Clubs chartern Fanzüge

30. Juni 2011 17:40; Akt: 01.07.2011 15:01 Print

Hockey-Fans machen es den Fussballern vor

von Lukas Mäder - Fussballclubs sollen künftig für ihre Extrazüge bezahlen. Mit diesem Modell kommt es selten zu Schäden, wie Beispiele aus dem Eishockey zeigen. Ein Blick auf ein Erfolgskonzept.

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Die SBB haben keine Schäden zu beklagen, wenn Eishockey-Clubs Extrazüge chartern: Archivbild eines verwüsteten Eisenbahnwaggons von 2004. (Bild: Keystone)

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Bis Ende Jahr will der Bund Gesetzesänderungen vorschlagen, um die Fussballclubs bei Extrazügen für Fans in die Pflicht zu nehmen. Die Hauptforderung der SBB ist, dass die Vereine die Züge chartern sollen. «Dann muss der Besteller den Extrazug wieder so zurückgeben, wie er ihn erhalten hat», begründete SBB-Sprecher Reto Kormann bereits letzte Woche gegenüber 20 Minuten Online. Das diese Massnahmen wirken dürfte, zeigen die bisherigen Erfahrungen aus dem Eishockey.

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Sollen Fussballclubs die Extrazüge für ihre Fans chartern, damit sie allfällige Schäden übernehmen müssen?
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In der letzten Saison hatte der Zürcher Verein ZSC dreimal einen Charterzug bestellt, der SC Langnau einen, wie die SBB auf Anfrage von 20 Minuten Online schreiben. Dabei kam es laut Kormann zu keinen Schäden und keinen ungedeckten Kosten. «Die Clubs nehmen ihre Verantwortung wahr, indem eigene Club-Security und Fanbegleiter auf den Zügen präsent sind.»

«Müssen etwas unternehmen»

Der ZSC hat mit dem Chartern auf einen gewalttätigen Vorfall mit Fans reagiert. Auf der Rückfahrt nach einem Spiel gegen den EV Zug demolierten ZSC-Fans einen Speisewagen. «Für uns war danach klar, dass wir etwas dagegen unternehmen müssen», sagt ZSC-Sicherheitschef Bruno Vollmer. Der Club habe danach für ein Auswärtsspiel gegen den EV Zug und die Rapperswil-Jona Lakers je zwei Extrawagen gechartert. Mit dabei waren laut Vollmer auch die Fanarbeiter des ZSC.

Im dritten Fall bestellte der Club einen Charterzug für ein Auswärtsspiel in Langnau. Neben den rund 500 Fans fuhren auch die Fanarbeiter und ein gutes Dutzend Sicherheitsleute des ZSC mit, wie Vollmer sagt. «Wir haben den Fans klargemacht, dass Schäden an den Waggons aus dem Fanfonds beglichen werden.» Den Fonds hat der Club zur Unterstützung von Fanprojekten wie aufwändigen Choreographien geschaffen. Zusätzlich galt auf dem Zug ein Glasverbot. Die Security des Clubs durchsuchte die Fans vor dem Einsteigen. Die Massnahmen waren ein Erfolg, wie Vollmer sagt: «Wir hatten keine Schäden, abgesehen von einem verschmutzten Klo.»

Der ZSC will weiterhin auf Extrawagen setzen, zumindest bei Spielen in Zug und Rapperswil. Denn dorthin reisen die Fans mit der S-Bahn, während bei weiter entfernten Auswärtsspielen Fangruppierungen auf eigene Kosten Reisecars organisieren. «Die Trennung von Fans und normalen Passagieren nützt allen Beteiligten», sagt Vollmer. Dass dabei Kosten anfallen, für die der Fanfonds und die Fangruppierungen mit Spezialaktionen aufkommen, nimmt der ZSC in Kauf. «Es kann ja nicht sein, dass die öffentliche Hand allfällige Schäden bezahlen muss.»

Security des Clubs auf dem Zug

Keine grösseren Probleme mit Eishockey-Extrazügen hat auch die BLS, in deren Gebiet mit dem SC Bern, Fribourg-Gotteron, dem SC Langnau und dem EHC Biel gleich vier grosse Hockeyclubs zu Hause sind. Und dies obwohl die Clubs keine Züge chartern. «Insbesondere Biel ist ein eigentlicher Vorzeigeclub», sagt Stephan Bärtschi, Leiter Security und Event der BLS. Neben den Fanbetreuern seien jeweils auch 15 bis 20 Sicherheitsleute des Clubs dabei. «Wir haben nie irgendwelche Schäden.»

Während die Fans aus Langnau und Fribourg kaum den öffentlichen Verkehr benützen, befördert die BLS zahlreiche SCB-Anhänger. Der Club schicke jeweils Fanbetreuer mit, aber keine eigenen Sicherheitsleute, sagt Bärtschi. In der letzten Saison war dies noch der Fall, nachdem es zu Problemen gekommen war - allerdings beteiligte sich die BLS hälftig an den Kosten. Für die Bahn war es jedoch keine Option, dauerhaft an die Sicherheitskosten des SCB zu zahlen, wie Bärtschi sagt. «Wir verhandeln seit längerem darüber, dass wieder SCB-Security auf den Zügen ist.» Der Verein zeige sich jedoch abwartend - zumal inzwischen die BLS die Präsenz ihrer Sicherheitsleute verstärkt hat.

