VBS-Job

06. Juli 2014 07:07; Akt: 06.07.2014 07:07 Print

IT-Berater verdiente mehr als Bundesrat

Ein IT-Berater im VBS verdient während rund zehn Jahren eine halbe Million pro Jahr – ohne dass sein Job je ausgeschrieben wurde. Armeechef Blattmann war informiert.

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Angehörige der Schweizer Armee planen eine Übung auf dem Computer. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Trotz bundesrätlicher Direktive mauschelten Kaderleute der ­Armee bei der Vergabe eines ­Beratermandats. So verdiente ein einfacher Berater des VBS mehr als der Armeechef oder VBS-Chef Ueli Maurer. Der Berater sollte aus einer speziellen Reserve bezahlt, sein Vertrag unter den Vereinbarungen für ein Grossprojekt versteckt werden, so die «Sonntagszeitung». So erhielt er auch nach 2010 über 400’000 Franken. Die Verantwortung trägt Armeechef André Blattmann. Er war über die fragwürdigen Vorgänge unterrichtet und schritt nicht ein.

Der Informatikspezialist arbeitete seit Ende der 90er-Jahre beim VBS. 2004 gründete er eine Einmannfirma und erhielt über Jahre lukrative Jobs. Zu einem Tagesansatz von nicht weniger als 1800 Franken war er an drei bis vier Tagen pro Woche in der IT tätig. Er soll der «Hausberater» von Werner Bläuenstein, dem damaligen Logistikchef der Schweizer Armee. Kennen sollen sich die beiden vom bundeseigenen Rüstungskonzern Ruag. Bläuensteins Aufgabe war es damals, die Armee gesundzuschrumpfen. Zeughäuser wurden geschlossen und Tausende Stellen gestrichen. Als es den Truppen plötzlich an allem mangelte, und die Restrukturierung aus dem Ruder zu laufen drohte, musste der Logistikchef Ende Mai 2008 den Hut nehmen.

Mandat wurde in Grossprojekt versteckt

Dennoch arbeitete der Spezialist weiterhin für das VBS und verdiente jährlich gegen eine halbe Million Franken. Als Ueli Maurer die Vergaben genauer kontrollierte, brach bei den Kaderleuten der Armee Hektik aus. Sie suchten nach einem gangbaren Weg und waren offenbar entgegen den Direktiven von Bundesrat Maurer fest entschlossen, dieses Mandat weiterhin ohne Ausschreibung direkt an den Berater zu vergeben.

Diesmal wurde sein Vertrag über 406'000 Franken aber im IT-Grossprojekt einer grossen Beraterfirma untergebracht. Der Rahmenvertrag dafür wurde zwar ordentlich ausgeschrieben. Inhaltlich hatte der Vertrag des Beraters aber nichts mit diesem Projekt zu tun. «Es gab zwar Schnittstellen, aber es waren unterschiedliche Projekte», so eine VBS-interne Quelle.

Nationalrat Noser kritisiert «illegale freihändige Vergaben»

Der Fall zeigt, dass es im Beschaffungswesen des Bundes seit dem Schlamassel von 2010 nicht besser geworden ist. Es geht um viel Geld: Der Bund gibt für IT-Projekte und Beratungen 1,5 Milliarden Franken pro Jahr aus.

FDP-Nationalrat Ruedi Noser sagt: «Heute arbeitet man mit grossen Rahmenverträgen, die extrem viel Spielraum dafür lassen, was darunter läuft». Das öffne illegalen freihändigen Vergaben Tür und Tor. «Dass der Bundesrat dies zulässt, ist gefährlich. Das Parlament will, dass die Regierung jetzt für Ordnung sorgt», sagt Noser.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pepita am 06.07.2014 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so nicht meine damen u herren....

    eine absolute frechheit ist das....korruption u vetternwirtschaft. da gehört aufgeräumt u ausgemistet. wir zahlen steuern wie blöd u der staat verschenkt das geld grosszügig. das geht gar nicht!!!!!

  • Sennetuntschi am 06.07.2014 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute!

    Dann wünsche ich Herr Blattmann bei seinem neuen Job, alles Gute!Denn so eine Person ist sicher nicht mehr als Armeechef tragbar!

  • reto am 06.07.2014 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    war schon immer

    erstaunt niemanden, das ist in den verwaltungen seit 25 jahren so.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bangkoker am 06.07.2014 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Billig ist Geil oder was

    Schweiz was soll das? Qualität hat seinen Preis, hört doch mit dem Billig ist Geil auf, oder wollt ihr wie einige EU-Staaten enden.

  • William Tell am 06.07.2014 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch!

    Wo ist's passiert: im VBS von BR Maurer Ist es ein einmaliger 'Ausrutscher': Nein, in diesem Fall wurden sogar systematisch Verschleierungmethoden angewandt. (Übrigens: letzte Woche haben wir im Zusammenhang mit dem Pilatus-BR-Jet erfahren, dass auch dort Ausschreibungs- und Vergabevorschriften vorsätzlich nicht eingehalten werden). Was geschähe in der Privatwirtschaft in einem solchen Fall: Vorgesetzte und Involvierte müssten mit schweren Sanktionen rechnen. Was geschieht bei der öffentlichen Hand: vermutlich nichts, es wird weitergewurstelt.

  • Küsche am 06.07.2014 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Verschleudern

    Alle Berichte über verschleuderte Milliarden in der Bundesverwaltung in letzter Zeit lässt die Frage zu,ob in den oberen Etagen die Mitarbeiter ihre Jobs vernachlässigen oder Steuergelder im Bekanntenkreis verteilt werden!!

    • Erik Schiegg am 06.07.2014 11:42 Report Diesen Beitrag melden

      Die wissen von Geld vor allem eines:

      Dass sie es von anderen haben wollen. Es geht nicht mehr um Problemlösungen, sondern vorallem darum, mit dem Problem viel Geld zu machen, glaub' ich langsam.

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  • Hans F. am 06.07.2014 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So extrem viel

    verdient ein BR nun auch wieder nicht. Der Unterschied zu gewöhnlichen Lohnbezügern besteht aber darin, dass die Pension nachher Einiges höher ist. Der Inhalt des vorliegenden Artikels ist ja nicht gerade schmeichelhaft, aber stimmt der denn auch?

  • David am 06.07.2014 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VBS-Mangrovensumpf

    Und wiedermal unsere hochgeschätzen, oberkompetenten VBS-Helden...da wird gemauschelt, betrogen und vertuscht...und das Alles natürlich nur zum Wohl des Steuerzahlers. Danke VBS!