Sex-Werbe-Falle

15. Februar 2017 15:59; Akt: 15.12.2019 13:18 Print

Hohe Telefonrechnung anstelle heisser Bilder

von Fabrice Dubler - Dienstleistungen dubioser Anbieter via SMS entpuppen sich als falsch. Zur Kasse gebeten wird der Nutzer trotzdem.

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In der Schweiz kursieren dubiose SMS von Mehrwertdienstanbietern. Diese sollte man ignorieren und löschen. (Bild: 20 Minuten/duf)

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Plötzlich poppt im Posteingang von J. F.* eine Nachricht auf: «Du hast vier Bilder inklusive Telefonnummer von Petra Meier», heisst es in dem angeblichen Gratis-SMS. «Ich war verwirrt, aber auch neugierig», erzählt J. F. Voller Erwartung antwortet der junge Mann mit dem Codewort «TEL» auf die Nachricht. Was schlussendlich auf dem Display erscheint, sind aber keine Bilder von Petra Meier, sondern Anzeigen von drei angeblichen Single-Frauen. Kostenpunkt: fünf Franken pro Anzeige.

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Via Hotline kann er diesen eine Nachricht hinterlassen. Nach zwei Tagen wartet F. noch immer vergeblich auf den Rückruf. «Ich fühle mich verarscht», sagt er. Zwar werde man auf die Kosten aufmerksam gemacht, bevor der Dienst gestartet werde. «Ich zahle 15 Franken, erhalte aber weder Bilder noch konnte ich eine der beworbenen Frauen treffen.»

Immer misstrauisch sein

«Dieses Vorgehen ist in vielerlei Hinsicht problematisch», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin vom Schweizer Konsumentenschutz. Einerseits sei das SMS unaufgefordert eingetroffen und erwecke den Eindruck, von einer echten Person zu stammen. Andererseits sei nie die Rede von Telefonaten gewesen. «Dadurch dürften die Kosten schlussendlich viel höher sein, als im SMS angegeben», sagt Stalder.

Sie rät deshalb, nicht darauf einzugehen. Zudem solle man auf Lastschriftverfahren bei Handy-Rechnungen verzichten und diese auf Unstimmigkeiten überprüfen. «Eine allfällige Entschädigung bei überraschenden Kosten wird von Fall zu Fall mit dem Kunden besprochen», sagt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli.

Einhaltung der Richtlinien

Der Absender dieses SMS ist ein Mehrwertdienstanbieter mit der Nummer 4444. Solche Premium-Nummern werden von Mobilfunkbetreibern (Swisscom, Sunrise oder Salt) vergeben mit der Vereinbarung, die fernmelderechtlichen Schutzbestimmungen durchzusetzen.

Verstösse mahnen Betreiber direkt mit diesen Dienstanbietern ab. «Das kommt immer wieder vor», sagt Benjamin Petrzilka, Sprecher von Salt. In einem solchen Fall würden die Kosten dem Kunden zurückerstattet.

«Wir sind nur die Schnittstelle»

Hinter der Nummer steckt eine Firma Wollerau. Sie würden lediglich als Dienstleister auftreten, der anderen Unternehmen die Infrastruktur für digitale Inhalte zur Verfügung stelle, sagt deren operativer Leiter zu 20 Minuten sagt.

«Nachrichten oder Zahlungsaufträge werden über diese Unternehmen selbst versandt.» Gemäss der Firma ist eine Udeba Ltd mit britischer Telefonnummer die Absender-Firma hinter dem SMS. Sie war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. «Wir werden ihren Dienst prüfen und unseren Kunden ermahnen, sofern es Abweichungen gibt», versichert die Firma.

Betrugsfälle melden

Der Erhalt eines SMS ohne aktive Anforderung ist gemäss Salt-Sprecher Benjamin Petrzilka grundsätzlich unbedenklich. Bei der Kurznummernsuche finde der Kunde auf den Websites aller Mobileprovider die Standardschlüsselwörter, um Dienste wieder zu stoppen. Fällt man aus Versehen doch mal auf die Betrugsmasche rein, hat man verschiedene Möglichkeiten.

Das Bundesamt für Kommunikation rät, umgehend die Mobilfunkbetreiberin zu informieren und den allfälligen Betrag zu bestreiten. Wird man sich nicht einig, kann die Schlichtungsstelle für Kommunikation – Ombudscom – eingreifen. Nützt alles nichts, bleiben nur noch zivil- oder strafrechtliche Schritte. Gut beraten ist also, wer nicht auf derartige Dienste eingeht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcus Severus am 15.02.2017 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt

    Gibts 2017 echt immer noch Leute die auf so einen Quatsch reinfallen? Ich würde im Boden versinken und schauen dass niemals jemand davon erfährt und nicht damit noch zur Presse ;-)

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  • Biker63 am 15.02.2017 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur doof

    Wie doof sind alle die, welche darauf reinfallen

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  • Ein Leser am 15.02.2017 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Apps als Datensender

    Installiert halt nicht so viele Apps dann bekommt ihr auch nicht solche sms. Viele Apps senden Daten an fragwürdige Quellen. Eigentlich sollte man einen Rückschritt machen und auf alte Handys umsteigen wo es keine Apps gibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • deb_ch am 15.02.2017 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung

    Die Hauptverantwortlichen für diese Misere und auch die grossen Abzocker sind ganz klar die Telcos, die solche "Mehrwertnummern" an dubiose Firmen verkaufen. Und: ja, im Nachhinein ist jemandem der darauf reinfällt sicher schon klar, das er/sie dumm gehandelt hat. Aber aus meiner Sicht zeugt es von Mut, sich dennoch mitzuteilen und andere zu warnen. Darum: J. F. - fair enough, aus Fehlern lernt man und wenn andere davon mitlernen können, um so besser. Schweigen und sich im Stillen schämen hilft keinem und wer noch nie im Leben etwas Dummes getan hat, hat vermutlich noch nicht gelebt.. ,-)

  • Walter Schmucki am 15.02.2017 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sperren lassen

    Ich kann nur empfehlen sämtliche Premiumnummern sowie 0900 , 0906 und so endliche Sperren zu lassen.

  • Sehnsucht 67 am 15.02.2017 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann reden

    wow das es noch Leute gibt die auf so was noch reinfallen. Geht raus und lernt Menschen in echt kennen von Angesicht zu Angesicht.

  • Radix am 15.02.2017 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehrwertdienstanbieter?

    Müsste man in "Nulldienstanbieter" umbenennen.

  • Dondo am 15.02.2017 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Völlig wurscht ob das was kostet oder nicht, obs viel kostet oder wenig. Wer da schon nur neugierig wird und drauf antwortet, in der Hoffnung was heisses zu sehen oder sogar auf nen Rückruf wartet, dem is eh nicht zu helfen... Überhaupt darüber zu berichten is schon viel zu viel Werbung für diese Haie!!