Xamax erfreut die SBB

Die Fussball-Liga zeigte sich bisher in der Frage der Charterzüge zurückhaltend - so wie die meisten Fussballclubs. Doch es gibt auch Ausnahmen, wie Kormann sagt. In der letzten Saison hat Xamax Neuenburg zwei Extrazüge bei den SBB bestellt, um rund 1400 Fans an das Cupfinal Ende Mai in Basel zu fahren. An Bord des Zuges waren auch Fanbegleiter und Securitypersonal von Xamax. «Wir verzeichneten weder Ausschreitungen noch Schäden», so Kormann. Am gleichen Tag verwüsteten Fans des gegnerischen Teams FC Sion einen Extrazug und verletzten Drittpersonen auf dem Lausanner Perron mit Bierflaschen. Der FC Sion hatte den Zug nicht gechartert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • baba am 30.06.2011 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    hockey vor...

    Ich wusste ja schon immer, dass Hockey der besser Sport ist als Fussball ...

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  • Christoph Zangger am 01.07.2011 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Clubsache

    Warum soll der Steuerzahler für die Kosten dieser "Fans" aufkommen müssen? Ist Sache der Clubs, wenn man Millionen in Spieler investieren kann, kann man sicher auch ein paar Franken in die Sicherheit stecken!

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  • Josef Geiger am 30.06.2011 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Boykott!

    Boykottiert Fussballspiele! Sonst ändert nichts...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zürcher am 31.07.2011 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    SBB dankt den FCZ-Fans

    Der FC Zürich hat kürzlich von der SBB das Feedback zum Auswärtsspiel in Sion (16. Juli 2011) erhalten. Die SBB dankt den ca. 600 FCZ-Fans, welche mit dem Extrazug nach Sion gereist sind, für das kooperative und korrekte Verhalten ohne Sachbeschädigungen. Weiter so!

  • Michel Bornand am 04.07.2011 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit ist nicht delegierbar

    Jeder soll gefälligst selbst für die Sicherheit und damit für die Kosten aufkommen. Der Fussballverein im Stadionareal, der Wirt in seinem Restaurant, der Unternehmer in seinem Unternehmen, der Staat auf den öffentlichen Strassen und die SBB in Ihren Zügen! Es ist nicht einzusehen, weshalb gerade ein vom Volk subventionierter Betrieb wie die SBB das Risiko bzw. die Kosten an einen Dritten weitergeben will. Jeder Amateurverein (ohne komerzielle Interessen) wird heute gezwungen, teure Eingangskontrollen durchzuführen und für Sicherheit zu sorgen. Weshalb also nicht die SBB?

  • André am 01.07.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    vorzeige klub oder nicht

    Hat der Verfasser des Artikels Biel mit Bern verwechselt? Ich habe in Bern noch nie ein grösseres Polizeiaufgebot gesehen als wenn Biel zu Gast ist. Was gewisse Bieler Fans im Berner Gästesektor so alles anstellen würde ich nicht gerade vorbildlich nennen. Unter den Anhängern des SCB gibts natürlich nicht nur Engel die brav in die Hände klatschen wenn der Capo in's Megaphon brüllt aber auf extra und charterzügen gibts wenig Probleme. Fanarbeiter und Club Security sind meistens mit an Bord. Ärger gibts hauptsächlich wenn am Zielbahnhof eine aggressive Hundertschaft Polizisten steht.

    • Phippu am 01.07.2011 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig lesen

      Wenn du den Text richtig lesen würdest hättest du begriffen, dass es um das Verhalten in den Zügen geht und nicht um das in oder vor den Stadien. Aber eben; immer zuerst mekkern.

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  • Andreas Meier am 01.07.2011 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schon lustig

    Vor etwa einer Woche vermeldete hier ein Artikel, dass die Gewalt und Sachschäden eigentlich abgenommen hätten. Der Artikel generierte 8 Kommentare. Nun erscheint ein Artikel, der die geringen Probleme, die es zweifellos gibt, ausschlachtet und schon kann sich der Schweizer Kommentar-Schreiber wieder echauffieren obwohl er NULL von der Thematik versteht...

    • Fussballfan am 01.07.2011 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Ahnung

      Dass das Volk dabei an der Nase herumgeführt ist eigentlich tragisch. Aber als Fussballfan der regelmässig in Extrazügen reist, entlockt mir das ganze Theater und die Kommentare nur ein lächeln. Besser nichts sagen wenn man keine Ahnung hat.

    • Martin am 01.07.2011 12:10 Report Diesen Beitrag melden

      Voreingenommen

      Was ist denn das für ein Argument? Weil Gewalt und Schäden abnehmen sollen die Fussballclubs nicht für die riesigen Schäden aufkommen, die ihre Fans verursachen (die wiederum den Clubs tonnenweise Geld in die Kasse spülen)?

    • Andreas Meier am 01.07.2011 17:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Nein, es geht darum, dass die Realität (abnehmende Problemqualität) anscheinend weniger interessiert, als die Hetzjagd einiger Politiker. Hauptsache man kann eine Sau durchs Sommerloch treiben. Fakten - wie 20min löblicherweise vor wenigen Tagen auch einmal veröffentlichte - stören da doch nur.

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  • Fussball-Fan am 01.07.2011 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzfristig wird sich nichts ändern

    Der Wille des SFV und der Fussball-Clubs, gegen Vandalismus und Hooliganism anzugehen, ist einfach nicht da. Schlussendlich schaden sie sich damit selbst (schlechtes Image).