Tief Alexander

04. Januar 2015 11:27; Akt: 04.01.2015 21:50 Print

Hochwasser in Ostschweiz – Thur läuft über die Ufer

Tief Alexander lässt den Schnee schmelzen. Bäche und Flüsse führen viel Wasser. Die Feuerwehren haben alle Hände voll zu tun.

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Das Tief Alexander brachte der Schweiz nicht nur stürmische Winde, sondern auch viel Niederschlag. Der Regen hat den Schnee vielerorts zum Schmelzen gebracht. In den Bergen herrscht laut MeteoNews wegen viel Neuschnee in höheren Lagen und Schneeverwehungen allerdings grosse Lawinengefahr.

Im Thurgau führt die Thur viel Wasser, sodass der Fluss an einigen Stellen über die Ufer tritt. Laut dem Bundesamt für Umwelt stiegen durch die hohen Zuflüsse der Thur auch die Abflüsse im Hochrhein an.

Steine und Geröll auf den Strassen

Bei der Kantonspolizei Thurgau gingen bislang 35 Schadensmeldungen ein, heisst es auf Anfrage von 20 Minuten. Eine Autolenkerin kollidierte mit einem umgestürzten Baum, ansonsten mussten in vielen Fällen Keller durch die Feuerwehr ausgepumpt werden. Am Thur-Ufer musste die Feuerwehr Fusswege absperren. Um drei Uhr morgens sei der Alarm ausgelöst worden, sagten Feuerwehrmänner unserem Reporter vor Ort. Die Lage beruhige sich aber. In den letzten zwei Stunden sei der Wasserpegel um rund einen Meter gesunken. Nach Angaben der Polizei besteht für die Bevölkerung keine Gefahr.

Auch im Kanton St. Gallen musste die Feuerwehr bislang rund 60 mal ausrücken, wie die Kantonspolizei St. Gallen mitteilt. Überlaufende Bachläufe und Wasserrohrbrüche überfluteten Keller, Geschäfte und Ställe. Herunterfallende Äste und umgeknickte Bäume blockierten Strassen. Die Feuerwehr musste auch Steine und Geröll wegräumen.

Lage beruhigt sich

In Basel musste die Schifffahrt auf dem Rhein wegen des hohen Pegelstandes eingestellt werden. Die Grossschifffahrt zwischen Basel und Birsfelden sowie der Fährbetrieb und die Kleinschifffahrt zwischen Basel und Rheinfelden wurden gesperrt, wie die Schweizerischen Rheinhäfen mitteilten.

Im Bahnhof Wasserauen AI wehte der gefürchtete «Laseyerwind» am Samstag kurz vor Mitternacht einen historischen Bahnwagen der Appenzeller Bahnen vom Bahndamm auf den darunterliegenden Parkplatz. Der noch für Ausstellungen genutzte Wagen aus dem Jahr 1886 ist Schrott, wie die Bahnen meldeten.

Wie Roger Perret von MeteoNews auf Anfrage sagte, beruhigt sich die Situation bis zum Abend. Die Temperaturen seien kühler geworden, weshalb die Schneeschmelze verlangsamt würde. Auch Regen wird heute und morgen keinen mehr erwartet. «Bis am Montag sollte sich die Hochwasserlage stabilisiert haben», sagt Perrets Kollege Cédric Sütterlin.

Böen mit bis zu 155 km/h

In der Nacht gab es dank Alexander auf den Jurahöhen und ausgesetzten Berggipfeln Orkanböen, die mit einer Geschwindigkeit von mehr als 118 km/h über die Regionen hinwegfegten. Die stärkste Windböe wurde mit 155 km/h auf dem Säntis gemessen. Auch auf dem Titlis sowie auf Jungfraujoch, Weissfluhjoch, Gütsch und Chasseral wurden Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h registriert.

Auch im Flachland waren die Winde teilweise stürmisch. Die stärksten Böen im Flachland wurden mit 104 km/h in Altdorf UR und mit 97 km/h in Luzern registriert, wie MeteoNews mitteilte. Auch Vaduz brachte es auf 97 km/h. Grund war gemäss den Meteorologen die Kaltfront, die mit ihrem Druckanstieg die Luft in die Alpentäler hinein drückte. Recht verbreitet habe es am Samstagnachmittag und in der Nacht auf Sonntag Böen zwischen 60 und 90 km/h gegeben.

Viel Sonne, dann wieder Regen

Wer den Schnee im Flachland bereits vermisst, muss sich gedulden. Laut Sütterlin ist in den nächsten Tagen kein weisses Winterwunderland in Sicht. Am Montag und Dienstag hat ein Hochdruckgebiet die Schweiz fest im Griff. Das bringt eher frühlingshaftes Wetter statt Schnee. «Es wird sonnig und trocken», so Sütterlin. Im Flachland sei ausserdem mit Nebel zu rechnen. In Skigebieten über 2000 Metern bestehe jedoch keine Gefahr, dass der Schnee verschwindet. «Talabfahrten hingegen sind wohl kaum befahrbar.»

Ab Mitte der Woche werde das schöne Wetter dann allmählich von einer Störung überschattet. «Am Donnerstag wird es voraussichtlich wieder regnen, oberhalb von 1000 Metern fällt Schnee.» Dieser kann im Moment zur Todesfalle werden. «Ich persönlich schätze die Lawinengefahr als gross ein», sagt Sütterlin. «Skifahrer sollten auf keinen Fall abseits der Pisten fahren.» Die Situation werde sich in den nächsten Tagen leicht stabilisieren, je nach Wetterlage ist aber dennoch äusserste Vorsicht geboten. Immerhin: Wer auf den Pisten bleibe, könne sich in den nächsten zwei Tagen auf «traumhafte Bedingungen» freuen, sagt Sütterlin.

(dia/jeh/vro/mlr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sunny am 04.01.2015 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    So schnell?

    In Luzern 97km/h? Wenn die Radar gemacht hätten, würden nun die Kassen klingeln:0)

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  • Snow Withe am 04.01.2015 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skifahrer

    Jetzt wird es sicher wieder ein Paar unverbesserliche Skifahrer geben, die trotzdem die Markierungen auf den Pisten nicht beachten.

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  • vreni am 04.01.2015 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Schade ist der Schnee schon wieder vorbei. Hoffe es kommt noch mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs am 04.01.2015 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Global

    Und ihr ignoriert noch immer die Erderwärmung!? Krass schade.

  • Hans Gubrist am 04.01.2015 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meteo Schweiz Monopol

    Falsche Prognose von Meteo Schweiz! Heute in Davos leere Pisten mit Sonnenschein, da die Prognose auf Schneesturm war.

  • Nos Trad Amus am 04.01.2015 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Anfang vom Ende

    Nature strikes back... ..langsam geht die Welt unter...

  • päscu am 04.01.2015 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aaresurfe

    ich hab mich über den erhöhten pegelstand der aare gefreut da ich heute seit langem wider surfen konnte.danke für das wasser.

  • Schnidrig Irene am 04.01.2015 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ostschweiz ertrinkt

    Mein Gott, was sind das für arme Kreaturen, welche Tiere bevorzugen

    • Donna M. am 04.01.2015 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Sorry die Tiere können sich nicht selber helfen! Die Menschen aber schon. In einem sind wir einig. Auch mir tun die Menschen dort leid. Das auch noch im Winter.. Viel Kraft all jenen die betroffen sind..

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