Marokko 2026

13. April 2018 21:45; Akt: 13.04.2018 21:45 Print

Werden wegen Fifa-Besuch Hunde getötet?

Dutzende Hunde aus dem Impfprogramm einer Schweizer Stiftung werden in Marokko getötet. Grund dafür sei der Besuch von Fifa-Offiziellen.

Ausländer, Touristen und Einheimische dokumentieren die Behandlung der Hunde.
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Es ist Donnerstagabend in der marokkanischen Küstenstadt Aourir: Ein Video zeigt, wie ein verletzter Hund weggetragen wird. «Seit dieser Nacht wurden Dutzende Hunde aus unserem Kastrations- und Impfprogramm erschossen, verletzt oder noch lebendig via Lastwagen deportiert», sagt Brigitte Post, Präsidentin der Stiftung Tierbotschafter.ch. Grund für die «Säuberungsaktion» an der Küste nördlich von Agadir sei der baldige Besuch von Fifa-Funktionären im Rahmen der Bewerbung Marokkos um die Weltmeisterschaft 2026. Die Strassen würden «gesäubert», um den Offiziellen ein möglichst gutes Bild abzugeben.

«Wir haben in einem Vorzeigeprojekt in und um Agadir über tausend Hunde kastriert, gegen Tollwut geimpft, mit einer Ohrmarke gekennzeichnet und wieder in ihr Revier gebracht», sagt Post. Das erfolgreiche Programm wird von der Stadt Agadir getragen und sollte auch auf andere Städte in Marokko ausgedehnt werden. «Hunde zu töten, ist erwiesenermassen sinnlos – weder geht die Zahl der Streuner noch diejenige der Tollwutfälle zurück.» Es dürfe nicht sein, dass jetzt die Fifa mit ihrem Besuch ein Vorzeigeprojekt einer Schweizer Tierschutzstiftung zunichtemacht, sagt Post.

Wurden wegen Fifa-Besuch Hunde getötet?

Rettungsaktion organisiert

«Ich erwachte vom Geräusch der Gewehrschüsse», sagt I. G.*, die schon seit mehreren Jahren in Taghazout lebt. «Rund 30 bis 40 bewaffnete Männer haben mitten im Dorf angefangen, auf Hunde zu schiessen – ungeachtet dessen, ob sie mit einer Ohrmarke als geimpft und kastriert gekennzeichnet waren oder nicht.» Sogar den angeleinten Hund eines Parkwächters hätten die Männer nicht verschont – und das vor den Augen zahlreicher Touristen. «Und das nur, weil bald Fifa-Beauftragte zu Besuch kommen.»

Wer versuchte, die Männer am Schiessen zu hindern oder Aufnahmen der Aktion zu machen, sei bedroht oder verhaftet worden. «Also organisierten wir Ausländer mit der lokalen Bevölkerung eine Rettungsaktion, um möglichst viele Hunde in privaten Häusern unterzubringen.» Dass jetzt viele Touristen online über die Aktion berichteten, mache die Behörden nervös. «Weil die Fifa nichts gegen die Tötungen tut, ist sie mitverantwortlich», sagt G.

Fifa wehrt sich gegen Vorwürfe

Schon im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft in Russland wehrte sich die Fifa in einem Statement gegen ähnliche Vorwürfe: «In keiner Weise heisst die Fifa die grausame Behandlung von wilden und streunenden Tieren gut.» Die Fifa sei sich ihrer Vorbildfunktion bewusst. So habe die Organisation ein Verfahren entwickelt, um möglichst human auf das Auftreten von Streunern oder wilden Tieren in den Stadien zu reagieren.

Mit den Gastgeberstädten sei die Fifa in Kontakt und erwarte, dass diese das Wohlergehen der Tierpopulation sicherstellten. «Zu Marokko dürfen wir uns allerdings nicht äussern, da das Bewerbungsverfahren für die Fussball-Weltmeisterschaft 2026 läuft und eine Aussage dieses beeinflussen könnte», schreibt die Fifa.

Die marokkanischen Behörden äusserten sich bis Redaktionsschluss nicht zu den Vorwürfen.


*Name der Redaktion bekannt. Aus Angst vor Repressionen der Behörden will die Person anonym bleiben.

(dk)