Schwarzfahrer im ÖV

27. März 2019 04:57; Akt: 27.03.2019 04:57 Print

Bussen für Unschuldige wegen Identitätsklau

von B. Zanni - Ein Autofahrer erhielt zu Unrecht eine ÖV-Busse. Dass Schwarzfahrer falsche Personalien angeben, passiert oft.

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Aus heiterem Himmel flatterte R.G.* eine Busse von 100 Franken in den Briefkasten. Mit einem Bus von Bernmobil soll er kürzlich schwarz in Richtung Ostermundigen BE gefahren sein. «Ich war über die Busse völlig überrascht. Seit ich den Führerschein habe, bin ich gar nie mehr mit dem ÖV gefahren», sagt der 28-jährige Bieler. Um seine Unschuld zu beweisen, habe er bei Bernmobil in Bern eine Handschriftenprobe abgeben müssen. «Es ärgert mich extrem, dass ich deswegen extra freinehmen musste», sagt der Logistiker.

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Er habe eine Person in Verdacht, die seine Daten missbraucht haben könnte, so G. «Es muss jemand sein, den ich kenne und der meine Adresse weiss.» Gut möglich sei, dass es ein Facebook-Freund sei. «Bis vor kurzem war auf meinem Facebook-Account mein Geburtsdatum ersichtlich. So war es ein Leichtes, mich anzuschwärzen.» Bernmobil habe ihm mitgeteilt, die betreffende Person zu kontaktieren. «Ich erstattete zudem Anzeige gegen unbekannt.»

Häufig würden Bekannte angeschwärzt

Dass ÖV-Passagiere ohne Billett unschuldige Personen anschwärzen, ist keine Seltenheit. Möglich ist dies, weil in der Schweiz keine Pflicht besteht, einen Ausweis auf sich zu tragen. «Durchschnittlich einmal pro Tag missbrauchen Schwarzfahrer die Angaben von Personen», sagt Katharina Merkle, Mediensprecherin von Postauto. Die Billettkontrolleure ihres Unternehmens kontrollieren für rund zehn Transportunternehmungen in der Schweiz, darunter etwa die VZO und Stadtbus Winterthur.

Pro Jahr stelle Postauto rund 300 solche Bussen aus. «Häufig schwärzen Schwarzfahrer Bekannte an. Es gibt aber auch solche, die im Falle einer Kontrolle irgendeine Adresse bereithaben», sagt Merkle. Oft würden die Schwindler aber auch auffliegen. «Viele fallen rein, wenn die Billettkontrolleure Fangfragen stellen. Sie geben dann zum Beispiel ein Sternzeichen an, das nicht mit dem angegebenen Geburtsdatum übereinstimmt.»

Missbrauch sei nicht auszuschliessen

Auch bei der SBB heisst es, dass Schwarzfahrer Angaben von anderen Personen missbrauchten. «Wir führen dazu aber keine Statistik», sagt Mediensprecher Daniele Pallecchi. Bernmobil und die Basler Verkehrs-Betriebe BVB registrieren pro Monat rund zwei bis drei Fälle von Namensmissbrauch. «Da in der Schweiz keine Pflicht besteht, einen Ausweis auf sich zu tragen, können wir einen Missbrauch nicht gänzlich ausschliessen», sagt Rolf Meyer, Leiter Unternehmenskommunikation von Bernmobil.

Auch Stefan Dauner, Mediensprecher bei der BLS AG, sagt: «Wir erhalten in regelmässigen Abständen die Info, dass Reisende ohne gültigen Fahrausweis Angaben missbrauchen.» Die meisten ÖV-Betriebe zeigen die Schwarzfahrer wegen Identitätsmissbrauchs an – so kommen sie ihnen auf die Schliche (siehe Box).

Ausweispflicht würde Problem beheben

Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn, bezeichnet das Angeben von falschen Personalien als «kein Kavaliersdelikt mehr». Eine Pflicht, beim Benutzen des ÖV einen Ausweis auf sich zu tragen, würde das Problem laut Blättler beheben. Deren Umsetzbarkeit sei aber zu bezweifeln.

Am 1. April 2019 startet das nationale Schwarzfahrerregister. Dieses registriert alle Reisenden zentral, die ohne gültigen Fahrausweis im öffentlichen Verkehr kontrolliert werden. Postauto erhofft sich auch dadurch eine Entspannung. Merkle: «Das primäre Ziel ist, notorische Schwarzfahrer abzuschrecken. Dank des zentralen Registers können Schwarzfahrer über verschiedene Transportunternehmungen hinweg erkannt werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dave74 am 27.03.2019 05:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So fängt es an

    Beweislastumkehr im Kleinen. Toll, wenn man seine Unschuld beweisen muss. Wenigstens bekommt man das eingeforderte Geld zurück und die Ironie und die Rechtsstaatlichkeit kann man auch behalten.

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  • D. Kaufmann am 27.03.2019 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Register???

    Geil. Dann können wir ja in Zukunft die zu unrecht Beschuldigten gleich noch im Register erfassen! Was für eine geniale Lösung des Problems.

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  • Rainer B. Trug am 27.03.2019 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schappoo

    Haha wow, gibt auf seinem FB-Profil schön seine Daten ein und macht diese auch für alle ersichtlich, und ärgert sich dann dass diese Missbraucht werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • RR am 27.03.2019 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unkosten geneiert durch ÖV

    Was ist denn mit den Unkosten die die öv durch das falsche handling mit den Schwartzfahrer generiert? Darf ich diese denn der öv berechnen?

  • Mile96 am 27.03.2019 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung Swisspass!

    Da gibt der Swisspass schon noch Sinn, schliesslich sind dort alle Daten inklusive ein Bild hinterlegt...

  • Mikel am 27.03.2019 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Schriftenprobe...

    übrigens: man kann eine beglaubigte Unterschrift zum Abgleich einschicken. Dann müsste man nicht extra einen Tag frei nehmen um zu beweisen, dass man es nicht war.

  • oliver am 27.03.2019 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Foto machen

    und aufbewahren bis die Busse bezahlt ist, respektive sich eben herausgestellt hat, das die Person auf dem Foto nicht der Namensträger ist/sein kann. Aber Ja, unsere Rosa Brille tragenden, Täter freundliche Politik aus einer gewissen Ecke wollen das ja nicht, sehen dahin eine schon Verletzung der Privatsphäre usw.

    • Eidgenossin am 27.03.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      @oliver

      Nein Foto machen ist verboten,aber die Polizei anrufen, die den Schwarzfahrer nach Hause begleitet und sich den Ausweis zeigen lässt, dies wäre das beste. Die Fahrt mit dem Polizeiauto würde dem Schwarzfahrer selbstverständlich in Rechnung gestellt!

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  • Sw. Com. am 27.03.2019 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genug ist genug

    Bei einer Kontrolle,...einfach einen Ausweis von dieser Person verlangen, dann hört dies auf. Punkt. Und wer sich nicht ausweisen kann, wird einem Polizeiposten für weitere Abklärungen übergeben.