Bundesgericht

01. Februar 2011 12:00; Akt: 01.02.2011 10:02 Print

IV muss Brust-Teilprothesen zahlen

Brustkrebs-Patientinnen, bei denen der Tumor brusterhaltend entfernt werden konnte, dürfen auf Kosten der IV eine Teilprothese beziehen. Die gesetzliche Regelung, wonach die IV nur bei einer Amputation zahlt, ist laut Bundesgericht nicht mehr zeitgemäss.

Bildstrecke im Grossformat »
Um einen Knoten möglichst frühzeitig erkennen zu können, müssen die Brüste regelmässig selbst untersucht werden. Hier erfahren Sie, was es bei einer zu beachten gilt. Während der Jahreskontrolle untersucht die Gynäkologin/der Gynäkologe die Brust. Neben dem Abtasten stehen bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder die Mammographie für die Kontrolle zur Verfügung. Die genetische Disposition spielt beim Brustkrebs eine nicht unwesentliche Rolle: Gibt es eine familiäre Vorbelastung, sollte man die Kontrolle besonders ernst nehmen (zum Beispiel wenn Mutter, Schwester oder Tante bereits an Brustkrebs erkrankt sind). Mit dem Reduzieren von Übergewicht lässt sich auch das Risiko einer Brustkrebserkrankung senken. Rauchen erhöht allgemein das Krebsrisiko - da bildet der Brustkrebs keine Ausnahme. Bier, Wein oder Spirituosen höchstens in Massen geniessen, denn durch Alkohol entstehende Abbauprodukte wie Acetaldehyd können das Krebsrisiko erhöhen. Gesunde Ernährung senkt grundsätzlich das Risiko, an Krebs zu erkranken. Achten Sie auf ausgewogene Mahlzeiten mit wenig rotem Fleisch, dafür mit Fisch und verschiedenen Gemüsesorten. Zum Dessert oder zwischendurch Früchte geniessen! Östrogene, die in Form der Pille oder im Rahmen einer Hormon-Ersatztherapie gegeben werden, können zur Erhöhung des Brustkrebsrisikos beitragen. Stress schwächt das Immunsystem. Dabei ist eine gut funktionierende Immunabwehr nicht nur in Bezug auf die Krebsvorsorge wichtig. Eine von Wissenschaftlern der Universität Wisconsin in Madison (USA) ergab, dass das Brustkrebsriko durch körperliche Aktivität vermindert werden kann.

Brustkrebs-Risikofaktoren

Fehler gesehen?

Die betroffene Frau hatte sich 2008 einer brusterhaltenden Tumor- Entfernung unterziehen müssen. Da sie trotz dem schonenden Eingriff rund einen Drittel des Volumens ihrer rechten Brust verlor, schaffte sie sich selber eine Teilprothese an.

Regelung aus 1982

Das Verwaltungsgericht Graubünden verpflichtete die kantonale IV- Stelle 2009 dazu, die Kosten für die Prothese zu übernehmen. Zu Recht, wie nun das Bundesgericht auf Beschwerde der IV-Stelle entschieden hat. Gemäss dem Urteil sieht die gesetzliche Regelung Kostenersatz für Brustprothesen zwar nur bei Amputationen vor.

Diese Regelung aus dem Jahr 1982 sei indessen nicht mehr zeitgemäss. Bis tief in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sei die vollständige Amputation der Brust nahezu die einzige Methode zur operativen Behandlung von Brustkrebs gewesen.

Amputation Ausnahme

Mittlerweile gelange indessen zu 75 Prozent ein brusterhaltender Eingriff zur Anwendung. Auch dabei könnten hinsichtlich Form und Volumen der Brüste augenfällige Unterscheide entstehen, die zur Wiederherstellung des früheren Erscheinungsbildes eine Teil- oder Ausgleichsprothese nötig machen könnten.

Absicht der damaligen Regelung sei es gewesen, dass Frauen mit einem augenfälligen Defizit beim Brustvolumen infolge einer Krebsoperation, welcher Art auch immer, eine Prothese beanspruchen könnten. Entgegen dem reinen Wortlaut bestehe deshalb auch nach einem brusterhaltenden Eingriff Anspruch auf eine Teilprothese. (Urteil 9C_65/2010 vom 17.1.2011; BGE-Publikation)

(sda)