Sie will Geld für Ferien

31. August 2019 07:10; Akt: 31.08.2019 19:54 Print

Frau geht zur Polizei, weil Schwiegermutter bettelt

von Bettina Zanni/Ilona Himmelberger - Eine IV-Rentnerin pumpt ihren Sohn und dessen Frau ständig um Geld an. Solche Fälle enden nicht selten vor dem Friedensrichter.

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B. C.* (25) will gemeinsam mit ihrem Mann ihre Schwiegermutter wegen Belästigung und Beschimpfung bei der Kantonspolizei Schwyz anzeigen. Sie informierten sich bereits auf dem Polizeiposten. Das junge Ehepaar will noch einen Schritt weitergehen: «Wir hoffen, über einen Anwalt ein Kontaktaufnahmeverbot erwirken zu können», sagt B.C.

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Sie schildert die Situation folgendermassen: «Meine Schwiegermutter pumpt meinen Mann regelmässig um Geld an.» Dabei gehe die IV-Bezügerin so weit, dass sie ihren Sohn und sie selbst unter Druck setze, beschimpfe und in der Öffentlichkeit verleumde, weil diese nicht weiter für sie aufkommen wollen.

«Hotel-Ferien drei- bis viermal pro Jahr»

Bevor sie vor Kurzem Eltern wurden, habe ihr Mann seine Mutter regelmässig unterstützt, so B. C. Und dies, obwohl nicht sie, sondern das Sozialamt zuständig wäre, wenn die Schwiegermutter mit der Rente nicht mehr durchkomme. «Nun können wir uns das aber nicht mehr leisten.»

Hinzu kommt, dass die Schwiegermutter laut Darstellung von B. C. in einer grossen Wohnung lebt und «drei- bis viermal pro Jahr Hotel-Ferien in der Türkei machen will». «Ich denke, sie käme mit der Rente durch, wenn sie sparsamer leben würde», meint B. C. Mitleid hat das Paar nicht. Seit Jahren melde sich die Schwiegermutter nur, wenn sie finanzielle Unterstützung brauche, so B.C.

Tante habe 4000 Franken nicht zurückbezahlt

Auch Leser Ö. H.* wurde von einem Familienmitglied um Geld gebeten. «Ich hatte gerade meine ersten vollen Monatslöhne nach der KV-Lehre erhalten, als mich meine Tante um 4000 Franken bat», sagt der 26-Jährige. Seine Tante habe sich damit nach dem Umzug neue Möbel kaufen wollen. «Sie hatte kürzlich den Job verloren und ihr Mann war krankgeschrieben. In der Familie hilft man sich.»

Geschmerzt habe ihn der Betrag nicht, so H. «Ich verdiente mehr als in der Lehre und wohnte noch zu Hause. Daher konnte ich gut etwas auf die Seite legen.» Die Tante habe ihm versprochen, den Betrag in absehbarer Zeit zurückzuerstatten – bis heute jedoch warte er auf das Geld. «Meine Tante fand, dass sie mir den Betrag nicht mehr zurückzuzahlen brauche.»**

Vater schuldete Kindern mehrere 10 000 Franken

Finanzielle Konflikte in Familien beschäftigen auch die Friedensrichter. Ein Vater etwa habe seine Spielsucht aus der Kasse seiner Frau und der erwachsenen Kinder finanziert, sagt Stefan Brunner, Präsident des Schweizerischen Verbands der Friedensrichter und Vermittler. «Bei seiner Frau und seinen Kindern war er mit mehreren 10 000 Franken verschuldet.»

Als weiteres Beispiel nennt Brunner ein Ehepaar, das Verwandte mit Jammergeschichten um mehrere Tausend Franken gebracht habe. «Dazu verschwieg das Paar, dass es eine IV-Rente bezog.» Der familiäre Zusammenhalt sei heute nicht mehr so stark wie früher, sagt Brunner. Deswegen würden finanzielle Konflikte häufiger vor Gericht gebracht. «Heute verklagt man einander schnell einmal. Die Familienmitglieder schauen mehr für sich und sind daher auch weniger bereit, Geld zu leihen oder Verwandten Schulden zu erlassen.»

Laut Sébastien Mercier vom Verein Schuldenberatung Schweiz überschulden sich aber regelmässig auch Personen, die etwa Familienmitglieder unterstützt haben. Er warnt deshalb: «Jemandem helfen ist gut. Aber dafür muss man eine finanzielle Reserve haben und mit dem Schuldner klare Vereinbarungen treffen.» Familienmitglieder anzupumpen, sei sehr heikel. «Um kein schlechtes Gewissen zu haben, lassen sich die Angepumpten leichter unter Druck setzen.»


Wann Verwandte füreinander aufkommen müssen

Laut der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe müssen Verwandte unter folgenden Bedingungen füreinander aufkommen:
Primär wenn sie Verwandte ersten Grades sind (Eltern, Kindern).
Wenn die unterstützungspflichtige Person in günstigen Verhältnissen lebt.

Günstige Verhältnisse bedeuten:
Das steuerbare Einkommen einer alleinstehenden Person beträgt mindestens 120’000 Franken im Jahr.
Das steuerbare Einkommen einer verheirateten Person beträgt mindestens 180’000 Franken im Jahr.
Pro minderjähriges oder in Ausbildung befindliches Kind können die Pflichtigen einen Zuschlag von 20’000 Franken im Jahr anrechnen.

