Gemeinderating

25. März 2012 12:44; Akt: 25.03.2012 13:35 Print

Hier ticken die Wähler besonders radikal

Röthenbach im Emmental ist die politisch rechteste Gemeinde der Schweiz. Die linkste ist Le Locle (NE). Die neue politische Landkarte der Schweiz zeigt auch: Der Röstigraben existiert.

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In keiner anderen Schweizer Gemeinde wählen so viele Bürger rechts wie im beschaulichen 1300-Seelendorf Röthenbach im Emmental. Der Durchschnittswert beträgt dort 72,45 (siehe Box). Dies zeigt die Analyse des Politgeografen Michael Hermann, die er im Auftrag der «SonntagsZeitung» erstellt hat. Sie basiert auf neuen Zahlen des Bundesamtes für Statistik und zeigt für jede der 2504 Schweizer Gemeinden, welchen Parteien die Bürger an den eidgenössischen Wahlen im letzten Herbst ihre Stimme gaben.

Besonders auffallend an der politischen Landkarte ist der Röstigraben bei den Wählerstimmen. Während die zehn rechtesten Gemeinden alle in der Deutschschweiz liegen, befinden sich die besonders linken Wählergemeinden alle in der Westschweiz. Die linkste ist die Uhrenstadt Le Locle (NE) mit rund 10 000 Einwohnern und einem Durchschnittswert von 33.7. Ebenfalls besonders links ticken die Wähler von Lausanne (VD), La Chaux-de-Fonds (NE) und der Gemeinden Le Noirmont und Saignelégier im Jura.

«Gegensatz Jurabogen und Alpenbogen»

Auf Rang zwei der rechtesten Gemeinden liegt Unteriberg im Kanton Schwyz mit 72.32 Prozent rechten Wählern, gefolgt von Wolfenschiessen (NW), St. Stephan (BE) und Muotathal (SZ). «Es gibt einen klaren Gegensatz zwischen dem linken Jurabogen, der sich bis Basel hinzieht, und dem konservativen Alpenbogen, der bis in die Ostschweiz reicht», sagt Michael Hermann gegenüber der «SonntagsZeitung».

Die Gründe könnten im unterschiedlichen Staatsverständnis liegen. Während es im Westen eine republikanische Tradition gibt, beruhte in der Deutschschweiz die Gesellschaft vermehrt auf Zusammenschlüssen kleiner, eigenverantwortlicher Gruppen. Vielleicht sei die Linke in der Romandie auch deshalb stärker, weil der Antikommunismus in den romanischen Ländern nie so stark war wie in den übrigen westlichen Staaten.

Glückliche Landbewohner

Ein Alpenbogen oder Röstigraben zeichnet sich aber nicht nur politisch ab, sondern auch was die Zufriedenheit der Wohnsituation angeht. Dies zeigt eine neue Studie von «gfs-zürich Markt und Sozialforschung», die die Zeitung «Sonntag» publiziert hat. Demnach sind in der Romandie doppelt so viele Personen (36 Prozent) mit ihrem Zuhause unzufrieden wie in der Deutschschweiz (18 Prozent).

Unterschiede der Zufriedenheit zeigen sich auch zwischen Stadt, Agglomeration und Land. Während 65 Prozent der Städter mit ihrer Wohnsituation zufrieden sind, sind es in der Agglomeration bereits 77 Prozent. Am glücklichsten sind mit 79 Prozent die Landbewohner. Dafür sind diese weniger zufrieden mit dem Einkaufs- und Freizeitangebot wie die Städter.

(jep)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • StadtBerner am 25.03.2012 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Röthenbach im Emmental

    Erstaunt dies wirklich, wenn es im im Emmental Gemeinden gibt die mehrheitlich rechts wählen? Gemeinden die wohl hauptsächlich 2 Familiennamen beherbergen und und falls es gut geht 1 mal im Jahr ( an der BEA) einen "fremden" sehen..

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  • Flo Seiler am 25.03.2012 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    röthenbach

    90 Prozent Rechtswähler, ein Graus.

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  • linker rechter am 25.03.2012 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blinker

    oh ihr blinker ist doch egal wer was wie wo wählt, hauptsache wir leben in frieden....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank Frei am 26.03.2012 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftlich wenig

    selbstämdig sind die meisten der genannten Gemeinden. Es handelt sich um strukturschwache Gegenden, die von den Städten mit einem eher ausgewogenen Wahlverhalten finanziell unterstützt werden. Marius, die "unvernünftigen Städte" haben nicht "keinen Bezug zur Schweiz" sondern sie erhalten die Schweiz. Es ist wenig sinnvoll, sich auf die vorindustrielle Schweiz zu berufen, die schliesslich ein armes Auswanderungsland war.

  • J. Meyer am 25.03.2012 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Bilder

    Täuscht es mich oder täuschen die Bilder oben? Die rechten Gemeinden sind herrliche Flecken, die linken mehr zugebaute Betondschungels. Lieber in einer "gemütlichen überschaubaren" Gemeinde leben, als im Grossstadtdschungel ungeachtet der polit. Richtung.

    • Emmentalerin am 27.03.2012 10:21 Report Diesen Beitrag melden

      Wir Käsesmiler

      Genau! Sogar unsere Männer haben noch was drauf!

    • maurin oehen am 27.03.2012 17:19 Report Diesen Beitrag melden

      mhhh?

      Wer setzt sich eher für Umwelt ein??? Sicher weniger die rechten. Dass du dich von einem Bild täuschen lässt!!

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  • Diego am 25.03.2012 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr zum nachdenken

    Interessant ist auch der Aspekt, dass die mehr linken Gemeinden auch diejenigen mit höheren Steuern und trotzdem weniger vermögend sind. Dies sollte doch zu denken geben. Wie wäre es - z.B. in Le Locle - weniger zu verlangen und zu jammern, aber stattdessen mehr zu leisten.

    • Papierlischweizer am 27.03.2012 08:57 Report Diesen Beitrag melden

      Zum noch mehr nachdenken.

      Interessant auch der Aspekt, dass Gemeinden mit 10000 Einwohnern und mehr wie z.B. Le Locle oder La Chaux de Fonds eine städtische Infrastruktur aufrechterhalten müssen, welche mehr kostet. Komischerweise habe ich bei meinen zahlreichen Reisen in den Schweizer Jura nie das Gefühl gehabt, die Menschen dort jammern oder verlangten nach mehr, während man in rechtsorientierten Gemeinden gerne Jammern über Ausländer, welche da gar nicht leben, Muslime, welche man noch nie zu Gesicht bekommen hat und deren Minarette, welche man nur von einschlägigen Stimmplakaten kennt, hören.

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  • Michael Meienhofer am 25.03.2012 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück wird die Politik

    noch von den Wählern einer Gemeinde nach ihrem Gusto gemacht. Zum Glück gibts diese Eigenheit in der Schweiz noch - über den politischen Einheitsbrei können wir unsere ausländischen Nachbarn fragen, die jeweils nach der Politik ihren Regionalregierungen tanzen müssen.

  • Marius am 25.03.2012 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Radikal bedeutet

    Nicht "extrem", sondern tiefgründig und ist kein negatives Wort. Aber die Medien haben es zu einem Schimpfwort gemacht, ebenso wie "konservativ" oder fundamentalistisch. Keines dieser Wörter bedeutet etwas negatives. Aber zum eigentlichen Thema: Ich finde die Städte, welche sich so "weltoffen" dünken, wählen oft am unvernünftigsten, weil sie einfach keinen Bezug mehr zur Schweiz haben. Man hat es gesehen bei der Waffen"schutz"-Initiative.