Falsch Doktor

14. Januar 2010 16:46; Akt: 14.01.2010 17:52 Print

Hochstapler narrte Militär und Polizei

Nun weiss auch das Bundesamt für Polizei, was das Schweizer Fernsehen schon längst herausgefunden hat: Militär und Bundeskriminalpolizei sind jahrelang einem falschen Doktor auf den Leim gegangen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die steile Karriere des Hochstaplers Tiziano Sudaro geht damit jäh zu Ende. Nach einer Laufbahn beim Militärdepartement war der Generalstabs- Oberst ab November 2009 Leiter des Kommissariats IV Criminal Intelligence bei der Bundeskriminalpolizei. Als solcher führte er Voruntersuchungen durch zu Schwerstkriminalität wie Terrorismus und organisiertem Verbrechen.

Kündigung nach TV-Recherche

Anfang Januar dann kam bereits das Aus: Sudaro hängte seinen Job nach der Probezeit an den Nagel - aus persönlichen Gründen, wie es hiess. Dem abrupten Abgang vorausgegangen waren jedoch Recherchen des Schweizer Fernsehens SF, die ihn als falschen Doktor entlarvten.

Tatsächlich hat Sudaro keine Dissertation an einer Hochschule in Barcelona geschrieben, wie er angegeben hatte. Und nicht nur das: Er hat nicht einmal das Lizenziat an der Universität Freiburg gemacht. Auch dieser Abschluss war gefälscht, wie das Bundesamt für Polizei (fedpol) am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA bestätigte.

Zum Zeitpunkt der Anstellung habe das fedpol jedoch keine Anhaltspunkte gehabt, die Echtheit der eingereichten Dokumente anzuzweifeln, sagte Sprecher Stefan Kunfermann gegenüber der SDA. Zudem habe eine Personensicherheitsprüfung von Anfang 2009 mit positivem Resultat und fünfjähriger Gültigkeit vorgelegen.

Strafanzeige eingereicht

Nach den ersten Hinweisen führte das fedpol sofort Abklärungen durch. Am (gestrigen) Mittwoch schliesslich stand schwarz auf weiss fest, was die Medien bereits vermutet hatten: Die Abschlüsse von Sudaro waren gefälscht. Gemäss Kunfermann wird das fedopl nun Strafanzeige einreichen wegen Fälschung von Ausweisen, Urkundenfälschung und allenfalls auch wegen Betrugs.

Auch das Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) muss über die Bücher. «Bundesrat Ueli Maurer hat seinen Personalchef angewiesen, zu untersuchen, wie es dazu kommen konnte», sagte VBS-Sprecher Martin Bühler auf Anfrage.

Das Militärdepartement hat allen Grund, die Rekrutierung ihrer Spitzenbeamten kritisch zu durchleuchten: Beim VBS war Sudaro jahrelang als «Chef Strategieplanung Verteidigung» im inzwischen aufgelösten Planungsstab der Armee - ein wesentlich gewichtigerer Posten als jener, den er bei der Bundeskriminalpolizei innehatte.

Für diese Funktion war er zwar einer Personensicherheitsüberprüfung unterzogen worden. Nun werde untersucht, weshalb nicht auch die Echtheit der akademischen Titel geprüft worden sei, sagte Bühler.

Auch die HSG genarrt

Ebenfalls noch abgeklärt werden muss die Echtheit der Zusatzdiplome - darunter ein Executive Master of Business Administration aus Oxford. Auf den Hochstapler hereingefallen ist jedenfalls auch die HSG St. Gallen.

Dort sass Sudaro im Beirat des Kompetenzzentrums für Sicherheitswirtschaft und Technologie, zusammen mit seinem ehemaligen Chef im VBS, dem heutigen Rüstungschef Jakob Baumann, Markus Seiler, Chef des zivilen Nachrichtendienstes oder dem ehemaligen Armeechef Christophe Keckeis.

Inzwischen ist der falsche Doktor aus der Liste der Beiräte gelöscht worden. Aufgrund seines Stellenwechsels zur Bundeskriminalpolizei sei er ohnehin nicht mehr Mitglied des Gremiums, sagte Daniel Müller, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums, auf Anfrage.

Wegen der unklaren Situation seien aber auch Zitate von Sudaro entfernt worden. Sudaro selbst war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

(sda)