Neulich in Italien

11. September 2018 21:55; Akt: 12.09.2018 06:48 Print

Touristen sind entsetzt über Hitler-Bier

Ein Supermarkt in der Nähe von Venedig verkauft Artikel mit Hitler-Etikett an Touristen. Einem Leser stösst das übel auf.

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«Adolf Hitler ist der Sieg» und «Ein Volk, ein Reich, ein Führer» steht auf den Etiketten von Bier- und Weinflaschen neben dem Foto von Adolf Hitler. Der Supermercato im Touristenort Bibione in Norditalien verkauft mehrere Artikel, die mit nationalsozialistischen Sprüchen und Bildern gekennzeichnet sind. Neben Wein und Bier werden auch Porzellan, Tassen oder Sackmesser mit SS-Symbolen wie Hakenkreuzen und Sprüchen wie «Heil Hitler» verkauft.

T. R.* verbrachte zusammen mit Freunden eine entspannte Woche im venetischen Badeort Bibione. Das überschaubare Dorf mit rund 3000 Einwohnern sei besonders bei Deutschen, Österreichern und Schweizern beliebt. Dass R. hier auf ein Regal mit NS-Artikeln stiess, verstörte ihn. «Ich wollte mir nur kurz einen Snack kaufen, aber über dieses Regal habe ich mich sehr erschrocken», sagt R. zu 20 Minuten.

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Die SS-Symbole seien in Bibione in mehreren Läden zu sehen. «Einen Tag später sah mein Freund die gleichen Produkte in einem anderen Supermarkt. Solche Produkte kaufen zu können, regt schon zum Denken an.»

Auch online können die fraglichen Artikel gekauft werden. Die Bier- und Weinflaschen werden unter der Rubrik «Historische Etiketten» von der Firma I Vini Nostalgici angeboten. Rund 60 Flaschen Rotwein und 17 verschiedene Flaschen des deutschen Biers Premium mit NS-Etiketten können so online auch von der Schweiz aus erworben werden.

Alma Wiecken von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus sagt: «Das reine Erwerben von einer Flasche mit einem solchen Etikett ist grundsätzlich nicht verboten.» In der Schweiz verbiete es die Rassismusstrafnorm aber, öffentlich Ideologien zu verbreiten, die sich gegen eine Ethnie oder eine Religion richte. «Eine solche Ideologie muss aktiv verbreitet werden, damit der Tatbestand erfüllt ist», sagt Wiecken.

Die Italienische Botschaft in Bern wollte zwar den genauen Namen und Standorts des Supermarkts wissen, konnte die Fotos allerdings noch nicht kommentieren.


* Name der Redaktion bekannt

(anp)