*Name der Redaktion bekannt.

** Ö.H. gab ursprünglich an, seine Tante wolle die Schulden nicht mehr begleichen, weil seine Mutter bei ihr verschuldet sei. Am Samstag zog H. diese Aussage als nicht korrekt zurück.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bärnerin am 31.08.2019 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Kulturen, andere Sitten!

    Das ist ein Kulturproblem, war bei mir auch so! Bei meinem ersten Job nach der Ausbildung wollte meine Mutter, dass mein Einkommen auf ihr Konto bezahlt werde weil sie als Familienoberhaupt das Geld verwalte. Sie glaubte tatsächlich das Geld stehe ihr zu. Mein Vater, Schweizer, hat ihr das zum Glück ausgeredet.

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  • Vertigo am 31.08.2019 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sippen Druck

    Ich hatte eine Arbeitskollegin die der Schwiegereltern immer Geld geben musste. Sie ist kosovarin und sagte dass sei so üblich jedoch störte es sie extrem. Sie konnte sich jedoch nicht wehren weil sie sonst Streit mit dem Ehemann hätte. Sie tat mir leid.

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  • Dave74 am 31.08.2019 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wischiwaschi

    Langsam reicht es mir mit der Verwässerung. IV ist nicht Soz und es gelten andere Regeln und Ansätze. Die Soz ist beispielsweise zurück zu erstatten, wenn jemand wieder genügend verdient oder zu Vermögen kommt. Weiss nicht genau, was solche Artikel bewirken sollen und ich frage mich, ob die Verfasser die Unterschiede kennen - es scheint nein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mrs Wendy am 01.09.2019 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Mutter darf nicht Stick lassen

    Eine Mutter kann man nie im Leben ersetzen... EHEFRAU KANN MAN JEDEN TAG ERSETZEN... MUTTER BLEIBT NUR FÜR KINDER EINS... Wenn die Kinder seine Mutter oder Vater in Stick lassen... Die Kinder ging das Leben nicht hoch bleiben... Weil Er seine Mutter oder Vater in Stick gelassen hat... Alle Kinder die zu die Eltern schlecht wahr, muss die Kinder, das zurück bezahlen... BESTRAFEN. Der Sohn muss die Rechnungen von seine Mutter kontrollieren... Warum? Die Mutter hat immer mit Geld Problem. Wo her bring Sie das Geld. Vielleicht Mutter hat Liebhaber, die Sie ab und zu,zu ihm Geld gibts oder Schulde.

  • Witwe am 01.09.2019 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mutter darf nicht Stick lassen

    Ist aber Lieb für Kids, wenn das Kind hilf seine Mutter in Notfall... Aber wenn die Mutter mit dem Geld nicht um gehen kann. Er als Sohn, soll eine Lösung suchen für seiner Mutter, was Er machen muss, das die Mutter nicht zu ihm immer Geld betteln muss. Und Er als Sohn, muss seine Mutter zeigen wie Sie mit Geld umgehen kann... Mutter bleibt immer Mutter beim Kinder, so darf die Kinder seine Mutter nicht in Stick lassen... Weil als Er Baby wahr. Seine Mutter hat auch für ihm gut geschaut... Der Manns Ehefrau, hat schlechten Charakter. Die Kinder ist die einzig, wo die Mutter Renen muss.

    • Begüm am 01.09.2019 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Witwe

      Aha schlechten Charakter habe ich ? Sie hat mein Mann als Baby mit 9 Monaten ins Ausland geschickt, er kam mit 3 Jahren zurück in die Schweiz. Und danach war er im Heim ! Mit 18 lebte er alleine, ihr wisst gar nichts ! Mutter ist nicht immer Mutter. Sie war NE für ihn da ! Ich kenne mein Mann schon seit Jahren. Statt hier blödsinn zu schreiben denkt mal nach wieso eine Mutter so was macht. Ich bin auch eine Mutter und werde für mein Sohn alles machen, wenn er dann gross ist muss er sicher nicht meine Ferien, Steuern, Rechnungen zahlen ! Er soll sein Leben geniessen können !!!!

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  • Petrus am 01.09.2019 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Familie

    Die Familie hilft sich untereinander. Für ferien natürlich nicht, aber für wichtige dingen des lebens.

  • A~ am 01.09.2019 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Bei grösseren Beträgen beharre ich IMMER auf einen schriftlichen Vertrag. In dem wird der Betrag, Rückzahlungsfrist(en) und ggf. Zins festgehalten. So ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

    • Maus am 01.09.2019 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      Geld

      Nützt nichts! Habe jetzt einen Verlustschein.

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  • judl am 01.09.2019 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenken

    diese oberflächliche Berichterstattung - auch bei anderen Themen - ist ehrlich gesagt meist kaum mehr auszuhalten. Jedes Thema wird "verzerrt", frage mich immer mehr, WER schreibt sowas? Kennen die Wörter wie Anstand, Rücksicht etc? Warum werden gewisse Fakten ausgelassen? Nein wirklich, das hat nichts mehr mit Journalismus zu tun, eher geschützte Übungsstätte für zukünftige Schreiberlinge...wie lange duldet das die Leserschaft?