Empörte Mutter

02. Juli 2018 05:38; Akt: 02.07.2018 10:27 Print

Hiltl wärmt Babybrei nicht auf, weil Fleisch drin ist

von Simon Ulrich - Ein Kellner des Vegi-Lokals Hiltl weigerte sich, einen Babybrei in der Küche aufzuwärmen – aufgrund seines Fleischanteils von acht Prozent.

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Den Vorfall im Hiltl an der Zürcher Sihlstrasse hat M. S.* (39) auch ein paar Tage später noch nicht ganz verdaut: Als sie letzte Woche im Vegi-Lokal mit ihrer Familie zu Mittag ass, bat sie den Kellner, den Babybrei für ihre eineinhalbjährige Tochter aufzuwärmen. Der habe sich mit Verweis auf den achtprozentigen Fleischgehalt des Breis jedoch geweigert, worauf das Kind seine Mahlzeit kalt habe einnehmen müssen.

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«Das ist doch total übertrieben», sagt S. «Wir wollten schliesslich kein Fleischmenü bestellen, sondern nur, dass der Angestellte das Gläschen für eine Minute in die Mikrowelle stellt.» In allen anderen Vegi-Lokalen, die man zuvor mit dem Töchterchen besucht habe, sei das kein Problem gewesen. Zudem rate jeder Kinderarzt strikt von einer fleischlosen Ernährung von Kleinkindern ab, sagt S. «Hätten wir unser Essen nicht schon auf dem Teller gehabt, wären mein Mann und ich sofort aufgestanden und gegangen.»

«Kellner hätte bei Kader nachfragen sollen»

Geschäftsführer Rolf Hiltl hat Kenntnis von dem Vorfall. Er habe bereits mit dem betroffenen Kellner gesprochen, sagt er gegenüber 20 Minuten. Die Version des Angestellten decke sich aber nicht ganz mit jener von S. «Er sagte mir, dass er das Gläschen wegen des Fleischgehalts nicht zum Erhitzen in die Küche habe geben wollen, da wir ja ein Vegi-Restaurant sind. Er habe der Frau aber ein Gefäss mit heissem Tee-Wasser an den Tisch gebracht, damit sie den Brei so hätte wärmen können.»

Laut Hiltl war der Kellner aber etwas gar streng: «Er hätte bei einer Serviceleitung nachfragen sollen. Unsere ‹Vorbilder› hätten in diesem Fall ganz sicher Augenmass walten lassen und der Mutter den Babybrei aufgewärmt.» Danach könne man sie immer noch nett darauf hinweisen, dass es auch fleischlosen Brei gebe.

Grundsätzlich achte man als ältestes vegetarisch-veganes Restaurant – so wird das Haus Hiltl im Guiness-Buch der Rekorde geführt – sehr darauf, dass weder Fleisch noch Fisch in den Betrieb gelange. «Eine Sternengrill-Bratwurst in unserem Lokal zu verspeisen, geht daher nicht. Mit einem Babybrei mit bescheidenem Fleischanteil, der im geschlossenen Glas bleibt, können wir aber gut umgehen», sagt der Gastrounternehmer.

«Hiltl will nur gut dastehen»

Hiltl vermutet ferner, dass sich der Kellner – er ist portugiesischer Herkunft – nicht ganz klar ausdrücken konnte und es deswegen Missverständnisse gab. «Ich kann mir gut vorstellen, dass seine Reaktion dem Ehepaar im ersten Moment in den falschen Hals geriet.» Jedoch habe ihm der Mitarbeiter versichert, dass sich weder S. noch ihr Mann bei ihm beschwert hätten – auch die Frage vor dem Bezahlen, ob alles zur Zufriedenheit gewesen sei, habe der Mann bejaht.

Hiltls Erklärungen klingen für S. seltsam. Zwar bestätigt sie, dass der Kellner ein Glas heisses Wasser an den Tisch brachte. «Auf diese Weise wird ein Babybrei aber nie und nimmer richtig warm.» Auch Sprachprobleme habe es keine gegeben. «Mein Mann und ich dachten sogar, dass der Kellner ein Deutscher sei», so S. Für sie ist deshalb klar: «Herr Hiltl sucht bloss nach Ausreden, damit er besser dasteht.»

Die Frage, inwieweit man in einem Vegi-Vegan-Restaurant mit Fleisch in Berührung kommen dürfe, sei in der langjährigen Geschichte immer mal wieder aufgeworfen worden, sagt Hiltl. «Fälle wie der hier beschriebene zeigen, dass die Frage komplex ist.» Deshalb sei man daran, einen eigenen Hiltl-Babybrei zu kreieren. Bis dahin wolle man diesen Vorfall zum Anlass nehmen, das Team erneut bezüglich Umgang mit Babybrei zu sensibilisieren.

* Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sheldon am 02.07.2018 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufmerksamkeit um jeden Preis?

    Mit so einem Chabis gleich zur Presse rennen finde ich total übertrieben. Und noch etwas, sehr wohl wird das Gläschen in so heissem Wasser warm und das noch schonender als in der Mikrowelle.

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  • DerSpanier am 02.07.2018 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vegi ist Vegi

    Armes Baby! Seit soooo viele Jahre haben Menschen Fleisch gegessen, plötzlich ist die "Vegi-Mode" da, und die Natur soll doch "falsch" sein.

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  • Andreas Schär am 02.07.2018 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1,5 Jahre und Brei?

    Mir stellt sich die Frage, wieso ein 1,5 Jahre altes Kind noch Brei isst?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 02.07.2018 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele Vegetarier und alle

    Veganer sind total durchgeknallt. Seit ca. 5 Millionen Jahren essen die Menschen Fleisch wie Pflanzen. Favon zeugen alle Zähne.

  • Mila am 02.07.2018 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1.5 Jahre und Brei?!

    Fleisch hin oder her mit 1.5 Jahren sollte ein Kind vom Tisch essen können und kein Brei

  • Sam2000 am 02.07.2018 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher war alles noch einfacher, als Essen noch zu

    Wie schauts denn mit der Toleranz ganz grundsätzlich aus? Ich kann doch in einem "Steakhouse" auch ein Vegimenue bestellen. Wenn dies abgelehnt würde, geriete warscheinlich die gesamte Welt in Schieflage Leben und leben lassen. Wir diskutieren hier über ein handwarmes Babybreili aus dem Glas..... wie hat man dieses Problem wohl vor 100 Jahren ohne solche Fertigprodukte, Hiltl und Mikrowelle gelöst?? Wie sind wir alle nur gross geworden. Tja, denkt mal drüber nach....

    • Iriana am 02.07.2018 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sam2000

      Es ist nun mal ein Vegi-Restaurant und jeder der da hinein geht weiss es. Zudem kann man auch in anderen Restaurants nicht das eigene Essen mitnehmen!

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  • Nathan am 02.07.2018 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jööööö

    wo ist das problem? es gibt genügend restaurant in der umgebung die fleisch anbieten. und man muss auch nicht immer und überall die kinder mitnehmen. wir hatten immer einen warmhalter dabei. so unverhofft kommt der hunger auch nicht!

  • sis am 02.07.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Man kann aber aus allem einen Skandal machen.