Bundesratswahlen

05. Dezember 2018 13:34; Akt: 05.12.2018 16:01 Print

«Ein Tag für die Frauen» oder «beschämend»?

Erstmals wurden in der Schweiz zwei Bundesrätinnen an einem Tag gewählt. Ein Jubeltag für die Frauen – doch das sehen bei weitem nicht alle so.

Was ändert sich, wenn mehr Frauen im Bundesrat sitzen? Die Meinungen gehen weit auseinander. (Video: 20 Minuten)
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Das ging zackig: Mit deutlichen Mehrheiten wurden Viola Amherd (CVP/148 Stimmen) und Karin Keller-Sutter (FDP/154 Stimmen) am Mittwoch gleich im ersten Durchgang in den Bundesrat gewählt. «Endlich», «historisch» oder «ein Tag für die Frauen» – so lautet der Tenor in den sozialen Medien nach diesem Wahlmorgen, an dem erstmals gleichzeitig zwei Frauen den Sprung in die Landesregierung geschafft haben. Entsprechend jubelt der Bund der Schweizerischen Frauenvereine (Alliance F):


Die Grünen-Nationalrätin Aline Trede sagt zu 20 Minuten: «Bis jetzt waren Frauen völlig untervertreten im Bundesrat. Die Hälfte der Bevölkerung in diesem Land sind Frauen.

Babette Sigg Frank, Präsidentin der CVP-Frauen, ergänzt: «Ich glaube, dass Frauen einfach eine andere Sicht auf diverse Probleme haben. Frauenthemen sollten daher zumindest thematisiert werden.»

«Das Geschlecht als Programm»

Im Ständerat sitzen zurzeit sieben Frauen, im Nationalrat sind es 60. Das will die politische Stimme der Frauen ändern. Um mehr Frauen in der Politik zu etablieren und ihre Erfolgschancen zu erhöhen, startet Alliance F eine Spendenaktion.

Unterstützung sicherte ihr dabei die Operation Libero zu. Die Organisation freut sich über die künftige Frauenpower im Bundeshaus – aber das reiche bei weitem nicht. Es brauche dringend mehr weibliche Politikerinnen. Die Fokussierung auf die Geschlechterfrage kommt indes nicht überall gut an.


Trotz historischem Wahlerfolg stimmten feministische Kreise nicht in den Lobgesang vieler Frauenorganisationen ein. Dass man die doppelte Frauenwahl heutzutage immer noch als unüblich und überraschend bejuble, sei schlicht beschämend.


«Hauptsache Frau – Politik nicht entscheidend?»

Ebenso wurde – wie stets bei Bundesratswahlen – Kritik am ganzen Prozedere laut: Herkunft, Geschlecht, Parteizugehörigkeit und Lobby der Kandidaten würden im Vergleich zu deren Fähigkeitsausweisen für das Amt viel zu stark gewichtet.


Diesen Umstand bemängelt auch die Berner SVP-Nationalrätin Nadja Pieren: «Es braucht keine Quotenfrauen im Bundesrat. Es braucht die besten Leute. Nur das zählt. Sieben Bundesräte, die sich mit Herzblut für uns einsetzen.»



(rol/jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sb am 05.12.2018 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kompetenz wichtiger

    Herkunft und Geschlecht sind mir egal, ich will die kompetentesten Personen in der Regierung.

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  • Bürger am 05.12.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Fähigkeit>Geschlecht

    Es sollte egal sein, ob Männlein oder Weiblein, wenn es um die Geschicke des Landes geht, dann darf nur die Fähigkeit zählen.

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  • Wählerin am 05.12.2018 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feminismus fehl am Platz

    Für mich ist entscheidend, dass die 7 Fähigsten im Bundesrat stehen! Egal welches Geschlecht! Sie stehen und entscheiden für uns alle, und sollen durch ihr Können brillieren!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 05.12.2018 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Spielt eh keine Rolle!

    Die machen eh was sie wollen bzw. die EU will. Egal ob männlicher oder weiblicher Bundesrat!

  • Der unbequeme Schreiber am 05.12.2018 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eigentlich schon komisch

    Bundesräte werden nicht vom Volk gewählt, im endeffekt triviale Abstimmungen wie die hornkuhinitiative, welche Unmengen an Gelder verschlingt für dass das Ergebnis eigentlich für jeden Bürger gleich sein sollte (faire tierhaltung), allerdings schon. Dies ist nicht Werten gemeint. Aber ist vielleicht auch besser so. Ansonsten würden wir (noch mehr) Millionen in die Wahlen stecken und gewinnen würden dann doch die selben Kandidaten (plus diese würden dazu noch zu viel versprechen und dann doch nicht einhalten, und das Volk gegeneinander aufbringen, etc.).

  • huschmie am 05.12.2018 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Objektiv nicht messbar

    Die Fähigkeiten von Politikern lassen sich nicht mit der Uhr oder dem Messband messen. So gesehen ist jede Wahl politisch. Ob das nun Männlein oder Weiblein, links oder rechts, alt oder jung sei. Für jeden zählt etwas anderes.

  • Bundesratswahlen am 05.12.2018 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Röfe

    Das Geschlecht sollte keine Rolle spielen. Wirklich zählt nur die Fähigkeit!!!

  • Pedro am 05.12.2018 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich ist nun Ruhe

    Es wurden zwei Einwohner der Schweiz mit Schweizer Bürgerrecht in den BR gewählt. Nicht mehr und nicht weniger. Also nichts Besonderes, denn als Mann ist es mir egal ob Frauen oder Männer im BR sitzen. Die Minderheit der Feministinnen begreifen irgendwann auch, dass wir die Besten brauchen und nicht Mann oder Frau!