gehe das etwa nur in der ersten Phase der Krankheit und nur in Fällen, in denen das Geschwür auf dem Penis sichtbar sei. Trete es in der Vagina oder im Darm auf, bleibe die Schwellung unbemerkt. Koch: «Für weitere Abklärungen braucht es daher zwingend immer eine Labordiagnose. Und die hat man mit der App-Diagnose nicht.»


Die «Love Life»-Kampagne aus dem Jahr 2011.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gero F am 12.04.2019 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Denk App

    Und wann kommt die App welche dem Menschen das Denken wieder beibringt?

    einklappen einklappen
  • Thomas Sommer am 12.04.2019 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Idee die die Welt nicht braucht

    Also ganz ehrlich. Bevor ich mein Geschlechtsteil fotografiere und via irgendeiner App an mir völlig unbekannte Personen schicke, gehe ich entweder zum Hausarzt oder benutze einer der mittlerweile vielen Selbsttest um eine Ersteinschätzung zu bekommen.

  • ben b am 12.04.2019 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber zu früh als zu spät

    Man darf sich bei einem Arzt nie schämen. Lieber man findet es zu früh raus als zu spät.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 13.04.2019 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alt wie die Welt...

    Ein gescheiter Mann spaziert nicht seinen "Götti" überall ohne Schutz...

  • Amina123 am 13.04.2019 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    edel geht die welt zugrunde

    so einen quatsch hab ich schon lange erwartet..... endkosten verteuern sich so einfach um 25 stutz,für die "erstdiagnose", was trotzdem einen arztbesuch nach sich zieht....

  • marko 34 am 12.04.2019 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich

  • Reto F. am 12.04.2019 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinniger Trend

    Genau, weil auch ein einziges Foto komplett Aufschluss über die Diagnose gibt. Lieber einmal zum Arzt gehen, Blutabnahme, diagnostizieren und korrekt behandeln lassen, als selbst herum zu doktern und ggf. noch eine Infektion weiterzuverbreiten.

  • Martin Widmer am 12.04.2019 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute Idee

    Eine gute Idee für diejenigen, die sich sonst aus Scham nicht dem Hausarzt präsentieren würden.